Nach den Klagen von drei Spitzensportlern des Skibergsteigens haben auch Athleten der Disziplin Klettern harte Kritik am Umgang mit ihnen im Deutschen Alpenverein (DAV) in den vergangenen Jahren geübt. Das berichtet die ARD-Sportschau. Demnach habe der Verband einem Bundestrainer nach Protesten von Athleten zunächst Kompetenzen entzogen, ihn kurz darauf aber befördert. In einem anderen Fall sei einem beliebten, erfolgreichen Bundestrainer fristlos gekündigt worden.„Ich glaube schon, dass sich viele Leute erhofft hatten, dass mit Olympia eine gewisse Professionalisierung stattfindet“, sagte Alexander Megos, einer der besten deutschen Kletterer und früherer Athletensprecher, der ARD: „Es ist eigentlich irgendwie immer schlechter geworden.“Nach harter Kritik befördertNach Darstellung der Journalisten hätten mehrere Athleten dem damaligen Bundestrainer F. unter anderem „massive Einflussnahme auf Athleten, ihr Gewicht zu reduzieren“, vorgeworfen. Ein heikles Thema. Im Klettern ist das Gewicht ein Leistungsfaktor. Einige nationale und internationale Kletterinnen und Kletterer berichteten öffentlich über die Entwicklung von Essstörungen im Zusammenhang mit ihrem Sport. Der DAV reagierte. „Zentrale Trainingsmaßnahmen“ sowie „Wettkampfbetreuungen sollten bis auf Weiteres“ ohne den Bundestrainer durchgeführt werden. Die ARD verweist dazu auf einen ihr vorliegenden E-Mail-Verkehr.Der Betroffene ließ die Vorwürfe gegenüber der ARD zurückweisen. Er habe oft untergewichtige Athleten zu deren Schutz nicht starten lassen. 2024 wurde F. befördert – zum DAV-Sportmanager für die Gesamtsparte Sportklettern. „Für mich ist viel kaputtgegangen. Ich finde das kritisch, nach dem Vorangegangenen so jemanden in diese Position zu heben“, zitiert die ARD den Kletterer Sebastian Halenke: „Das Vertrauen war völlig weg in die Führung. Für mich ist viel kaputtgegangen, es bleibt viel hängen.“ Laut der ARD will sich der DAV zu Personalangelegenheiten nicht äußern.„Viele haben Angst“Im vergangenen Winter hatten sich drei Spitzensportler des Skibergsteigens nach langen internen Bemühungen um Hilfe auch öffentlich über Machtmissbrauch durch Verbandsmitarbeiter beschwert, unter anderem in der F.A.Z. Sie führten ihre Benachteiligung gegenüber anderen Athleten auf ihre Kritik zurück. Ein Gutachten einer vom DAV beauftragten Kanzlei stützte ihre Position. Sie erstatteten unter anderem Anzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung bei Blutabnahmen zur Leistungsdiagnose gegen einen führenden Mitarbeiter. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen.Die Befürchtungen der drei, der Umgang mit ihrem Fall bewege andere Sportler des Verbandes, keine Kritik zu üben, werden auch von Kletterern des DAV geteilt. Das geht aus dem Beitrag der ARD hervor. Demnach seien Athleten nur noch unter Zusicherung der Anonymität bereit gewesen, Fragen zu beantworten. „Da ist im Umfeld schon spürbar, dass viele Angst haben“, sagt der dreimalige deutsche Meister im Klettern, Linus Bader, im Film: „Und klar, man merkt schon, dass alle angespannt sind. Okay, kann ich wirklich offen und ehrlich sagen, wie es mir geht? Ohne Angst zu haben, dass man vielleicht nicht mehr bei einem Weltcup startet oder einfach nicht mehr auf irgendwelchen Listen auftaucht.“Starkes Misstrauen hat wohl auch der Fall des ehemaligen Bundestrainers im Speedklettern ausgelöst. Peter Schnabel hatte Athleten an die Weltspitze geführt. Im Februar 2025 wurde ihm laut ARD ohne Nennung von Gründen fristlos gekündigt. In einem Protestschreiben von Schnabels Athleten an das Verbandspräsidium ist vom „Zustand der Schockstarre“ die Rede. Ein Arbeitsgerichtsprozess endete mit einem Vergleich. Der ARD sagte Schnabel: „Persönlich war es ein absoluter Horror, eine Auseinandersetzung zu führen, die wahnsinnig wehtut. Wenn man dann immer wieder vor weinenden Athleten sitzt und am Ende selber weint. Neben Athleten bin auch ich in eine psychologische Betreuung gegangen.“Der DAV hat laut ARD eine Kanzlei beauftragt, „Vorgänge im Bereich Klettern, einschließlich Personal- und Führungsentscheidungen der Jahre 2023 – 2025“ zu untersuchen.