Die 800-Meter-Läufer sind schnell unterwegs. In der frühen Phase positioniert sich Cooper Lutkenhaus erst mal hinter Emmanuel Wanyonyi. Vor der 600-Meter-Marke setzt der US-Amerikaner jedoch zur Attacke an und zieht an dem kenianischen Favoriten vorbei. Wanyonyi muss ins Risiko gehen, kommt auf den letzten Metern nochmals heran, aber Lutkenhaus schmeißt sich als Erster über die Ziellinie und behauptet seinen Vorsprung von einer Hundertstelsekunde.In 1:42,08 Minuten gewinnt der 17-Jährige beim Diamond-League-Meeting in Oslo vor Wanyonyi. Lutkenhaus verbessert damit nicht nur seinen U18-Weltrekord um 0,01 Sekunden, sondern läuft auch bei den Erwachsenen weltweit die schnellste Zeit des Jahres.Wanyonyi gehört zu den absolut besten 800-Meter-Läufern, über diese Distanz wurde er 2024 Olympiasieger und 2025 Weltmeister. Insofern ist Lutkenhaus’ Sieg nicht zu unterschätzen: Er schreibt eine Entwicklung fort, die im März mit dem Titel bei der Hallen-WM begonnen hatte. Lutkenhaus hat es geschafft, in die Weltspitze vorzudringen – und trotzdem ist sein Erfolg nicht die größte Überraschung, die die US-Leichtathletik an diesem Mittwoch produziert.Nur wenige Stunden später steht bei den nationalen Hochschul-Meisterschaften das Halbfinale über 110 Meter Hürden an. Ja'Kobe Tharp kommt gut über die ersten Hürden, liegt bei Rückenwind den gesamten Lauf in Führung – und wird auf den letzten Metern nochmals schneller. Scheinbar mühelos vergrößert er die Lücke zwischen sich und seinen Konkurrenten.„Das war nicht einmal ein perfektes Rennen“Im Halbfinale sei es ihm eigentlich nur darum gegangen weiterzukommen. Stattdessen bricht Tharp in 12,75 Sekunden den seit 2012 bestehenden Weltrekord seines Landsmannes Aries Merritt. Die bisherige Bestmarke, an der selbst der dreimalige Weltmeister Grant Holloway immer wieder gescheitert war, unterbietet er gar um fünf Hundertstel. Die Zeit muss allerdings noch vom Weltverband World Athletics offiziell anerkannt werden.„Ich habe keine Worte, ich bin sprachlos. Das war nicht einmal ein perfektes Rennen“, sagte Tharp, der für die Auburn University aus Alabama antritt, nach dem Rennen. Die Leistung bei den NCAA-Championships ist für den U20-Weltmeister ein gewaltiger Leistungssprung: Zuvor war er noch nie unter 13 Sekunden geblieben, die US-Meisterschaften gewann er 2025 mit einer persönlichen Bestleistung von 13,01 Sekunden. Insofern schob er auch gleich eine Warnung an seine Konkurrenten hinterher: „12,75? Ich habe noch mehr in meinen Beinen.“Tharp ist der erste Athlet seit dem Hochspringer Dwight Stones vor 50 Jahren, der bei den NCAA-Meisterschaften einen Weltrekord aufgestellt hat. Im vergangenen Jahr war der 20-Jährige bereits NCAA-Meister in der Halle sowie im Freien geworden, ehe er im September bei der Weltmeisterschaft in Tokio den sechsten Platz belegte. Im März verteidigte er seinen NCAA-Titel über 60 Meter Hürden mit einer Zeit von 7,32 Sekunden und blieb dabei nur knapp über dem Weltrekord von Holloway (7,27 Sekunden). Den sollte er sich für einen späteren Zeitpunkt aufsparen.
US-Leichtathletik: Ja'Kobe Tharp läuft Hürden-Weltrekord
„Das war nicht einmal ein perfektes Rennen“, sagt Ja'Kobe Tharp. Und läuft dennoch Hürden-Weltrekord. Cooper Lutkenhaus rennt über 800 Meter an die Weltspitze.











