Erst gab Donald Trump den Duldsamen. Dann, am Mittwoch, änderte er wieder einmal seine Tonlage und drohte Iran. „Sie haben zu lange gebraucht, um einen für sie großartigen Deal auszuhandeln, jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!“, schrieb der amerikanische Präsident auf seiner Plattform Truth Social.Dabei hatte Trump sich zuvor einen ganzen Tag Zeit gelassen, um auf den mutmaßlichen Abschuss eines Apache-Kampfhubschraubers über der Straße von Hormus zu reagieren. Die nächtlichen Vergeltungsschläge, die er schließlich am Dienstag befahl, waren weitgehend symbolisch. Außerdem kamen sie mit Ansage.So wie der amerikanische Präsident ist, lässt er sich bei seinen Abwägungen stets in die Karten blicken: Zwar hatte er zunächst auf seiner Plattform Truth Social mitgeteilt, dass sein Land auf diesen Angriff reagieren „muss“, obwohl die beiden Hubschrauberpiloten unverletzt in Sicherheit gebracht worden seien. Dann aber rief er einen Journalisten des „Wall Street Journal“ an und versuchte, die Angelegenheit herunterzuspielen: Der Vorfall mit dem Hubschrauber sei „keine große Sache“.In Washington hieß es am Mittwoch, Trump sei anfangs nicht überzeugt gewesen, dass er zurückschlagen müsse. Er habe seine Meinung erst geändert, nachdem Dan Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Vergeltungsschläge empfohlen habe. Er wollte offenkundig einen möglichen Deal mit den Iranern nicht gefährden – und blendete das Kalkül Teherans bei diesem „Vorfall“ zunächst aus. Dann aber folget doch noch die wüste Drohung, die eine Rückkehr zu ausgedehnten Kampfhandlungen möglich erscheinen lässt. Auch sie könnte sich freilich als weiterer Versuch herausstellen, den Druck auf Iran zu erhöhen.Vor zehn Tagen hatte Trump ein iranisches Angebot mit zwei Verbesserungswünschen zurückgeschickt. Vor zwei Tagen noch hatte Trump gesagt, eine Einigung könne binnen zwei oder drei Tagen erfolgen.Araghchi spricht von einem möglichen UnfallIran bestritt zwar nicht, den Hubschrauber abgeschossen zu haben. Es warf den USA aber vor, den „Absturz“ als „Vorwand“ für Angriffe genutzt zu haben, auf die es seinerseits mit Vergeltungsschlägen reagierte. Zugleich bemühte sich auch Teheran, den begrenzten Charakter des Schlagabtauschs zu betonen, um die offenbar weiterlaufenden Verhandlungen mit Washington nicht zu gefährden. „Wir bevorzugen die Sprache der Diplomatie, aber wir sprechen andere Sprachen noch viel fließender“, schrieb Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf auf der Plattform X.Außenminister Abbas Araghchi schien den Absturz des Hubschraubers als potentiellen Unfall darzustellen. „Ausländische Kräfte in unmittelbarer Nähe unseres Territoriums sind einem permanenten Risiko ausgesetzt durch eigene menschliche Fehler, schlichte Unfälle oder die Möglichkeit, ins Kreuzfeuer zu geraten.“Wenn man, wie viele Iran-Fachleute, hingegen davon ausgeht, dass Iran den Apache-Hubschrauber bewusst abgeschossen habe, könnte das darauf hinweisen, dass Teheran mit Nadelstichen die Kosten der amerikanischen Seeblockade in die Höhe treiben will. Iran könnte darauf setzen, dass Trump kein Interesse an einer Rückkehr zu einem vollumfänglichen Kriegseinsatz zu haben scheint.Der Iran-Direktor der International Crisis Group, Ali Vaez, kommentierte das auf X so: „Ein Land, das es wagt, ein amerikanisches Militärgerät abzuschießen, ist nicht besiegt.“ Schon der iranische Raketenangriff auf Israel am Sonntag hatte gezeigt, dass die iranischen Streitkräfte risikobereiter agieren, was die Gefahr von Fehlkalkulationen erhöht.In Washington wurde indes auch gemutmaßt, die Iraner könnten fälschlicherweise angenommen haben, der Apache-Hubschrauber komme aus Israel. Auch wurde nicht ausgeschlossen, dass in Teheran weiter unterschiedliche Kräfte am Werk sind und einige womöglich eine nahende Einigung mit Washington torpedieren wollten.Der Waffenstillstand bröckeltEin möglicher Abschuss des Hubschraubers würde zeigen, dass Iran trotz gegenteiliger Äußerungen Trumps weiterhin über signifikante Luftabwehrkapazitäten verfügt. In der Nacht zum Mittwoch holte Iran nach eigenen Angaben eine Drohne vom Typ MQ-9 vom Himmel. Mehrfach hat Teheran darauf hingewiesen, dass es militärischen Druck als Hebel in den Verhandlungen nutzen will. Verhandelt wird weiterhin über ein Rahmenabkommen, das in einem ersten Schritt die Wiederherstellung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus vorsieht.Der im April vereinbarte Waffenstillstand erscheint aber zunehmend brüchig. Das amerikanische Militär beschoss am frühen Mittwochmorgen nach Trumps Ankündigung Luftabwehr- und Radarsysteme in mehreren Küstenorten am Persischen Golf. Nach iranischen Angaben wurden auch Trinkwasseranlagen in der Provinz Hormusgan zerstört.Zur Vergeltung beschoss die Revolutionsgarde nach eigenen Angaben einen Hangar für amerikanische F-35-Kampfflugzeuge und einen Befehlsstand auf dem jordanischen Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti mit Raketen. Das jordanische Militär teilte mit, es habe fünf Raketen abgefangen. Bahrain gab den Abschuss von Raketen und Drohnen bekannt, die nach iranischen Angaben die dort stationierte fünfte US-Flotte treffen sollten. Ein weiteres Ziel war offenbar die Ali-Al-Salem-Luftwaffenbasis in Kuwait.