PfadnavigationHomePolitikAuslandKampf gegen DrogenschmuggelEin zerstörter Pick-up, zwei tote CIA-Agenten und die große Frage nach der US-Präsenz in MexikoStand: 15:18 UhrLesedauer: 5 MinutenEin mexikanischer Soldat in Ciudad Juarez, Bundesstaat Chihuahua. Hier kam es im Februar zu Ausschreitungen zwischen Polizei und DrogenbandenQuelle: HERIKA MARTINEZ/HERIKA MARTINEZ/AFPUS-Präsident Trump will den Drogenschmuggel aus Mexiko bekämpfen und droht dem Land immer wieder mit dem Einsatz von Truppen. Dabei legen Berichte nahe, dass Agenten längst im Land aktiv sind. Für den WM-Gastgeber ist die Lage brenzlig.Rund um die Wrackteile des völlig zerstörten weißen Pick-ups liegen die Leichen. Die Unfallstelle in der Ortschaft Polanco im nordmexikanischen Bundesstaat Chihuahua wird hektisch abgeriegelt. Zu brisant sind die Umstände des Unfalls und die Identität der Beteiligten. Wenig später berichten Medien, dass es sich bei zwei der mutmaßlich vier Toten um die CIA-Agenten John Dudley und Richard Leiter handeln soll, die offenbar gemeinsam mit mexikanischen Beamten unterwegs gewesen waren. Der Unfall im April löste in Mexiko eine hitzige Debatte aus.Denn während die linksgerichtete Präsidentin Claudia Sheinbaum öffentlich auf die Souveränität ihres Landes pocht, scheint sie der amerikanischen Drogenfahndung längst die Tür geöffnet zu haben. Inwieweit das freiwillig geschieht oder sie gar keine andere Wahl hat, ist Gegenstand von Spekulationen. Lesen Sie auchDie gemeinsame Mission der amerikanisch-mexikanischen Pick-up-Besatzung warf unangenehme Fragen auf. Wusste Sheinbaum nichts davon? Oder erzählt sie öffentlich nur die halbe Wahrheit? Denn: „Es wird nicht passieren“, hatte die Politikerin immer wieder gesagt, wenn sie auf mögliche US-Einsätze auf mexikanischem Boden angesprochen wurde.Nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump wird Mexiko längst von den Drogenkartellen regiert. „Die sind praktisch überall“, so Trump mit Blick auf die Präsenz der organisierten Kriminalität in dem Land. Jüngst hatten die US-Behörden sogar die Auslieferung des mexikanischen Gouverneurs Rubén Rocha Moya gefordert, dem sie Drogenhandel vorwerfen. Moya, Regierungschef des Bundesstaates Sinaloa, trat daraufhin zurück. Fentanyl-Schmuggel macht den US-Behörden SorgenFür Sheinbaum ist die Lage brenzlig, noch verschärft durch den Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada in dieser Woche. Moya gilt als enger Vertrauter ihres linkspopulistischen Vorgängers und Mentors Andrés Manuel López Obrador, der Mexiko von 2018 bis 2024 regierte. Vorerst lehnt sie eine Auslieferung Moyas ab, wohl auch, um ihr Gesicht zu wahren.Lesen Sie auchDie US-Behörden wollen vor allem den Schmuggel von Fentanyl aus Mexiko unterbinden. Sicherheitsexpertin Katharina H. Krakow aus Mexiko-Stadt beobachtet seit Jahren die Präsenz und die wirtschaftliche Macht der Drogenkartelle in der Region.„Kriminelle Netzwerke nutzen primär sogenannte ‚Ports of Entry‘, an denen ein massives tägliches Verkehrsaufkommen auf strukturell niedrige Kontrollquoten von etwa fünf bis 20 Prozent trifft“, sagt die Expertin, die jahrelang für die Friedrich-Naumann-Stiftung gearbeitet hat. Besonders der Pkw-Transport erweise sich unter diesen Bedingungen „als effiziente, risikoarme und hochskalierbare Schmuggelstrategie“.Lesen Sie auchDass die Sorgen nicht unbegründet sind, zeigt ein Blick auf die tägliche Verkehrsfrequenz zwischen beiden Staaten. An einem durchschnittlichen Tag im März 2025 passierten mehr als 204.000 Privatfahrzeuge mit mehr als 361.000 Passagieren, knapp 105.000 Fußgänger sowie mehr als 21.000 Lastwagen mit rund 37.000 Frachtcontainern die südliche Grenze der USA. Gleichzeitig seien lediglich etwa fünf Prozent des Pkw-Verkehrs und rund 20 Prozent des gewerblichen Verkehrs überprüft worden, sagt Krakow. „Diese strukturelle Kontrolllücke wird gezielt von kriminellen Organisationen genutzt.“Was wissen die mexikanischen Behörden wirklich?Weil die Kokain- und Fentanyl-Schwemme aus Mexiko kein Ende nimmt, will Washington die Dinge nun selbst in die Hand nehmen. Und setzt damit Sheinbaum unter Druck. „Mexiko wäre nicht in der Lage, Drogenhändler wie ‚El Chapo‘ ohne die Unterstützung der US-Amerikaner festzunehmen. Ohne deren Technologie wären viele hochkarätige Operationen schlichtweg nicht möglich gewesen“, sagte Sicherheitsexperte David Saucedo jüngst in einem Interview mit „Excélsior“. Auch „El Mencho“ hätte Mexiko „ohne die von den USA bereitgestellten Geolokalisierungsdaten weder aufspüren noch ausschalten können“.Lesen Sie auchDie Ausschaltung des berüchtigten Drogenbosses Ende Februar hatte im Bundesstaat Jalisco eine Gewaltwelle ausgelöst. Im Umfeld der WM-Gastgeberstadt Guadalajara lösten Straßenblockaden und Angriffe auf Polizisten Panik aus. Tagelang musste die Fifa Fragen beantworten, ob in Guadalajara unter diesen Umständen überhaupt gespielt werden könne. Am Freitag wird dort um 20 Uhr Ortszeit (Samstag, 4 Uhr MESZ) das Spiel zwischen Südkorea und Tschechien angepfiffen. Tausende Sicherheitskräfte sollen für Ordnung sorgen. Das Areal, in dem das Stadion steht, ist berüchtigt. Dort waren in den vergangenen Jahren die Überreste von mehr als 500 Menschen gefunden worden, offenbar getötet und verscharrt von der Drogenmafia.Lesen Sie auchIn Morelos im Bundesstaat Chihuahua, in dem die beiden CIA-Agenten ums Leben kamen, hat die regionale Staatsanwaltschaft inzwischen die Zerstörung eines Labors für synthetische Drogen bekannt gegeben. An dieser Operation sollen die beiden Amerikaner teilgenommen haben – offenbar ohne Wissen der mexikanischen Bundesbehörden, wie es heißt. Nun wird darüber spekuliert, ob sie tatsächlich bei einem Unfall ums Leben gekommen sind oder ob es sich um einen Racheakt der Mafia gehandelt hat.Sicherheitsexperte Saucedo will einen Kurswechsel Washingtons erkannt haben. Früher habe es kaum verdeckte Operationen gegeben, von denen die mexikanischen Behörden nichts gewusst hätten, sagt er. Mit Donald Trump habe sich das geändert. „Waren es früher zu 80 Prozent gemeinsame, aber verdeckte Operationen, so glaube ich, dass es jetzt umgekehrt ist: Es müssen zu 80 Prozent einseitige verdeckte Operationen der USA sein“, so Saucedo. „Das heißt, mit CIA-Agenten in Chihuahua, mit DEA-Agenten (Drug Enforcement Administration; US-Bundesbehörde für Drogenbekämpfung; d. Red.) in Jalisco, mit FBI-Agenten in Mexiko-Stadt, die ohne Wissen, Genehmigung oder Begleitung der mexikanischen Behörden operieren.“ Wie viel lokale oder nationale Sicherheitskräfte tatsächlich wissen, lässt sich nicht unabhängig verifizieren.Trump hege großes Misstrauen gegenüber den mexikanischen Behörden, sagt Saucedo. Zudem teile er nicht gern Erfolge mit anderen Politikern. So feierte der US-Präsident öffentlich, dass dank ihm „El Mencho“ ausgeschaltet worden sei. Für Sheinbaum war das eine kleine Demütigung. Die versuchte US-Außenminister Marco Rubio mit einem Lob auszubügeln: „Keine Regierung arbeitet enger mit uns zusammen als die mexikanische Regierung.“ Wie eng, darüber kann derzeit nur spekuliert werden.Tobias Käufer ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 über die Entwicklungen in der Region.
Kampf gegen Drogenschmuggel: Ein zerstörter Pick-up, zwei tote CIA-Agenten und die große Frage nach der US-Präsenz in Mexiko - WELT
US-Präsident Trump will den Drogenschmuggel aus Mexiko bekämpfen und droht dem Land immer wieder mit dem Einsatz von Truppen. Dabei legen Berichte nahe, dass Agenten längst im Land aktiv sind. Für den WM-Gastgeber ist die Lage brenzlig.






