HBO-Serie „Half Man“: Rationalität ist eine Fiktion

Die britische Fernsehserie „Half Man“ zeigt, was der Politik fehlt: Widersprüchlichkeit, Ambiguität, Zweifel. Und an Verzweiflung und Emotionen.

Jamie Bell (l) als Niall und Richard Gadd als Ruben in einer Szene der Miniserie „Half Man“

Warner/HBO Max/dpa

E s ist ja doch selten, dass mich Kunst so durchschüttelt, dass sich die Bilder verschieben und die Wirklichkeit aufbricht und in ihren Klüften und dunklen Gründen und Gefilden sichtbar wird. Als sei das, was wir Leben nennen, eben doch nur die Erfindung eines Regisseurs mit sehr boshaften Absichten. Die Tragödie jedenfalls, als die von Sophokles bis Camus die Existenz betrachtet wurde, muss in jeder Zeit neu durchgespielt und definiert werden. Und die Art, wie der schottische Schauspieler, Regisseur und Autor Richard Gadd seine Charaktere führt, sie fallen lässt, sie wieder und wieder aufstehen lässt und dabei die Debatten um toxische Maskulinität, Liebe, Hass, Gewalt, Familie, Abhängigkeit auf verwirrende Weise weitertreibt, ist ziemlich einzigartig, in manchen Momenten, dachte ich sogar, genial.