Preisen und beten – Mette-Marits kranke Lunge mobilisiert Norwegens KulturschaffendeDie norwegische Prinzessin zeigt sich nicht mehr ohne Atemhilfe. Inzwischen weiss man, dass eine Lungentransplantation unumgänglich geworden ist. Die Solidarität im Land ist gross, insbesondere und nicht zufällig auch in der Literatur- und Kunstszene.Aldo Keel11.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenOhne neue Lunge bliebe ihr nur noch ein Jahr: Prinzessin Mette-Marit.PPE / ImagoNach Wochen des Schweigens nahm die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit im März in einem TV-Interview zu ihrer Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Stellung. Überzeugende Antworten aber blieb sie schuldig, was in der Presse kritisch vermerkt wurde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Schon damals hielt der Schriftsteller Tore Renberg («Die Lungenschwimmprobe») in «Aftenposten» dagegen, es sei unziemlich, einen Menschen zu treten, der bereits am Boden liege. Damit spielte er auf Mette-Marits Lungenkrankheit an, aber auch auf den Prozess, in dem sich ihr Sohn Marius Høiby für vierzig Straftaten, insbesondere vier Vergewaltigungen, zu verantworten hat.Inzwischen rückt der Epstein-Skandal in den Hintergrund, und die öffentliche Wahrnehmung wendet sich Mette-Marits Lunge zu. Die Prinzessin zeigt sich nicht mehr ohne Atemhilfe. Seit ein paar Tagen weiss man, dass eine Lungentransplantation unumgänglich geworden ist. Ohne neue Lunge bliebe ihr nur noch ein Jahr, sagten die Ärzte und setzten sie auf die Warteliste für ein Spenderorgan.Sympathiebekundungen«Eine ganze Nation ist erschüttert», titelte «Dagbladet». Kritik weicht Mitleid. Einige Medien bieten der Bevölkerung die Möglichkeit, der Kronprinzessin Sympathiebekundungen zu senden. Tausende machen offenbar davon Gebrauch. Über Nacht ist die Zahl der Organspender förmlich explodiert. Der Kronprinz kehrte vorzeitig von einer Japan-Reise zurück. Die Tochter des Kronprinzenpaars, Prinzessin Ingrid Alexandra, brach ihr Studium in Australien ab.Stabilitätsanker der Monarchie ist aber der 89-jährige gebrechliche König. Er absolvierte kürzlich eine wahre Triumphfahrt durch Gemeinden des Westlandes. Fast täglich ist er in den TV-Nachrichten. Vormittags wohnt er der Bestattung eines Wirtschaftsführers bei, nachmittags der Bekanntgabe des Kaders für die Fussball-WM.Als Mette-Marits Freundschaft mit Epstein im Januar ruchbar wurde, bat das schwedische Fernsehen Dutzende norwegische Kulturschaffende um eine Stellungnahme und erhielt nur Absagen. Inzwischen ist der Schock verdaut. Das literarische Milieu solidarisiert sich mit der Prinzessin, die bei Festivals und Lesungen, auch als Moderatorin, oft mit von der Partie war. Auch betrieb sie einen Literaturzug: Sie lud Autoren ein, die mit ihr durch das Land reisten, um die Leselust der Bevölkerung zu stimulieren.«Literatur ist wichtig, um die schwierigsten Dinge des Lebens zu begreifen, um zu verstehen, was uns verletzlich macht, warum Scham uns quält», gestand sie vor einigen Jahren. Der erste Band von Karl Ove Knausgårds Opus «Mein Kampf» wurde für sie zum Erweckungserlebnis. «Knausgård schrieb über seinen Vater, und ich erlebte das, als wäre es meiner.» Beider Väter waren Alkoholiker.Fosses SchirmherrinAutoren, Verleger, Lektoren und Festivalorganisatoren melden sich jetzt zu Wort. Erwähnt sei bloss Jon Fosse. Der Nobelpreisträger spricht Mette-Marit Mut zu. Mette-Marit leitete im April im Festsaal des Schlosses den jährlichen Fosse-Vortrag, den heuer eine amerikanische Autorin hielt, mit einer kurzen Ansprache über «Gnade» ein.Es war ihr letzter Auftritt ohne Atemhilfe. Sie war den Tränen nahe, als sie mit einem Fosse-Gedicht schloss. Er sei «stolz» darauf, schreibt Fosse, dass sie als Schirmherrin des Fosse-Vortrags, des Fosse-Preises und des Fosse-Festivals wirke. Währenddessen ruft Alf van der Hagen, Ex-Chef der Intellektuellenzeitung «Morgenbladet», in der Boulevardzeitung «VG» dazu auf, für Mette-Marit zu beten.Übrigens tauschte sich die Prinzessin mit Jeffrey Epstein auch über Literatur aus – über Bücher von Nabokov oder Houellebecq etwa. Ihr Lieblingsautor ist aber Philip Roth.Passend zum Artikel
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Die norwegische Prinzessin zeigt sich nicht mehr ohne Atemhilfe. Inzwischen weiss man, dass eine Lungentransplantation unumgänglich geworden ist. Die Solidarität im Land ist gross, insbesondere und nicht zufällig auch in der Literatur- und Kunstszene.











