Die Zahl der Unfälle in Frankfurt ist im vergangenen Jahr gestiegen. Die Frankfurter Polizei, die für das Stadtgebiet und die angrenzenden Autobahnen zuständig ist, zählte gut 25.000 Unfälle, ein Plus von fast 1100 oder 4,5 Prozent. Schon 2024 war das Niveau des Vor-Corona-Jahrs 2019 überschritten worden. Zwar blieb es in 87 Prozent der Fälle bei materiellen Schäden. Doch wurden 23 Personen im Straßenverkehr getötet. „Das ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre“, sagte Polizeipräsident Stefan Müller.Im Frankfurter Stadtgebiet blieb die Zahl der Getöteten mit 14 unverändert, der Anstieg ist auf sechs tödliche Autobahnunfälle zurückzuführen. Allerdings registrierte die Polizei einen Anstieg der Verletzten um fast acht Prozent, und zwar sowohl auf den Straßen im Stadtgebiet als auch auf den Autobahnen. „Die Zahlen sind nicht gut“, lautete das Fazit des Polizeipräsidenten angesichts von 4000 Verletzten, davon 350 Schwerverletzten. Er machte dafür unter anderem die „Verrohung der Gesellschaft“ verantwortlich. „Es wird aggressiv gefahren, beschimpft und beleidigt.“Zugleich seien aber auch mehr Verkehrsmittel auf der gleichen Fläche unterwegs, sagte Müller. So sei die Zahl der zugelassenen Autos gestiegen, und zugleich kämen neue Fortbewegungsmittel wie Pedelecs und E-Scooter hinzu. Frankfurt ist in einem Vergleich erst jüngst zum deutschen Spitzenreiter in der sogenannten Mikromobilität gekürt worden, was vor allem am Angebot von 12.000 E-Scootern im Stadtgebiet und deren reger Nutzung liegt. Das wiederum hebt Frankfurt auch bei den Unfällen heraus. Ein Drittel der hessischen E-Scooter-Unfälle, deren Zahl im ganzen Land stark zugenommen habe, sei in Frankfurt passiert, sagte der Polizeipräsident.Mehr Kontrollen von E-ScooternDaher nimmt die Polizei die seit 2019 erlaubten sogenannten Elektrokleinstfahrzeuge besonders in den Blick. Denn nicht nur die Zahl der Unfälle mit Elektrorollern ist um 18 Prozent auf annähernd 500 gestiegen. Dabei seien auch fast 300 Personen und damit ein sehr hoher Anteil verletzt worden, sagte der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit, Andreas Wolk. „Das ist alarmierend.“ Zum ersten Mal habe es bei E-Scooter-Unfällen Tote gegeben. Vor knapp einem Jahr war ein vietnamesisches Zwillingspaar auf der Mainzer Landstraße von einem Auto erfasst worden; gegen den Fahrer erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes und fahrlässiger Tötung. Ein 16 Jahre alter Elektroroller-Fahrer war in Bonames von einer U-Bahn erfasst worden.Die unkompliziert mit einer App zu nutzenden E-Scooter seien vor allem bei jungen Leuten beliebt, sagte Wolk. „Sie sind damit das Verkehrsmittel einer ohnehin unfallgefährdeten Altersgruppe.“ Von 150 im vorigen Jahr verunglückten Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren hätten 51 einen Unfall mit einem Elektroroller gehabt. Die Polizei will dagegen mit stärkeren Kontrollen vorgehen, auch weil es viele Beschwerden über die E-Scooter gebe. Am Mittwoch hielt sie zum Beispiel auf der Freßgass’ Fahrer an, weil sie dort nicht fahren dürfen. Prompt hätten sich mehrere Bürger für die Kontrolle bedankt, berichtete Polizeioberkommissar Deniz Kaya.Generell sei die Regeltreue bei E-Scooter-Fahrern wenig ausgeprägt, sagte Wolk. „Sie fahren quer über Kreuzungen und durch Fußgängerzonen.“ Bei schweren E-Scooter-Unfällen sei zudem häufig Alkohol im Spiel. Eigentlich dürften die Roller nur allein benutzt werden. „Am Samstag haben wir vier Personen auf einem E-Scooter angehalten, die dabei prompt gestürzt sind“, sagte der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit. 70 Prozent der Unfälle mit E-Scootern würden von deren Fahrern verursacht.Von den gravierenden Folgen berichtete der Chefarzt der Klinik für Rettungs- und Notfallmedizin an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik, Philipp Faul. Besonders häufig seien Verletzungen am Kopf wie Kiefer- und Jochbeinbrüche sowie Zahnschäden. Knapp drei Prozent würden schwer verletzt, und ein Schädel-Hirn-Trauma könne langfristige Folgen haben. Aber auch Verletzungen an Armen und Handgelenken seien typisch, wenn die aufrecht stehenden Fahrer nach vorne fielen.Eine Helmpflicht hält Polizeipräsident Müller für kaum durchsetzbar. Die Reaktionstests der Anbieter, um Alkoholfahrten zu verhindern, seien gut. Er könnte sich auch vorstellen, sich nordische Länder zum Vorbild zu nehmen. Dort werde die Geschwindigkeit der Elektroroller nachts gedrosselt. Mancherorts dürften sie gar nicht mehr fahren.