Der Technologiekonzern Bosch will künftig vom Einsatz humanoider Roboter in der Industrie, im Gesundheitswesen sowie in Privathaushalten profitieren und hofft auf ein Milliardengeschäft. „Der demographische Wandel erfordert Roboter mit anderen Fähigkeiten, und durch die neuen Intelligenzmodelle sind wir in der Lage, sie anders zu bauen als bisher“, sagte Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Mit dem Aufkommen humanoider Roboter steige der Bedarf an Komponenten von Bosch, sagte er. „Bosch sieht in diesem Umfeld das Potential, um ein Geschäft in Milliardenhöhe zu entwickeln“, teilte das Unternehmen mit.Der Automatisierungsspezialist mit Sitz in Gerlingen, der aktuell mit einer Ertragskrise im Kerngeschäft mit der Automobilindustrie zu kämpfen hat, will selbst nicht als Hersteller von humanoiden Robotern auftreten. Unternehmen wie das deutsche Start-up Neura Robotics oder der britische Robotikspezialist Humanoid, mit denen Bosch ebenso wie mit Robotikfirmen in den USA und China Partnerschaften eingegangen ist, sollen Sensorik, Software und andere Komponenten von Bosch einkaufen.200 Milliarden Dollar Marktvolumen bis 2035 erwartet„Das Gute ist, dass wir die Komponenten schon haben und von den Herstellern bereits für Industrialisierungsprojekte angefragt werden“, sagte Tanja Rückert, Geschäftsführerin der Robert Bosch GmbH. Besonders gut sieht sie Bosch im Bereich Sensorik aufgestellt. Bei mikroelektromechanischen (MEMS) Sensoren ist das Unternehmen Weltmarktführer. Diese Chips schaffen etwa die Voraussetzung dafür, dass humanoide Roboter einen feinen Tastsinn entwickeln können, um empfindliches Glas von einem robusten Gegenstand unterscheiden zu können. „Das ist immer noch ein ungelöstes Problem, und da haben wir eine Riesenchance“, sagt Rückert.Marktbeobachter rechnen damit, dass allein der Markt für MEMS-Sensoren weltweit von gut 15 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf mehr als 19 Milliarden Dollar im Jahr 2030 wachsen wird. Die britische Investmentbank Barclays traut dem gesamten Markt für humanoide Roboter schon 2035 ein Volumen von 200 Milliarden Dollar zu. Im vergangenen Jahr lag dieses Geschäft mit weltweit 18.000 verkauften Einheiten nach Einschätzung des Marktforschers International Data Corporation noch unterhalb einer halben Milliarde Dollar, wobei sich der Umsatz versechsfacht hat.22.000 Arbeitsplätze weniger allein im ZuliefergeschäftDer Umsatz von Bosch lag im vergangenen Jahr mit 91 Milliarden Euro leicht über dem Niveau von 2024. Unter dem Strich verbuchte der Konzern aber erstmals seit 2009 einen Nachsteuerverlust, nachdem sich der Gewinn im Jahr zuvor bereits halbiert hatte. Neben der Krise in der deutschen Automobilindustrie setzen Bosch auch in anderen Geschäftsfeldern die schwächelnde Weltkonjunktur, neue US-Zölle und die wachsende Konkurrenz durch chinesische Anbieter zu. Das Management plant allein im Zuliefergeschäft den Abbau von 22.000 Arbeitsplätzen. Weitere Kürzungen sind bei der Hausgerätetochter BSH und den Elektrowerkzeugen vorgesehen.Das Geschäft von Bosch mit Sensorik, Software und anderen Komponenten für humanoide Roboter soll zügig wachsen. „Es geht jetzt, deswegen müssen wir es jetzt auch machen“, sagte Hartung über das Zeitfenster für den Eintritt in den schnell hochlaufenden Markt, auf dem viele Hoffnungen ruhen. Andere Hoffnungsträger wie die Elektromobilität oder Wasserstoffantriebe konnten die Erwartungen von Bosch zuletzt nicht erfüllen.
Automobilzulieferer: Bosch setzt auf die Robotik
Dem Technologiekonzern Bosch setzt die Krise in der Automobilindustrie zu. In der Zusammenarbeit mit Herstellern humanoider Roboter wittert das Unternehmen ein Milliardengeschäft.







