DatenanalyseDie weltweit grössten Konzerne ballen sich an der US-Westküste. Nvidia, Apple und Google sind an der Börse mehr als doppelt so viel wert wie alle deutschen und Schweizer Unternehmen zusammen. Mit dem Börsengang von SpaceX wird die Dominanz der USA noch grösser.11.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenNvidia vor Apple und GoogleDie NZZ hat Daten von companiesmarketcap.com zur Marktkapitalisierung der 10 800 grössten börsenkotierten Unternehmen weltweit ausgewertet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit einem Börsenwert von über 5 Billionen Dollar ist der Chipentwickler Nvidia das wertvollste Unternehmen der Welt vor Apple und Google. Das grösste europäische Unternehmen, die niederländische ASML, ist mit 674 Milliarden Dollar weniger als ein Siebtel davon wert. ASML baut Maschinen für die Chipherstellung und ist damit wie Nvidia ein wichtiger Bestandteil der KI-Lieferkette.Der Schweizer Spitzenreiter ist derzeit der Pharmariese Roche mit 328 Milliarden Dollar, in Deutschland ist es der Industriekonzern Siemens mit 236 Milliarden Dollar. Weitere Schweizer Unternehmen in den weltweiten Top 100 sind Novartis und Nestlé, aus Deutschland ist der Softwarekonzern SAP dabei.Alle 600 Börsenkonzerne der Schweiz und Deutschlands in diesen Daten kommen zusammen auf rund 6 Billionen Dollar Börsenwert. Das ist knapp eine Billion mehr als Nvidia allein. Zählt man Apple und Google dazu, sind diese drei US-Konzerne zusammen mehr als doppelt so viel wert wie alle Schweizer und deutschen Firmen in der Auswertung.Der Technologiesektor erhält weiteren ZuwachsDie Spitzenreiter haben gemeinsam, dass sie überwiegend im Technologiesektor tätig sind. Dieser dominiert die Top 100 der wertvollsten Unternehmen deutlich. Weitere wichtige Branchen sind der Finanzsektor mit Unternehmen wie Berkshire Hathaway und JPMorgan Chase sowie Konsum und Handel. Die wertvollsten Handelsunternehmen sind Walmart und Costco.Am Freitag, dem 12. Juni, soll SpaceX zur Liga der Billionenkonzerne stossen. Mit einer angestrebten Bewertung von rund 1,75 Billionen Dollar wäre der geplante Börsenstart der grösste der Geschichte. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk erzielt inzwischen den grössten Teil seines Umsatzes mit Satelliteninternet. Für die Zukunft plant es Rechenzentren im Weltall sowie eine spätere Besiedlung des Mars.Einen genauen Termin für die Börsengänge von Anthropic und Open AI gibt es noch nicht. Bei Anthropic könnte es frühestens im Herbst so weit sein, und auch Open AI hat einen entsprechenden Antrag eingereicht.Die KI-Unternehmen erhoffen sich durch die Börse vor allem ein Finanzierungsinstrument für ihre gigantischen Investitionen. Ähnlich wie bei SpaceX treibt der Hype um die neuen Technologien die Bewertungen nach oben.Die US-Westküste liegt weit vorneDie Konzentration hat auch eine Adresse. Nvidia, Google, Apple sind im Silicon Valley angesiedelt, Open AI und Anthropic in San Francisco und Microsoft und Amazon nördlicher, bei Seattle. SpaceX hat seinen Hauptsitz in Texas, betreibt in Kalifornien jedoch einen wichtigen Standort. Die rund 500 Unternehmen an der US-Westküste erreichen einen durchschnittlichen Börsenwert von 61 Milliarden Dollar – weit vor allen anderen Wirtschaftsräumen weltweit.In den Benelux-Ländern erzielen die Firmen eine durchschnittliche Marktkapitalisierung von 16 Milliarden Dollar, der höchste Wert in Europa. Neben ASML sind dort unter anderem der Technologieinvestor Prosus sowie der Flugzeugbauer Airbus beheimatet. Der Alpenraum, zu dem die Schweiz, Süddeutschland und Norditalien zählen, kommt auf 12 Milliarden Dollar.Auch innerhalb der USA gibt es grosse Unterschiede: Im Nordosten, wo unter anderem viele grosse Banken ihren Sitz haben, beträgt der durchschnittliche Börsenwert 18 Milliarden Dollar.An der Westküste sind die Unterschiede zwischen den Unternehmen jedoch besonders gross: Auf wenige Überflieger kommen viele Firmen mit vergleichsweise tiefen Börsenwerten. Eine ähnlich schiefe Verteilung zeigt sich in den Benelux-Ländern, wo die fünf grössten Unternehmen gut die Hälfte des regionalen Börsenwerts ausmachen. Deutlich ausgewogener ist die Verteilung in den Alpenregionen oder in Japan.In Peking stechen einige sehr grosse Banken hervor, etwa die China Construction Bank oder die Agricultural Bank of China. Mit einem Durchschnitt von 32 Milliarden Dollar liegt Nordchina deutlich vor europäischen Regionen. Das wertvollste chinesische Unternehmen ist das Internetunternehmen Tencent, dessen Hauptsitz allerdings weiter südlich in Shenzhen liegt.Hohe Börsenwerte erleichtern Zugang zu KapitalBei aller Euphorie über hohe Börsenwerte muss man berücksichtigen, dass jener Wert nur eine Masszahl von vielen ist – und auch aufgebläht sein kann. Gerade im Technologiesektor warnen Finanzexperten immer wieder vor einer grossen KI-Blase, insbesondere da sowohl SpaceX als auch Open AI bis anhin Verluste schreiben. Anthropic, das sich stark auf zahlende Unternehmenskunden konzentriert, könnte im laufenden Quartal erstmals die Gewinnschwelle überschreiten.Wer die Unternehmen nach Umsatz oder Mitarbeiterzahl statt nach Börsenwert sortiert, kommt zu ganz anderen Ergebnissen. Viele mittelständische Unternehmen, die in Europa eine wichtige Rolle spielen, tauchen in diesen Rankings gar nicht erst auf, da sie nicht an der Börse gelistet sind.Börsenwerte sind aber trotzdem äusserst wichtig, denn sie spiegeln Erwartungen und Kapitalströme. Hohe Bewertungen ermöglichen günstigen Kapitalzugang und ziehen globale Talente an. So schaffen sie technologische Cluster, in denen Innovation sich gegenseitig befruchtet. Für die US-Westküste ist dadurch ein struktureller Vorteil gegenüber anderen Wirtschaftsräumen entstanden.In der Tabelle können Sie nach Unternehmen, Ländern oder Branchen suchen und sich jeweils die wertvollsten Unternehmen anzeigen lassen.Passend zum Artikel
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