Im Februar sah der kommende Sommer noch gut aus, es gab sehr viele Frühbucher. Dann kam der Irankrieg. Zunächst verunsicherten Schilderungen über in den Emiraten festsitzende Urlauber die sonst so reisefreudigen Deutschen. Danach kamen die Fragen, ob für den eigenen Urlaubsflug noch Kerosin da ist oder ob die Reise insgesamt zu teuer wird. All das löste eine Buchungsflaute aus, die – trotz einer wieder steigenden Nachfrage – nicht vorüber ist.Der Hauptgrund dafür sind nicht Bilder von Rauchwolken über Dubai im März. Dorthin wollen ohnehin gerade die wenigsten. Es sind auch nicht leere Flugzeugtanks. Kerosin wird knapper und deshalb teurer, es geht aber nicht komplett aus. Wenn Airlines streichen, dann die ineffizientesten Strecken, die Ferienflüge zählen nicht dazu. Der Nahostkonflikt ist für die Reisebranche eine Aufgabe. Schwerwiegender ist aber, dass sie ein Preisproblem hat: Für ihre Kunden ist Urlaub zunehmend mit Rechnen verbunden, wie viel Erholung sie sich noch leisten können.Wenn Urlauber ein Ziel meiden, ist das für Hotels vor Ort ein Schlag. Für Reiseanbieter aus Deutschland stellt das allein keine Katastrophe dar – sofern die Urlauber ein anderes Ziel wählen. Nach diversen Herausforderungen – Arabischer Frühling, Anschläge, Naturkatastrophen, politische Verstimmungen mit der Türkei – haben die Unternehmen ihre Kapazitätsplanungen flexibler gestaltet. Ihre Geschäftsmodelle sind für solche Nachfrageschwankungen weniger anfällig. Doch gegen eine schwindende Zahlungsfähigkeit eines Teils der Kunden hilft das nicht.Urlaub ist zur Rabattware gewordenZuletzt erlebte die Branche eine Berg-und-Tal-Fahrt – mit Phasen starker Nachfrage und Einbrüchen. Und das war im vergangenen Jahr schon ähnlich, obwohl es keinen Irankrieg gab. 2025 verhinderten Last-Minute-Buchungen dann doch noch den Dämpfer. Rückblickend buchten Reisende vor allem dann, wenn sie einen Nachlass bekamen – entweder die Ermäßigung für Frühbucher oder die für Kurzentschlossene. Urlaub ist zur Rabattware geworden.In diesem Jahr ist es schwieriger mit den Last-Minute-Offerten. Wer es sich leisten konnte, hat sich schon westwärts orientiert: Für das Geschäft mit Spanien- und Portugalreisen wird es ein gutes Jahr mit höheren Preisen. Zu füllen sind noch andere Ziele, die die Kunden zuletzt nicht so gerne wollten. Ob die Last-Minute-Phase, die in diesem Jahr später in Gang kommt, auch diesmal für einen guten Abschluss des Sommers sorgen wird, vermag noch niemand zu sagen.Ein trügerischer BefundDie Urlaubsbranche hat sich lange darin gesonnt, dass die Reiseausgaben der Deutschen auf Rekordhöhe sind. Mit 92 Milliarden Euro gaben Bundesbürger 2025 ein Viertel mehr für Urlaube aus als vor Corona. Das lag maßgeblich an Preisaufschlägen. Touristiker argumentieren dennoch, Reisen seien kein Inflationstreiber gewesen, die allgemeine Teuerung sei etwa genauso hoch gewesen. Sie übersehen jedoch, dass die Rekordausgaben erfolgten, nachdem Urlauber Sparstrategien angewandt hatten.Der Branche half bislang, dass die wenigsten ganz auf Urlaub verzichten wollen. Im Durchschnitt steigt der Anteil der Haushaltseinkommen, der für schöne Ferien aufgewendet wird, aber nicht – schließlich ist auch anderes teurer geworden.Trügerisch ist daher der Befund, dass zuletzt ein paar Bürger mehr überhaupt aufgebrochen sind. Das zeigt den großen Wunsch, rauszukommen. Aber die Zahl derjenigen, die zweimal einen Urlaub über mindestens fünf Tage machten, ist gesunken. Die Gesamtzahl der Reisen lag deshalb 2025 mit knapp 68 Millionen unter Vor-Corona-Rekorden. Kürzer verreisen, den Zweiturlaub wegsparen, auf Fernziele verzichten, im Ferienhaus selbst kochen, statt essen zu gehen – das gehört inzwischen zum Urlauberalltag dazu.Eine schlüssige Antwort auf die finanzielle Lage ihrer Kunden hat die Branche nicht. Man freut sich, dass die Bessergestellten für Zuwächse im Premium-Segment sorgen. Im Massenmarkt sollen es begrenzte Rabattaktionen irgendwie richten. Unklar, ob das auch 2027 funktioniert, wenn der Nahostkonflikt nicht bald beigelegt ist. Selbst wenn die Straße von Hormus für Tanker mit Kerosinnachschub öffnet, sind nicht alle Probleme behoben. Anlagen am Golf sind beschädigt, können nicht sofort zur vollen Leistung zurückkehren. 2026 verhinderten Sicherungsgeschäfte der Airlines einen größeren Preisschub, für 2027 bestehen die in deutlich geringem Umfang. Dann könnte mancher Urlauber die Preise dieses Sommers noch als Wohltat empfinden.