PfadnavigationHomeRegionalesHamburgInfrastrukturHamburg Wasser investiert Milliarden – und sieht wachsenden DruckStand: 16:27 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Hamburg-Wasser-Geschäftsführer Martin Gerhardt (l.) und Dr. Frank Herzog stellten die Bilanz des Geschäftsjahres 2025 vor – und besichtigten im Anschluss eine SielbaustelleQuelle: Hamburg Wasser/Thomas EbertDer städtische Versorger Hamburg Wasser wird sein Netz modernisieren und reagiert auf alternde Leitungen und neue Anforderungen durch den Klimawandel. Die wirtschaftliche Lage ist stabil – für Kunden bleiben steigende Preise dennoch wahrscheinlich.Hamburg Wasser stellt sich auf eine Sanierungsoffensive beim Trinkwassernetz ein. Der städtische Versorger will die Investitionen in die Leitungen deutlich erhöhen und damit auf einen wachsenden Erneuerungsbedarf reagieren. Künftig sollen 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr in das Netz fließen – etwa ein Drittel mehr als bislang.Hintergrund ist der Zustand vieler Rohre. Ein Teil der Infrastruktur stamme noch aus der Nachkriegszeit und komme nun in die Jahre, teilte das Unternehmen anlässlich seiner Bilanz-PK mit. In den vergangenen Jahren lag das Erneuerungstempo niedriger, für die kommenden Jahre plant Hamburg Wasser nun einen deutlichen Anstieg. Bis 2035 sollen rund 270 Kilometer Trinkwasserleitungen erneuert werden. Das entspricht etwa fünf Prozent der Frischwasserrohre in der Hansestadt. In einem ersten Schritt sind bis 2030 rund 115 Kilometer vorgesehen, anschließend weitere 152 Kilometer bis 2035.Lesen Sie auchAnlass für die neue Offensive sind auch einzelne Schadensfälle, die zuletzt Aufmerksamkeit erregt hatten. „Rohrbrüche wie jener an der Kollaustraße oder der B73 werden sich nie ganz vermeiden lassen. Dennoch dürfen sie nicht zur Regel werden“, sagte Technik-Geschäftsführer Martin Gerhardt, der seit April im Amt ist. Hamburg brauche „zuverlässige Netze zur Trinkwasserversorgung und Stadtentwässerung“.Noch zeigt sich das Netz robust. Die Verlustrate liegt unter vier Prozent und bleibt damit unter dem bundesweiten Durchschnitt, so Gerhardt. Die Zahl der Rohrbrüche – rund 400 pro Jahr – gilt als beherrschbar. Gleichzeitig verweist der neue Hamburg-Wasser-Chef darauf, dass sich Schäden häufen können, wenn Leitungen ein bestimmtes Alter erreichen – etwa bei Frost, wenn sich der Boden bewegt und spröde Rohre unter Druck geraten. Dennoch setzt das Unternehmen auf eine vorbeugende Strategie. Wer zu lange warte, müsse Schäden später teurer und unkontrollierter beheben.Insgesamt stellt sich Hamburg Wasser auf deutlich höhere Ausgaben ein. Bis 2029 sollen rund 1,15 Milliarden Euro in Netze, Anlagen und neue Technologien fließen.Lesen Sie auchZu den neuen Anlagen, die zum Teil bereits im Bau sind, zählt auch das Großprojekt VERA II auf dem Klärwerksgelände am Köhlbrandhöft. Das Projekt, das die Klärschlammverbrennung erweitert, ist inzwischen deutlich verzögert. Am Mittwoch erklärte Gerhardt, die Inbetriebnahme verschiebe sich nun voraussichtlich auf Anfang 2027. Für die Anlage und die daran gekoppelten Projekte am Kraftwerksstandort ist ein Budget von rund 325 Millionen Euro vorgesehen. Allerdings gibt es aufgrund von Bauverzögerungen und Schwierigkeiten im Projekt finanzielle Nachforderungen an Hamburg Wasser. Diese würden derzeit geprüft, so Gerhardt. Konkrete Angaben zu möglichen Kostensteigerungen werde es erst danach geben.Wirtschaftlich steht das Unternehmen stabil da. Hamburg Wasser erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein Ergebnis von 113,8 Millionen Euro, 7,6 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Der Konzernumsatz stieg von 673,5 auf 701,6 Millionen Euro. Insgesamt versorgte das Unternehmen 2,3 Millionen Menschen mit 117,6 Millionen Kubikmetern Trinkwasser und reinigte 156,5 Millionen Kubikmeter Abwasser. Der Ertrag aus dem Trinkwasserverkauf sank leicht auf 36,2 Millionen Euro und fließt in den Haushalt der Stadt. Das Ergebnis der Abwassersparte lag bei 76,9 Millionen Euro und wird für den Erhalt von Kanalisation und Klärwerk eingesetzt.Für die Kunden ist eine andere Aussage unmittelbar relevant: Hamburg Wasser kündigte an, die Preise weiter schrittweise zu erhöhen. „Richtig ist: Es wird eine Steigerung geben jedes Jahr“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Frank Herzog. Das Unternehmen wolle die Gebühren nicht lange konstant halten, um dann einen großen Sprung machen zu müssen, sondern regelmäßig und moderat anheben. Herzog sprach von einem „deutlich einstelligen Prozentbetrag“.Lesen Sie auchEinen direkten Zusammenhang zu einzelnen Investitionen zog Herzog nicht. Preissteigerungen ergäben sich aus mehreren Faktoren, darunter Tarifabschlüsse, Materialkosten und ein spezifischer „Warenkorb“ des Unternehmens, der sich teilweise anders entwickle als die allgemeine Inflation.Parallel wächst der Druck auf das System. Hamburg Wasser verweist auf veränderte Niederschlagsmuster, längere Trockenphasen und steigende Temperaturen. „Das Klimafolgenmanagement wird zunehmend zum bestimmenden Faktor für die Wasserwirtschaft“, sagte Gerhardt. Die Infrastruktur müsse so ausgelegt werden, dass sie auch unter diesen Bedingungen zuverlässig funktioniere.Neben dem Netzausbau gehören auch die Sanierung älterer Abwasserkanäle und die Anpassung an das Wachstum der Stadt zu den zentralen Aufgaben. Hamburg Wasser sieht dabei vor allem drei große Herausforderungen: die Erneuerung des Trinkwassernetzes, den Ausbau für neue Stadtteile und die Sanierung der historischen Sielsysteme. Eines der Programme sahen sich Herzog und Gerhardt im Anschluss an die Bilanz-PK an. Beide stiegen in das Kuhmühlenstammsiel hinab, das aktuell eine der Großbaustellen von Hamburg Wasser ist. Das mehr als 100 Jahre alte Siel, das Abwasser durch große Teile der inneren Stadt leitet, wird grundsaniert. Redakteurin Julia Witte genannt Vedder arbeitet in der Hamburg-Redaktion von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik. Einer ihrer Schwerpunkte sind die städtischen Unternehmen, darunter Hamburg Wasser.
Infrastruktur: Hamburg Wasser investiert Milliarden – und sieht wachsenden Druck - WELT
Der städtische Versorger Hamburg Wasser wird sein Netz modernisieren und reagiert auf alternde Leitungen und neue Anforderungen durch den Klimawandel. Die wirtschaftliche Lage ist stabil – für Kunden bleiben steigende Preise dennoch wahrscheinlich.






