ErklärtKonsequent durch die Nase zu atmen, soll der Gesundheit dienen und die Fitness verbessern. Funktioniert es wirklich?Nasenatmung verbessert im Vergleich zu Mundatmung angeblich die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und soll einen positiven Einfluss auf den Blutdruck haben. Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt klärt darüber auf, was stimmt und was übertrieben ist.Nina Himmer25.03.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIllustration Simon Tanner / NZZLeserfrage: Wie wichtig ist Nasenatmung für die Gesundheit, und was hat es mit den vielen Heilsversprechen auf sich?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bernhard Junge-Hülsing denkt selten darüber nach, wie Luft in seine Lunge gelangt. Warum auch? «Atmen ist ein Prozess, den unser Körper automatisch steuert», sagt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus dem bayrischen Starnberg. Seine Patientinnen und Patienten hingegen beschäftigt das Thema sehr. «Vor allem die Nasenatmung treibt viele um», erzählt der Mediziner. Kein Wunder: Nicht nur das Internet ist voller Ratschläge und Heilsversprechen, ganze Bücher widmen sich mittlerweile der Optimierung des Atmens.Die These: Wer konsequent durch die Nase atmet, lebt gesünder. Nasenatmung soll zum Beispiel den Blutdruck senken, das Energielevel und die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, die Sauerstoffversorgung maximieren, eine gesunde Kiefer- und Gebissentwicklung bei Kindern fördern und die Schlafqualität verbessern.Wohl & Sein antwortetIn der Rubrik «Wohl & Sein antwortet» greifen wir Fragen aus der Leserschaft rund um Gesundheit und Ernährung auf. Schreiben Sie uns an [email protected].Ist da etwas dran? «Es stimmt, dass die Nasenatmung gegenüber der Mundatmung gesundheitliche Vorteile hat», sagt Junge-Hülsing. Am wichtigsten sei dabei das Erwärmen, Befeuchten und Filtern unserer Atemluft. Schleimhäute und feine Härchen machen die Nase zu einer Art Torwächter für die Lunge und schützen diese vor Keimen, Partikeln, Infektionen und allergischem Asthma. Ein Grossteil der Atmung im Ruhezustand sollte daher tatsächlich über die Nase ablaufen, aber darauf ist unser Körper ohnehin getrimmt. «Das muss man nicht extra trainieren oder sich dafür den Mund abkleben», betont der Arzt.Die Versprechen und die StudienlageAbgesehen von der gut belegten Schutzfunktion der Nasenatmung für die Lunge sieht die Studienlage dünner aus. Da ist zum Beispiel die Sache mit dem Stickstoffmonoxid, das aus den Nasennebenhöhlen austritt und auf diese Weise der Atemluft beigemischt wird. Es soll die Sauerstoffversorgung im gesamten Körper optimieren, indem es die Blutgefässe erweitert. «Es gibt aber keine Belege für einen nennenswerten Effekt», sagt der HNO-Experte.Auch für die Entwicklung von Kiefer und Gebiss gilt: «Die Nasenatmung ist nur ein Einflussfaktor unter vielen und wahrscheinlich nicht entscheidend.» Auf die Schlafqualität hingegen hat die Nasenatmung zwar tatsächlich Einfluss, weil sie Schnarchen und das Eindringen von Milben in die Lunge reduziert. «Aber gesunde Menschen atmen im Schlaf ohnehin durch die Nase», so Junge-Hülsing.Und der Blutdruck? «Eine ruhige, tiefe Nasenatmung kann beruhigend auf das vegetative Nervensystem wirken. Aber ein Heilmittel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist das natürlich nicht.» Die Einschätzung des Arztes fällt entsprechend reserviert aus: «Der Hype um die Nasenatmung ist aus ärztlicher Sicht schwer nachvollziehbar. Vieles wird aufgebauscht oder problematisiert, die meisten Effekte sind geringer als suggeriert. Und ein gesunder Mensch atmet ohnehin vor allem durch die Nase – ganz ohne Hilfsmittel, Übungen und Anleitungen.»Newsletter «Wohl & Sein»Vertiefen Sie Ihr Wissen über Ernährung, Gesundheit und Psychologie mit unserem Newsletter «Wohl & Sein». Jeden Donnerstag in Ihrem Posteingang.Zur AnmeldungWann man zum Arzt gehen sollteHandlungsbedarf besteht also nur, wenn die Nase dauerhaft verstopft ist. In diesem Fall sollte man sich ärztliche Hilfe holen. Fachärzte können die Nase beurteilen und im Rahmen einer Nasendurchgangsmessung den Luftfluss prüfen. «Häufig stecken Allergien, verbogene Nasenscheidewände oder Schleimhaut-Polypen hinter Beschwerden – all diese Ursachen sind gut behandelbar.» Auch ein Blick auf das Körpergewicht kann sich laut dem Arzt lohnen: «Fett setzt sich auch unter der Zunge und in den Nasenmuscheln ab und verengt dort die Wege.» Darüber hinaus können Lebensumstände und Gewohnheiten der Nase zusetzen. Rauchen oder trockene Büroluft zum Beispiel können Probleme auslösen oder verschärfen.Und die Mundatmung? Sie ist gelegentlich oder phasenweise völlig normal, etwa bei sportlicher Belastung, Infekten oder Kindern im Wachstum. «Solange ein Grossteil der Atmung durch die Nase abläuft, ist alles im grünen Bereich», so Junge-Hülsing. Er plädiert dafür, normale Prozesse nicht unnötig zu pathologisieren, sich nicht von Internet-Hypes verrückt machen zu lassen und im Zweifel lieber einmal tief durchzuatmen – «völlig egal ob durch Nase oder Mund».Sie haben auch eine Frage rund um Ernährung und Gesundheit? Schreiben Sie uns an [email protected].Passend zum Artikel
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