In Halle (Saale) will eine Genossenschaft das leer stehende Stasi-Bezirksamt kaufen, um daraus einen Kulturort zu machen. Ein Ortsbesuch.

A ls Ulrich Möbius die Hälfte der Leute, die zum ersten Treffen kamen, nicht kannte, dachte er, es könnte was werden. Für seine Idee braucht es nämlich mehr Mitstreiter*innen. Möbius, 50, bunte Cap und zwinkernde Katze auf dem T-Shirt, dreht sich um und zeigt auf den Ort, um den es geht: die ehemalige Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) der DDR in Halle (Saale), Sachsen-Anhalt.

Es ist ein großes Vorhaben. 20.000 Quadratmeter, um genau zu sein: ein riesiger, leer stehender Betonskelettbau, Baujahr 1971, orange-silberne Aluminiumfassade, 7 Stockwerke, ein kleinerer Bau daneben und ein paar Garagen. Als Genossenschaft wollen Möbius und seine Mit­strei­te­r*in­nen das alte Haupthaus und den kleineren Sozialbau daneben kaufen und zu einem Kulturzentrum machen.

Rein darf man heute nicht. In den oberen Stockwerken erkennt man vergilbte Lamellenvorhänge. Unten kann man durch zerbrochene Fenster ins Innere schauen. Zum Beispiel in den großen Saal mit Bühne, holzvertäfelte Wände, im Sozialbau, in dem Stasi-Mitarbeitende früher Feste feierten. „Was da alles reinkönnte!“, sagt Möbius.