Im Jahr 2025 registrierten die Vereinten Nationen eine außergewöhnlich hohe Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen, die in ihre Heimatorte oder -länder zurückgekehrt sind. Das geht aus dem jüngsten Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervor. Demnach haben 4,4 Millionen Flüchtlinge (also Menschen, die bei ihrer Flucht Landesgrenzen überquert haben) und 10,3 Millionen Binnenflüchtlinge, auch Vetriebene genannt, solche Heimreisen zurückgelegt.Das klingt zunächst nach einem positiven Trend, wenn man daran denkt, dass geflüchtete Menschen oft starke Sehnsucht danach verspüren, in ihre vertraute Umgebung, in der sie aufgewachsen sind oder einmal verwurzelt waren, zurückzukehren und ihr Leben wieder aufzubauen. So geht es auch aus Umfragen hervor, die die Vereinten Nationen regelmäßig unter Geflüchteten erheben. Auch für Gastländer, die Geflüchtete teils jahrelang aufgenommen und versorgt haben, bringt eine Rückkehr Geflüchteter deutliche Entlastungen. Verglichen mit 2024 ist die Zahl der Rückkehrer global um 50 Prozent gestiegen, damit verzeichnet das UNHCR für 2025 eine der höchsten Rückkehrerzahlen seit Beginn der statistischen UN-Aufzeichnungen im Jahr 1965.Nach Kolumbien war Deutschland das zweitgrößte GastlandBei näherer Betrachtung zeigen sich aber auch Schattenseiten des Trends. Viele Betroffene können nicht damit rechnen, dass ihr Leidensweg nach einer Heimkehr tatsächlich endet. Manche müssen sogar fürchten, dass sich ihre Lage noch verschlechtert. „Die meisten dieser Rückreisen erfolgten unter ungünstigen Bedingungen und in Gebiete, in denen es weiterhin unsicher ist“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten UNHCR-Report „Global Trends. Forced Displacement in 2025“.Erstmals in zehn Jahren ist die Zahl der gewaltsam vertriebenen Menschen weltweit leicht zurückgegangen, es waren 2025 etwa fünf Millionen weniger als im Vorjahr, insgesamt 117,8 Millionen. Nach Kolumbien war Deutschland 2025 das zweitgrößte Gastland für Geflüchtete, die allermeisten von ihnen kamen allerdings nicht aus dem globalen Süden, sondern aus der Ukraine.Was die Rückkehrer weltweit betrifft, so ist ihre Lage immer dort besonders problematisch, wo sie nicht freiwillig gehen, sondern dazu gezwungen werden, manchmal mit brachialer Gewalt. Das trifft zum Beispiel auf viele Binnenvertriebene im Ostkongo zu. Die hochgerüstete und von Ruanda gestützte Miliz M23 hat dort viel Territorium erobert und vergangenes Jahr mehrere große Vertriebenenlager einfach aufgelöst, sodass Zehntausende erneut fliehen mussten.Auch wenn viele dieser Menschen tatsächlich zurückgekehrt sind in ihre Heimatdörfer, war dies ein erneuter Akt der Vertreibung – ein „mögliches Kriegsverbrechen“, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch damals zu den Räumungen der Camps durch M23 erklärte. Zumal dann, wenn den Frauen, Männern und Kindern in ihren Dörfern weitere Gewalt droht.Die größte Gruppe der Rückkehrer weltweit sind die AfghanenMehr als zwei Drittel aller Geflüchteten weltweit finden Zuflucht in Staaten mit niedrigen und mittleren Einkommen, nur eine Minderheit gelangt in die wohlhabenden Zonen der Welt. 26 Prozent überleben sogar in den allerärmsten Ländern wie Tschad oder Südsudan. Die Hälfte der weltweiten Binnenflüchtlinge ist in nur fünf Ländern zu finden, angeführt vom Sudan, wo noch immer die größte globale Fluchtkrise herrscht, weil Zivilisten zwischen die Fronten zweier verfeindeter Armeen geraten sind. Außerdem massiv betroffen: Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan.Die größte Gruppe der Rückkehrer weltweit sind die Afghanen, die zumeist lange Zeit in Iran oder Pakistan ausgeharrt hatten. 1,9 Millionen von ihnen kehrten 2025 zurück nach Afghanistan, fünfmal mehr als im Jahr zuvor. Laut UNHCR gaben die meisten Betroffenen an, sie hätten keine andere Wahl gehabt und ihre Gastländer abrupt und unter Zwang verlassen müssen. In Afghanistan leben sie nun unter dem international geächteten Taliban-Regime. Viele fühlen sich dort nicht mehr heimisch oder sind wegen ihrer langen Abwesenheit nur schwach sozial integriert, mit noch schlechteren Chancen auf Wohnungen, Nahrung oder Bildung als die ansässige Bevölkerung.Auch 1,3 Millionen Syrer kehrten 2025 heim in ihr vom Krieg gezeichnetes Land, die meisten aus der Türkei, Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten. Armut, politische Spannungen und das Erbe des Bürgerkrieges bleiben schwere Belastungen für viele Rückkehrer. Aus Deutschland machten sich bislang vergleichsweise wenige Menschen auf in die syrische Heimat. Das UNHCR beruft sich auf Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), wonach im vergangenen Jahr 3678 syrische Flüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind.