Es gibt nun die Möglichkeit, die E-Auto-Prämie tatsächlich zu beantragen: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat am Dienstag das Portal für die Förderung von E-Auto-Käufern freigeschaltet. Wie bereits angekündigt, bekommen diesmal nur Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen bis zu 6000 Euro Bonus.Sie haben Wahlmöglichkeiten, denn auch für den Kauf aufladbarer Hybrid-Autos und für Reichweitenverlängerer (Range-Extender) gibt es einen Zuschuss. Der fällt allerdings geringer aus.Wer bekommt den Zuschuss?Kinderlose Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 80.000 Euro können den Zuschuss beantragen. Lebt ein Kind im Haushalt, liegt die Schwelle bei 85.000 Euro, ab zwei Kindern bei 90.000 Euro. Entscheidend sind die beiden jüngsten Jahressteuerbescheide. Daraus wird der Durchschnitt gebildet. Wie hoch ist der Zuschuss?Für reine Batterie-Autos gibt es eine Basisförderung von 3000 Euro, für Hybride und Autos mit einem Reichweitenverlängerer (Range Extender) 1500 Euro. Haushalte mit einem Einkommen unter 60.000 Euro erhalten zusätzlich 1000 Euro, unter 45.000 sogar 2000 Euro. Dazu kommen noch je 500 Euro für das erste und zweite Kind. Die Höchstförderung liegt also bei 6000 Euro, die Mindestsumme bei 1500 Euro.Welche Autos werden gefördert?Zuschüsse gibt es für rein batterielektrische Pkw sowie für Plug-in-Hybride und Autos mit Reichweitenverlängerer, deren genormter rechnerischer CO₂-Ausstoß bei bis zu 60 Gramm pro Kilometer liegt oder die mindestens 80 Kilometer elektrische Reichweite ausweisen. Dieses Kriterium könnte 2027 enger gefasst werden. Es geht um Erstzulassungen, also Neuwagen, bei Kauf oder Leasing.Wo lässt sich der Zuschuss beantragen?Der Antrag soll nur im Netz gestellt werden. Dafür ist die zentrale Förder-Website des Bundes die Anlaufstelle: foerderzentrale.gov.de. Operativ umgesetzt wird es von rund 25 Mitarbeitern des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im sächsischen Weißwasser.Was braucht es zur Anmeldung im Portal?Die Anmeldung im Internet-Portal funktioniert über die Bundes-ID. Dazu braucht man die Digital-Funktion des Personalausweises, die sich etwa über ein NFC-fähiges Smartphone nutzen lässt. Nötig ist dabei die PIN für den Ausweis. Alternativ geht die Anmeldung über eine Zertifikats-Datei der deutschen Steuer-Plattform Elster.Welche Unterlagen sind nötig?Um den Anspruch prüfen zu lassen, müssen Antragsteller die Steuerbescheide für ihren Haushalt hochladen. Eltern sollen die Zahl ihrer Kinder nachweisen, indem sie die Kindergeldbescheide hochladen – sofern die Kinderzahl nicht bereits aus den Steuerbescheiden hervorgeht.Wo gibt es Hilfe?Das BAFA betreibt eine neue Telefonhotline unter +49 6196 908-1009 mit eigenen Mitarbeitern. Zudem gibt es die E-Mail-Adresse elektromobilitaet@bafa.bund.de. Welche Fallen gibt es?Anders als beim früheren Umweltbonus gibt es keine Listen mit geeigneten Auto-Modellen. Käufer müssen also beim Konfigurieren des Autos darauf achten, dass bei Hybriden die Grenzwerte eingehalten werden.Zudem gilt nicht das Datum des Kaufvertrags, sondern das Datum der Zulassung als Stichtag. Davon profitieren zunächst Menschen, die ihr Auto schon im vergangenen Jahr bestellt haben, es aber erst 2026 erhalten haben.Zum Problem könnte das werden, wenn in voraussichtlich drei Jahren die auf 800.000 Fahrzeuge ausgelegte Fördersumme erreicht wird. Bei der plötzlichen Abschaffung des Umweltbonus schauten die Autokäufer in die Röhre, die im Vertrauen auf den Zuschuss ein Auto bestellt hatten, das aber erst nach dem Auslaufen des Programms ausgeliefert wurde. Das könnte erneut drohen, falls es keine Anschlussförderung gibt.Minister Schneider betonte am Dienstag, die Fördersumme werde für 800.000 Autos und damit voraussichtlich bis 2028 oder 2029 reichen. Eine Antragstellung sei bis zu einem Jahr nach Erstzulassung möglich. Es bestehe also zunächst kein Grund zur Eile.Was steht hinter der Kritik an Mitnahmeeffekten?Kritiker verwiesen darauf, dass es beim 2024 gestoppten Umweltbonus hohe Mitnahmeeffekte gab. Zwischen einem Drittel und 46 Prozent der Mittel von 10,17 Milliarden Euro, die der Bund für den Umweltbonus von 2016 bis 2023 ausgegeben hat, sind nach Erkenntnissen des Fraunhofer-Instituts an Menschen geflossen, die ohnehin ein E-Auto gekauft hätten. „Darüber hinaus wurde das Förderprogramm weit überproportional von privaten Haushalten mit höherem Nettoeinkommen genutzt, was auf einen unerwünschten Verteilungseffekt schließen lässt“, heißt es in einem Evaluationspapier. So seien 85 Prozent der Bezieher Wohneigentümer gewesen – und das Geld sei vor allem in den Westen Deutschlands geflossen.Die Bundesregierung setzt daher diesmal auf eine soziale Staffelung und Einkommensgrenzen, die die Mitnahmeeffekte begrenzen sollen. Es gehe um „Familien, die sich sonst keinen Neuwagen, der umweltfreundlich ist, leisten können“, sagte Schneider. Kritik etwa vom Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer, die Prämie sei angesichts der Kostenvorteile von E-Autos überflüssig, teile er nicht, sagte der Politiker.Steigen jetzt die Preise?Eine weitere Kritik am alten Umweltbonus lautet: Dessen Abschaffung habe gezeigt, dass mit dem Ende der Förderung die realen Preise dank höherer Rabatte rasch gefallen seien. Die Hersteller nutzten eine staatliche Förderung also vor allem, um ihre Rendite zu sichern.Schneider hatte bereits Anfang des Jahres beteuert, er habe dieses Mal schon im Vorfeld mit deutschen Herstellern gesprochen und ihnen die Versicherung abgerungen, die Förderung nicht in ihre Preiskalkulation einzubeziehen. Das liege auch im Eigeninteresse: Schließlich seien dieses Mal wegen der Einkommensgrenzen nicht alle Käufer berechtigt, eine Prämie zu erhalten – und günstige Kleinwagen auch für Besserverdiener interessant, etwa als Zweitwagen.Welche Rolle spielt der hohe Ölpreis?Minister Schneider sagte am Dienstag, der hohe Ölpreis wegen des Irankriegs rechtfertige die Förderung zusätzlich – obschon er ja die Elektromobilität für viele Nutzer auch ohne Förderung zur besseren Wahl macht. „Wir sind erpressbar als Bundesrepublik Deutschland, weil wir nicht über genügend Öl- und Gasreserven verfügen“, sagte er. Mit Elektroautos aus überwiegend europäischer Produktion könne das Land unabhängiger werden. Zudem sei diese Mobilität nun wirtschaftlicher – wegen im Vergleich zum Verbrenner oft geringerer Stromkosten und weniger Wartungsausgaben.Wieso könnten chinesische Hersteller profitieren?Deutsche und andere europäische Hersteller bauen ihr Angebot an technisch aktuellen und preisgünstigen Kleinwagen erst auf. Sie haben also aktuell wenige Modelle im Angebot, die für preisempfindliche Käufer interessant und zugleich alltagstauglich sind. Das soll sich erst langsam ändern: Volkswagen etwa hat für 2026 den ID.Polo angekündigt. Dessen Basismodell für rund 25.000 Euro wird allerdings erst nach teureren Varianten auf den Markt kommen – wohl in der zweiten Jahreshälfte. Der noch billigere ID.1 kommt sogar frühestens 2027.Audi, Porsche, BMW und Mercedes haben als Premiumhersteller ohnehin eher keine Autos für kleine und mittlere Einkommen im Angebot. Andere europäische Marken wie Renault kommen ebenfalls erst mit neuen Modellen wie dem Clio ins Einsteigersegment. Die Franzosen haben allerdings mit Dacia Spring auch das derzeit günstigste E-Auto auf dem deutschen Markt – mit Abstrichen bei der Leistung.Kritiker ruft auf den Plan, dass chinesische Marken wie Leapmotor, Omoda-Jaecoo und BYD Kleinwagen als Preisbrecher positionieren. Allerdings bauen sie ihre Produktion in Europa aus – wegen der größeren Marktnähe und der Anti-Dumping-Zölle der EU. BYD etwa hat angekündigt, den elektrischen Kleinwagen Dolphin Surf ab diesem Jahr in Ungarn zu bauen. Leapmotor baut einige Modelle künftig in einem spanischen Werk des Partners Stellantis.Schneider betonte am Dienstag, neun der zehn erfolgreichsten E-Auto-Modelle auf dem deutschen Markt kämen von deutschen Konzernen. Das zehnte sei ein Tesla, der in Brandenburg produziert werde.Welche Alternative hätte es gegeben?Experten verweisen darauf, dass günstigere Strompreise dem E-Auto stärker helfen würden als ein Kaufzuschuss, weil der Betrieb sich dann eindeutiger und häufiger rechnet. Und sie könnten dafür sorgen, dass Nutzer von Hybrid-Autos seltener tanken und die Batterien öfter laden – und so den realen CO₂-Ausstoß senken.Andere Kritiker wie Linken-Verkehrspolitiker Jorrit Bosch verweisen darauf, einkommensschwache Haushalte könnten sich einen Neuwagen ohnehin nicht leisten. Er fordert, auch Gebrauchte einzubeziehen. Doch das würde der Autoindustrie nicht beim Absatz neuer Autos helfen, argumentiert die Bundesregierung.Dieser Text wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt. Christoph Kapalschinski berichtet als Redakteur über die Autoindustrie.
E-Auto-Förderung: Bis zu 6000 Euro für den E-Auto-Kauf – So beantragen Sie ab heute die neue Prämie - WELT
Umweltminister Schneider hat das Online-Portal zur Beantragung der neuen E-Auto-Förderung freigeschaltet. Die Förderung gibt es rückwirkend für seit dem Jahresbeginn gekaufte E-Autos und aufladbare Hybride – allerdings nicht für alle. Ein Überblick.










