Seit Wochen ringt die Koalition darum, wie es beim Ausbau der Erneuerbaren weitergehen soll. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Kosten senken und hat dafür eine Reihe von Vorschlägen gemacht. Doch Woche für Woche wird ihr Beschluss im Kabinett verschoben. Union und SPD werden sich nicht einig.Besonders umstritten: Reiches Plan, dass neue Windräder oder Solaranlagen in überlasteten Netzgebieten zukünftig nur unter Bedingungen errichtet werden dürfen. Betreiber sollen für zehn Jahre auf Entschädigungen verzichten, falls ihre Anlagen kurzzeitig vom Netz genommen werden müssen, weil der Strom nicht schnell genug abfließen kann. Sie will den Ausbau der Erneuerbaren so zielgerichteter regional steuern.In der Branche ist die Sorge groß, dass Investitionen in neue Anlagen durch diesen sogenannten Redispatch-Vorbehalt zum unkalkulierbaren Risiko werden. Die Folge könnte ein verlangsamter Ausbau der Erneuerbaren sein. Die SPD will den Vorschlag deshalb nicht mittragen. Doch nun zeigt sich erstmals eine mögliche Kompromisslinie auf: Bei ihrer Rede auf dem Kongress des Verbands der Energiewirtschaft (BDEW) in Berlin sagte Reiche am Mittwoch, sie sei für alle Vorschläge offen, mit denen das Ziel einer regionalen Steuerung erreichbar sei – und somit nicht nur für den aus ihrem Ministerium. Noch vor der Sommerpause will sie zu einer Lösung kommen. Alternativvorschlag aus der Branche Zuvor hatten die Energieversorger EWE und ENBW ein Alternativkonzept in die Debatte gebracht: Es sieht weniger strenge Kriterien für die Definition von überlasteten Netzgebieten, eine Deckelung der Entschädigungszahlungen statt eines völligen Verzichts und eine Laufzeit von nur fünf statt zehn Jahren vor.Vor Reiche waren schon die Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD, Jens Spahn und Mathias Miersch, auf der Bühne des BDEW aufgetreten und hatten dabei bewiesen, wie weit die Positionen innerhalb der Koalition auseinanderliegen. Der Redispatch-Vorbehalt könne für den weiteren Ausbau „das absolute Aus bedeuten“, sagte Miersch. Deshalb sei völlig klar: Der Vorschlag könne nicht Gesetz werden. „Niemand würgt den Ausbau der erneuerbaren Energien ab. Ich kann es nicht mehr hören!“, hielt ein sichtlich genervter Jens Spahn entgegen. Die „Subventionitis“ müsse aber ein Ende finden.In der Energiebranche wächst derweil die Sorge, der Konflikt um das Energiepaket könne Teil eines größeren Deals bei den Sozialreformen werden, bei dem es nicht mehr in erster Linie um inhaltliche Erwägungen gehe. „Wir sind keine Verhandlungsmasse!“, betonte die Geschäftsführerin des Energieunterehmenverbands BDEW, Kerstin Andreae, an die beiden Fraktionsvorsitzenden gewandt.