PfadnavigationHomeReisePicknick im FlugzeugErfahrene Luft-Picknicker wissen, was sie an Bord mitnehmenVon Kira HanserVerantwortliche Redakteurin im Ressort Stil, Leben und ReiseStand: 10:54 UhrLesedauer: 4 MinutenMit Baguette in den Flieger: Selbstversorgung wird zum TrendQuelle: Jacobs Stock Photography/Photodisc/Getty ImagesDas beste Essen im Flugzeug kommt nicht aus der Bordküche. Wer eigene, schmackhafte Snacks auf der Kurzstrecke mitbringt, fühlt sich autark und spart Geld. Was dabei zu beachten ist – und warum man den Heringstopf vermeiden sollte.Eine der denkwürdigsten Mahlzeiten auf der Kurzstrecke bleibt in der persönlichen Erinnerung ein Iberia-Flug von Madrid nach Palma de Mallorca. Es gab unterwegs ein knuspriges Bocadillo de Jamón y Queso, mit Serrano-Schinken und Manchego-Käse, anschließend selbstgebackene Galletas. Falls Sie jetzt die Augenbrauen runzeln und denken: Wie jetzt – Iberia, Kurzstreckenflug, da gibt es doch, wie bei den meisten Airlines, für zu viele Euros gerade mal ein geschmacksneutrales Sandwichquadrat, das auch noch würdelos am Gaumen wie Kleister pappt?Lesen Sie auchIm Prinzip: ja. Doch in diesem Fall hatten wir zwei Sitznachbarn, der eine aus Spanien, ich aus Deutschland, die gleiche gute Idee: einen wohlschmeckenden Snack in den Flieger mitzunehmen. So holte ich mir in Madrid beim Bäcker ein belegtes Baguette; der junge Spanier hatte eine Dose mit buttrigen Keksen von der Mama im Rucksack. Wir nickten uns freundlich zu, teilten als Fremde unser Essen und genossen gemeinsam das Luft-Picknick über dem Mittelmeer.Picknick an BordZwar hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man eigenes Essen nicht durch den Sicherheitsbereich und an Bord bringen darf, aber: Selbstverpflegung im Flieger ist gestattet. Passagiere können viele Leckereien mitbringen, vorausgesetzt, die sind weder flüssig noch streichfähig oder zerlaufen wie überreifer Brie. Die Liste der erlaubten Snacks ist lang: Sandwichs, Wraps, Gemüsesticks, Schokoriegel, Kekse, jegliches Obst. Lesen Sie auchErfahrene Luft-Picknicker nehmen sogar tiefgefrorene Schwarzwälder Kirschtortenstückchen (und Holzgäbelchen) für den Kaffeeplausch an Bord mit, denn so ein Eisblock gilt als fest und ist damit gestattet. Die Appetithäppchen nimmt man am besten mit in Folie, originalverpackt – oder in der unverwüstlichen Tupperdose. Tipp: Die Dose sollte transparent sein, damit die Sicherheitsleute gar nicht erst auf die Idee kommen, händisch zwischen Gemüsesticks und Stulle herumzuwühlen. Den Fluggesellschaften ist das ohnehin egal, solange man nicht olfaktorisch heikle Lebensmittel futtert, wie stinkende Durian-Früchte oder vergorenen Surströmming, eine schwedische Fischspezialität. Aber das macht ja auch niemand. Lesen Sie auchAllerdings kommunizieren Airlines Selbstverpflegung ungern, schließlich wollen sie ja ihr Bordessen loswerden. Nur eine einzige verbietet mitgebrachtes Essen explizit, und zwar die malaysische Billigfluggesellschaft AirAsia. Dagegen gibt es mit Etihad Airways sogar eine Gesellschaft, die ausdrücklich auf der Website ihre Fluggäste dazu ermuntert: „Sie können gerne Ihre eigenen Snacks mit an Bord bringen.“Passagier klagte wegen HeringstopfAllerdings gibt es auch Passagiere, die es mit dem Picknick übertreiben wollen: Ein deutscher Fluggast wollte mal mit mehr als 100 Gramm Matjeshering in Mayonnaise, Nordseekrabbensalat und Büffel-Mozzarella in Lake auf dem Flug von Berlin nach Düsseldorf im Handgepäck mitnehmen. Die Leckereien wurden ihm jedoch bereits bei der Sicherheitskontrolle unter Protest abgenommen und entsorgt. Obwohl ihm die Einkaufskosten von 17,32 Euro nach einer ersten Beschwerde erstattet wurden, gab der störrische Passagier jahrelang keine Ruhe: Er klagte durch alle Instanzen – erfolglos. Seine Leckereien aus einem fest-flüssigen Mischmasch bleiben laut dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG 3 B 22.17) höchstrichterlich verboten in der Flugzeugkabine. Der Fluggast musste alle Kosten des Verfahrens (festgelegter Streitwert: 5000 Euro) selbst tragen. Ein ziemlich teurer Heringshappen! Und wer mal mit einer Flugbegleiterin plaudert, stellt fest: Viele Crew-Mitglieder bringen ohnehin lieber ihr eigenes Essen mit an Bord. Dabei gilt aber auch für sie: Aus hygienischen Gründen dürfen grundsätzlich keine mitgebrachten Lebensmittel in der Bordküche aufgewärmt werden. Ausnahme: Babynahrung.Und wie sehen das die Mitpassagiere, wenn überall Tupperdosen mit Leckereien aufploppen? Relativ entspannt, möchte man meinen. Einer internationalen Umfrage des Reiseportals Opodo zur Flug-Etikette 2026 zufolge stören sich nur vier bis sieben Prozent der 9000 Befragten an den Speisen der Nachbarn. Als unangenehmer wird zum Beispiel starkes Parfüm bei den Sitznachbarn empfunden. Also spricht eigentlich kaum etwas gegen autarke Verpflegung im Flieger. Und sie hat auch noch einen entscheidenden Vorteil: Wenn der Bordservice mal wieder wegen Turbulenzen kurz vor der eigenen Sitzreihe eingestellt wird, wie neulich auf einem Austrian-Airlines-Flug von Wien nach Berlin, dann gibt es einen Apfel aus dem Rucksack und eine Runde Gummibärchen zur Beruhigung.
Fliegen: Das geheime Vergnügen des Bord-Picknicks über den Wolken - WELT
Das beste Essen im Flugzeug kommt nicht aus der Bordküche. Wer eigene schmackhafte Snacks auf der Kurzstrecke mitbringt, fühlt sich autark und spart Geld. Was dabei zu beachten ist – und warum man den Heringstopf vermeiden sollte.










