Für die Beschäftigten in 36 von 338 Tegut-Märkten, für die die Schweizer Muttergesellschaft Migros Zürich einen Käufer sucht, gibt es jetzt die Sicherheit, dass es für sie weitergeht. Die Smart-Store-Kette Tante Enso darf 36 Tegut-Supermärkte von der Genossenschaft Migros Zürich übernehmen, wie das Bundeskartellamt am Donnerstag mitteilte. Die Übernahmepläne von Rewe und Edeka, die weitaus mehr Tegut-Filialen betreffen, werden noch geprüft.Die Standorte, die Tante Enso übernehmen will, befinden sich überwiegend in ländlichen Regionen in Hessen, Thüringen und Nordbayern. In Hessen gibt es das Dorfladen-Konzept der Enso eCommerce GmbH, eines IT-Start-ups aus Bremen, bislang dreimal. 16 Märkte sollen nun hinzukommen.Alles in allem betreiben die Bremer in Deutschland bisher knapp 90 rund um die Uhr geöffnete Minimärkte. Sie setzen dabei auf eine Mischung aus Automatisierung und persönlicher Ansprache: Mehrere Stunden am Tag sind die Filialen mit Personal besetzt. Beliefert werden die Märkte hauptsächlich von Rewe, aber auch regionale Anbieter kommen zum Zuge. Im Schnitt geht es um Ladenflächen zwischen 200 und 400 Quadratmeter.„Wir werden mit offenen Armen empfangen“Vorangetrieben wird die Expansion von Tante Enso seit einem halben Jahr vom früheren Tegut-Geschäftsführer und Enkel des Gründers, Thomas Gutberlet. Die Enso eCommerce GmbH teilte mit, die Tegut-Märkte sollten in den nächsten Monaten schrittweise auf das Minimarkt-Konzept umgestellt werden. Dies setzt bei Tante Enso grundsätzlich voraus, dass sich in der jeweiligen Gemeinde eine feste Zahl von Bürgern findet, die einen Genossenschaftsanteil von mindestens 100 Euro erwerben. Diese Teilhaber bekommen beim Einkaufen Rabatt.Das Modell soll auf Bürgerversammlungen vorgestellt werden. In vielen Gemeinden hätten bereits Gespräche stattgefunden. „Wir werden mit offenen Armen empfangen“, sagte Gründer und Geschäftsführer Norbert Hegmann. Geschäftsführer Gutberlet ergänzte: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass das 24/7-Konzept von Tante Enso in den neuen Standorten für die Bevölkerung eine echte Bereicherung darstellt.“Die Mitarbeiter in den Tegut-Filialen sollen übernommen werden. Man setze dabei auch auf Synergieeffekte und den Wissensaustausch auf beiden Seiten, teilte die Enso eCommerce GmbH mit.Kartellamtspräsident Andreas Mundt begründete die Entscheidung laut Mitteilung wie folgt: „Tante Enso verfügt bislang über eine vergleichsweise geringe Marktstellung im Lebensmitteleinzelhandel und ist vor allem in ländlichen Regionen tätig.“ Die Übernahme stärke einen kleineren Wettbewerber in einem Markt, der von wenigen großen Unternehmensgruppen geprägt werde. Zugleich könne sie die Nahversorgung in den betroffenen Regionen sichern.Bei Edeka läuft die Frist für das Hauptprüfverfahren noch bis Ende August, bei Rewe bis Ende September. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet. Anfang 2013 übernahm Migros die Kette, die in sechs Bundesländern vertreten ist, hatte damit aber keinen Erfolg. Im Frühjahr gab die Schweizer Genossenschaft das Aus für Tegut bekannt.Trotz hoher Investitionen schreibt Tegut seit Jahren Verluste. Die meisten Märkte befinden sich in Hessen. Laut Migros gehören knapp 340 Filialen zu Tegut, inklusive der 40 automatisierten Teo-Minimärkte. Sie gehören zu dem Paket, das der Edeka-Konzern übernehmen will, der sich für insgesamt 202 Tegut-Filialen interessiert. Der Rewe-Konzern hat sich ein Paket mit 40 Standorten gesichert. Knapp 7500 Personen arbeiten bei Tegut.
Verkauf von Tegut: Tante Enso darf 36 Standorte übernehmen
Die Dorfladen-Kette Tante Enso hat vom Bundeskartellamt die Freigabe für den Kauf von 36 Tegut-Märkten erhalten, die meisten davon befinden sich in Hessen. Auch über die Zukunft der Mitarbeiter herrscht nun Gewissheit.







