Palermo gehörte für drei Tage Dua Lipa und ihrem Mann. Wenn eine Stadt zur Kulisse einer Hochzeit wirdDua Lipa und Callum Turner feierten in Sizilien eine exklusive Hochzeitsparty. Dafür wurden Teile der Altstadt abgesperrt. Das löste Proteste aus und entfachte in Italien erneut eine Debatte über Geld, Privilegien und den öffentlichen Raum.10.06.2026, 12.09 Uhr4 LeseminutenDie britisch-albanische Sängerin Dua Lipa (weisses Kleid) hat in Palermo geheiratet.Igor Petyx / Reuters«Palermo steht nicht zur Vermietung» oder «Unsere Piazza ist nicht dein Wohnzimmer»: Mit diesen Parolen protestierten die Einwohner aus der sizilianischen Hauptstadt gegen die Hochzeit des Pop-Stars Dua Lipa. Die albanisch-britische Sängerin heiratete am vergangenen Wochenende den britischen Schauspieler Callum Turner in Palermo und im nahe gelegenen Bagheria.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Rahmen fiel für einen Pop-Star zwar überschaubar aus: Nur gut 200 Gäste sollen angereist sein, unter ihnen Elton John und Donatella Versace. Für viele Anwohner hatte die Hochzeit dennoch spürbare Folgen. Bereits am Freitagabend wurden laut Medienberichten grosse Teile der Innenstadt von Palermo abgesperrt. Am Samstag wurde ein Museum für den Privatbesuch geschlossen. Beim Empfang vor der Hochzeit begrüsste das Paar die geladenen Gäste auf einer Piazza zwischen Oldtimern und Bistrotischen.Die Kritik der Einheimischen ist klar und deutlich: «Palermo steht nicht zur Vermietung.»Andrew Styczynski / ImagoDie Feier zeigt erneut, was sich mit viel Geld alles machen lässt. Die Veranstalter buchen längst nicht nur Luxushotels, Catering oder Sicherheitspersonal. Sie sichern sich für kurze Zeit auch Exklusivität. Öffentliche Plätze werden abgesperrt, Zugänge kontrolliert und Verkehrsströme umgeleitet. Die betroffenen Orte müssen sich für einige Tage den Bedürfnissen einer privaten Veranstaltung unterordnen. Laut Medienberichten kostete die dreitägige Feier mehrere Millionen Dollar. In Palermo löste sie heftige Diskussionen aus.Die Hochzeit stärke das Image der StadtKaum ein sizilianisches Brautpaar könne für seine Hochzeit eine Piazza reservieren oder ein Museum exklusiv nutzen, ist der Grundtenor der Kritik. Genau hier beginnt der Konflikt. Viele Einwohner fragen sich, ob für sehr vermögende Menschen andere Regeln gelten. Deshalb stossen solch pompöse Promifeiern regelmässig auf Widerstand.Die Befürworter verweisen auf ausgebuchte Hotels und volle Restaurants sowie zusätzliche Aufträge für das lokale Gewerbe. Auch Palermos Bürgermeister Roberto Lagalla betonte entsprechende Vorteile. Die Hochzeit stärke die Wirtschaft und das Image der Stadt, sagte er der Zeitung «Corriere della Sera». Die Kritiker halten dagegen. Oft würden wenige Unternehmen von den Einnahmen profitieren, während die Allgemeinheit die Einschränkungen trage.In Italien steht Palermo mit diesem Konflikt nicht allein. Immer häufiger dienen historische Städte und touristische Hotspots als Bühne für exklusive Privatveranstaltungen. Und überall fragen sich die Einwohner: Wer profitiert? Wer trägt die Kosten? Wo verläuft die Grenze zwischen dem wirtschaftlichen Nutzen und dem öffentlichen Interesse?Clooney und Bezos feierten grosse Feste in VenedigAuch Venedig kennt diese Debatte. Als George Clooney 2014 Amal Alamuddin heiratete, belagerten Paparazzi und prominente Gäste tagelang die Lagunenstadt. Viele Einwohner empfanden das Spektakel angesichts der damaligen Wirtschaftskrise als dekadente Provokation.Im Juni 2025 heiratete der Amazon-Gründer Jeff Bezos in Venedig Lauren Sánchez. Die dreitägige Feier soll laut Medienberichten rund fünfzig Millionen Dollar gekostet haben. Zahlreiche Bewohner sprachen von einem «wahrhaftigen Überfall auf die Stadt». Auch hier gab es Proteste und Transparente mit Aufschriften wie «No Space for Bezos».Politiker hoben dagegen die ökonomischen Chancen hervor. Laut Schätzungen brachte die Feier rund dreissig Millionen Dollar in die Stadt. Zudem hatten Bezos und seine Frau bereits im Vorfeld namhafte Spenden getätigt. Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, erklärte, es sei «eine Schande», gegen jemanden zu demonstrieren, der Wohlstand in die Region bringe.Jeff Bezos und Lauren Sánchez werden im Juni 2025 im Boot durch Venedig kutschiert.Guglielmo Mangiapane / ReutersIm Kern geht es jedoch um eine andere Frage. Dürfen wohlhabende Menschen für Geld den exklusiven Zugang zu Orten erhalten, die allen gehören? Eine Piazza dient als Treffpunkt, Durchgangsort und Teil des täglichen Lebens. Wer sie absperrt, verschiebt das Gleichgewicht zwischen Gemeinwohl und Privatinteressen.Das Klischee vom «Mafia-Nest»Im Fall von Dua Lipa entfachte die Hochzeit noch eine weitere Debatte. Internationale Medien stritten darüber, wie Sizilien dargestellt wird. Besonders Schlagzeilen der britischen Boulevardpresse sorgten auf der Insel für Empörung. Die «Sun» erinnerte an die Mafia-Vergangenheit Palermos und schrieb von «Mafia-Chic». Der «Telegraph» bezeichnete den Hochzeitsort sogar als «Mafia-Nest».Viele Sizilianer wehrten sich gegen solche Klischees. Nach Protesten änderte die Zeitung ihren Titel in «Ex-Mafia-Nest». Für Siziliens Regionalpräsidenten Renato Schifani war das nicht genug. Das Blatt habe ein altes Klischee bedient und damit ein ganzes Volk herabgewürdigt, sagte er der Nachrichtenagentur Ansa. Der Imageschaden sei enorm.Doch trotz Protesten, Absperrungen und Schlagzeilen wird am Ende vor allem eines bleiben: die Bilder einer glamourösen Hochzeit vor historischer Kulisse. Die wirtschaftlichen Effekte werden sich berechnen lassen. Doch viele Einwohner hatten für ein Wochenende das Gefühl, ihre Stadt gehöre weniger ihnen als einer kleinen Gruppe prominenter Gäste. Das wiegt in der Gesellschaft schwerer.Wenige Tage nach der Feier kündigten Dua Lipa und Callum Turner an, Palermo eine grosszügige Spende zukommen zu lassen. Das Geld solle «wichtige kulturelle, sportliche und soziale Initiativen» unterstützen, berichteten britische Medien. Das frisch vermählte Paar wolle damit seine Wertschätzung für die Stadt zeigen, sagte Bürgermeister Roberto Lagalla der «Sun».Oder anders gesagt: Statt Exklusivität soll Geld nun Versöhnung schaffen.Lange hält die Ruhe auf Sizilien jedoch kaum an. Anfang Juli rückt bereits die nächste Promi-Hochzeit ins Rampenlicht. Aurora Ramazzotti, die Tochter von Michelle Hunziker und Eros Ramazzotti, wird ihren Lebensgefährten in der Provinz Syrakus heiraten. Auch diese Feier soll sich über drei Tage erstrecken.Passend zum Artikel