PfadnavigationHomePolitikDeutschlandNeue Strategie35 Milliarden Euro für Verteidigung im All – Merz kündigt deutsche Raumfahrt-Offensive anStand: 18:12 UhrLesedauer: 4 MinutenBundeskanzler Merz mit ESA-Astronauten auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILAQuelle: TOBIAS SCHWARZ/AFPMerz sieht in der Luftfahrt „eine Wachstumsbranche wie zurzeit keine andere in Deutschland und in Europa“. Auch die Kosten sollen runter. Mit der neuen Strategie soll sichergestellt werden, dass Deutschland und andere europäische Staaten weltweit führende Luftfahrtnationen bleiben.Deutschland will nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz massiv in die Luft- und Raumfahrt investieren. Mit der vom Kabinett verabschiedeten neuen Luftfahrtstrategie wolle man sicherstellen, dass Deutschland und die europäischen Staaten weltweit führende Luftfahrtnationen bleiben können, sagte Merz am Mittwoch bei der Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA). Der Kanzler pochte darauf, dass Airbus aber den Produktionsstandort Hamburg stärken müsse. Deutschland werde nicht nur deutlich mehr Geld in die militärische Luftfahrt investieren, sondern in den kommenden Jahren auch 35 Milliarden Euro für Verteidigungsanstrengungen im All ausgeben. Er hoffe, dass dem Unternehmen ISAR Aerospace noch im Juni der Start einer Trägerrakete gelinge.Die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung nennt dementsprechend selbstbewusst das Ziel, Deutschland zu einem führenden Standort für eine nachhaltige, sichere und wettbewerbsfähige Luftfahrt zu machen. Merz, Verkehrsminister Patrick Schnieder und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (alle CDU) verwiesen darauf, dass die deutsche Luftfahrtindustrie 2025 ein Wachstum von 19 Prozent und einen Rekordwert von 130.000 Beschäftigten zu verzeichnen hatte. Merz verwies darauf, dass in den kommenden 20 Jahren weltweit 40.000 neue Flugzeuge gebaut würden. Die Luftfahrt sei „eine Wachstumsbranche wie zurzeit keine andere in Deutschland und in Europa“.Erstmals werden in der Luftfahrtstrategie zivile und militärische Aspekte zusammengebunden. „Damit schaffen wir Synergien“, sagte ‌Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Innovationen in einem Bereich könnten schnell auf den anderen übertragen werden. Dies diene der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. „Die militärische Luftfahrt spielt eine Schlüsselrolle für die Verteidigung Deutschlands und des Bündnisgebietes.“Lesen Sie auchDer Kanzler pochte gegenüber dem französischen Partner darauf, dass sich die wachsenden Investitionen auf deutscher Seite auch bei den Produktionsstandorten niederschlagen müssten: Der deutsch-französische Luftfahrtkonzern Airbus müsse deshalb den Produktionsstandort Hamburg stärken. „Deutschland will die europäische Zukunftsgeschichte und Erfolgsgeschichte von Airbus fortschreiben. Das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug der nächsten Generation, das Next-Gen Single-Aisle-Flugzeug, soll wieder in Deutschland mit Programmverantwortung in Hamburg auch gebaut werden“, mahnte der Kanzler. Die A320-Familie stehe für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland und in Europa bei Airbus und bei den sehr vielen Zulieferern.Deutsche Luftfahrt aktuell nicht wettbewerbsfähigIn der Luftfahrtstrategie wird zugleich eingeräumt, dass die Luftfahrt in Deutschland vor Herausforderungen stehe. „Die Passagierzahlen entwickeln sich bereits seit mehreren Jahren im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich.“ Grund seien steigende Kosten, ‌ein angespanntes gesamtwirtschaftliches Umfeld, wachsende internationale Konkurrenz und mehr geopolitische Spannungen.Kanzler Merz versprach der Branche deshalb eine Kostenentlastung in Höhe von rund 500 Millionen Euro. Man habe etwa die Erhöhung der Luftverkehrssteuer zurückgenommen und die Flugsicherungskosten für deutsche Regionalflughäfen übernommen. „Wir werden die Lage weiter eng beobachten und prüfen, welche weitergehenden Schritte nötig und möglich sind“, sagte er.Kritik am Standort gibt es seit Längerem von Airlines wie dem irischen Billigflieger Ryanair, der sein Flugangebot zurückfährt und dies mit zu hohen Kosten in Deutschland begründet. Die Luftfahrt-Lobby setzt vor allem darauf, dass die Maßnahmen schnell umgesetzt werden und es zusätzliche Entlastungen gibt. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) kritisierte, über das Leitbild hinaus fehle es ‌an einer mit konkreten Maßnahmen hinterlegten Strategie für die Stärkung des Standortes. Neben der nötigen Kostensenkung gehe es etwa auch um Schritte, „mit denen die Anbindung der Wirtschaftsstandorte an internationale Drehkreuze sichergestellt wird“. Positiv sei ein von den Bundestagsfraktionen der Union und SPD eingebrachter Antrag, in dem die Regierung aufgefordert werde, 19 ‌konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Anbindung der deutschen Flughäfen umzusetzen.Lesen Sie auchMehrere Umwelt- und Verkehrsverbände kritisierten das Papier der Regierung als unzureichend. Die Strategie ‌setze ‌stark auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, ohne ausreichende Antworten auf die Herausforderungen des Klima-, Gesundheits- und Ressourcenschutzes zu geben. In der Luftfahrtstrategie gibt es das Bekenntnis, den Wirtschaftssektor in puncto Nachhaltigkeit klimaschonender und umweltverträglicher zu machen. Zentrale Bedeutung für das Erreichen der Klimaziele habe der ‌schnelle Markthochlauf von nachhaltigen, erneuerbaren Kraftstoffen (SAF). rtr/saha