Als Derk Remmers in der Straße von Sizilien tauchte, erschien plötzlich dieses Wesen vor ihm: rund vier Meter lang, seine Augen tiefdunkel, die Zähne zackig-spitz. Ein Weißer Hai. „Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher, einen Lotto-Jackpot zu knacken.“ So wird es der Taucher von der Organisation Ghost Diving später mitteilen. Vor einigen Wochen schaltete der Mann aus Heidelberg bei dieser Begegnung in 40 Metern Meerestiefe seine Kamera an. Es sind die ersten bekannten Unterwasserbilder eines lebendigen Weißen Hais im Mittelmeer.Remmers war Teil einer Tauchgruppe der Organisation Healthy Seas, die ein zwischen Sizilien und Tunesien gelegenes Schiffswrack aus dem Zweiten Weltkrieg von sogenannten Geisternetzen befreien wollte. So werden herrenlose Fischernetze genannt, die sich regelmäßig an Wracks oder Riffen verfangen. Die Region vor der Küste von Sizilien zählt zu den am stärksten befischten Gebieten des Mittelmeerraums.In Europa vom Aussterben bedrohtVon der Organisation angefragte Meeresforscher bezeichneten die Sichtung als äußerst ungewöhnlich. Und gerade deshalb sei sie für die Wissenschaft von Bedeutung. Die Umweltorganisation WWF weist den Weißen Hai im Mittelmeerraum als „stark gefährdet“ aus. Zwar kam das Raubtier dort bis ins 20. Jahrhundert regelmäßig vor, heißt es. Doch führte gezielter Fischfang fast zu seinem Aussterben. Ein Bestand von rund 200 bis 250 Tieren wird von mehreren Tiefseeorganisationen als realistisch geschätzt, er gilt in Europa als vom Aussterben bedroht.Herrenlose Fischernetze verfangen sich massenweise an Wracks auf dem Grund des Mittelmeers vor Sizilien.Derk Remmers/Ghost DivingDieser Tage gälten insbesondere Fischereinetze als Gefahr, teilt auch die für die Aktion zuständige Organisation Healthy Seas mit: Fische verhedderten sich darin und endeten als Beifang. Passiere das mit alten Netzen, könnten sie sich daraus oft nicht lösen und verendeten.„Momente wie dieser erinnern uns daran, wie viel Leben in den küstenfernen Gewässern des Mittelmeers noch existieren kann“, sagte die Direktorin der Meeresschützer, Veronika Mikos. Laut Meeresbiologen der Stiftung nutzen viele Fische ehemalige Schiffswracks als Verstecke. Die Sichtung zeige: Tiere vor vermeidbaren Bedrohungen wie verlassenem Fischereigerät oder Überfischung zu schützen, könne zur Erholung vieler Fischbestände führen. Offenbar auch jener des Weißen Hais.Wenn der Weiße Hai auch seit Steven Spielbergs Filmfiktion von 1975 als Schreckgespenst verfemt sein mag, so ist er üblicherweise ein scheues Wesen. Weltweit wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 65 „unprovozierte“ Haiangriffe dokumentiert; bei Weißen Haien sind es laut Erhebungen der International Shark Attack File seit Langem zwischen drei und sieben jährlich. Ein Badeverbot wie in der von Spielberg erdachten Küstenstadt Amity steht für Urlauber also nicht in Aussicht.
Wohl erste Aufnahme von Weißem Hai im Mittelmeer
Zwar gibt es im Mittelmeer Weiße Haie, doch unter Wasser gefilmt werden konnten sie wohl noch nicht. Bis Derk Remmers in 40 Metern Tiefe auf einmal in tiefdunkle Augen blickte und zackig-spitze Zähne sah.












