PfadnavigationHomeICONISTModeArtikeltyp:MeinungWM-OutfitsJulian Nagelsmanns „Malle“-Kappe ist die Rache von Adidas am DFBStand: 07:44 UhrLesedauer: 4 MinutenHätte mit der Kappe auch „Zehn nackte Friseusen“ grölen können: Julian NagelsmannQuelle: Getty Images via AFP/ALEXANDER HASSENSTEINEins auf die Mütze: Seit dem „Wunder von Bern“ stattet Adidas die Nationalmannschaft aus. Damit ist nach der WM Schluss. Was so eine Scheidung modisch bewirkt, sieht man auf dem Kopf des Bundestrainers.Mehmet Scholl hat sich leider ein wenig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Dabei hätte er sicher eine interessante Einschätzung zum Auftritt des Bundestrainers Julian Nagelsmann im altehrwürdigen Soldier Field in Chicago, Illinois, beim letzten Test vor der WM gegen Gastgeber USA geben können. Bei Nagelsmanns Debüt als DFB-Hauptübungsleiter, ebenfalls gegen die USA in Hartford, Connecticut, im Oktober 2023, meinte er zu Nagelsmanns Outfit, einem offen über dem T-Shirt getragenen Holzfällerhemd in Blau-Braun: „Er sah aus, als hätte er mein Sofa erschossen.“Kommen wir damit zum aktuellen Corpus Delicti, jener Baseballkappe im DFB-Look, die Nagelsmann in Chicago an der Seitenlinie spazierenführte. Komplett weiß ist sie, an der Seite mit dem Namen des Ausrüsters versehen und nicht der Rede wert, wäre da nicht die glänzende schwarz-rot-goldene Flaggenparade, leicht hervorgehoben, auf der Frontseite der Kappe. Nagelsmann sah darin tatsächlich aus, wie ein Mega-Park-Aficionado auf dem Weg zum Vorglühen in die Schinkenstraße. In den sozialen Netzwerken wurde die „Malle“-Parallele haarscharf erkannt. Ein anderer User auf X fragte zudem interessiert: „Wie bekommt man Nagelsmanns Kappe? Rewe-Treuepunkte?“ Der Ton zum neuesten modischen Auftritt des Trainers war damit gesetzt. Es ist nicht das erste Mal, dass Julian Nagelsmann mit Kleidungsstücken Erstaunen bis Häme provoziert. Als junger Wilder, in seinen Anfängen als Cheftrainer bei Hoffenheim und RB Leipzig, trug er öfter mal gewagt gemusterte Anzüge oder farbige Chinos zu interessant gestreiften Hemden (bei Bayern schon weniger). Nagelsmann mischte Luxus mit Streetwear, Markensakkos mit Freizeithosen. Nicht immer geschmackssicher, aber oft mutig. Und wer wagt schon einmal etwas in der Fußballwelt? Besonders auf der Trainerbank dominieren stilistisch immer noch die Querpass-Tonis.Lesen Sie auchWeil Nagelsmann, je größer der Job wurde, immer öfter gefragt wurde, was er denn mit seinem Sakko, Pulli und Hemd der Fußballwelt diesmal der Welt sagen wolle, sind diese Momente seltener geworden. Der Mut ist weg. „Ich bin kein Model!“, Nagelsmanns Standardantwort. Rar wurden die Tage, an denen sich Zuschauer beim Anblick des „Bundes-Julian“ entgeistert an den Kopf fassten. Bis Sonntag. Und der konnte jetzt nicht mal groß etwas dafür. Nagelsmann ist Opfer. Mitgefangen. Wie seine Assistenten, wie die Spieler. Am besten haben es noch die, die auf der Bank sitzen. Sie tragen diese karnevalsbunten Aufwärm-Trikots, die einerseits ein Hingucker sind und für ein DFB-Team todesmutig sein könnten. Weil sie aber „nur“ Warm-up-Trikots sind und vom Muster her dann doch zu papageienhaft und chaotisch, sehen sie eben auch nach verpasster Chance aus, nach „Tata, tata, tata“-Schenkelklopfer und „Mainz, wie es singt und lacht“ (05-Fassenacht-Sondertrikot lässt grüßen).Lesen Sie auchDie Basecap des Grauens, mit der Nagelsmann verstörte, steht in ihrer cleanen Scheußlichkeit nicht nur sinnbildlich, sondern ganz direkt und humorlos für die Rache von Ausrüster Adidas am DFB. Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte der Verband verkündet, dass nach 72 Jahren Schluss ist mit der immer eisern wirkenden Ehe von DFB und dem Sportartikelriesen. Die Weltfirma aus Herzogenaurach hatte die Fußballnationalmannschaft ausgestattet, seit Firmengründer Adi Dassler bei der WM 1954 als Zeugwart mit Leibchen und einer Innovation (abschraubbare Stollen!) die Männer fürs „Wunder von Bern“ rüstete. Die Firma selbst soll im März 2024 vom verkündeten Wechsel des DFB zu Nike (ab 1.1. 2027) kalt erwischt worden sein. Sie konnte damals kaum reagieren. Die schönen, dezent modernen weißen Heimtrikots für die Heim-EM 2024, die stylischen rosa Auswärtstrikots und die sofort und seitdem ausverkauften, weil allerelegantesten schwarzen und dezent rot und goldenen Pre-Match-Trikots für die EM waren schon vorgestellt.Für die letzte WM aber muss sich das Sportartikelimperium Vergeltung geschworen haben, anders lässt sich die Plumpheit und Geschmacklosigkeit der Kollektion 2026 nicht erklären, die in Nagelsmanns „Malle ist nur einmal im Jahr“-Kappe kulminiert.Eine Scheidung ist immer hässlich, auch im Fußball. Wie hässlich, das zeigt die Team-Kollektion des Ausstatters für den DFB. Die Heimtrikots: eine viel zu dick aufgetragene Hommage an die erfolgreichen, aber modisch arg plumpen Trikots der „1990er“. Das Auswärtstrikot: ein Kinderschlafanzug, knuddelig, sicher, aber eben nicht mehr. Die Aufwärmshirts: in der Heimversion eine knapp, aber doch sicher verpasste Trikot-der-Herzen-Chance, in der Auswärtsvariante noch „Schlafi“-hafter als das Auswärtstrikot selbst (im selben Blau und Hellgrün). Die „Equipment“-Shirts schließlich als Alltagstrainingsvarianten sind – ob in grün oder weiß – von einer Grobschlächtigkeit, die an schlimmste Rumpelfußballzeiten erinnert. Vielleicht wäre es besser gewesen, Adidas hätte einfach, um Deutschland einzukleiden, als Vorlage das aktuelle Sofa von Mehmet Scholl erschossen. Wäre sicher auch nicht hässlicher geworden.
WM-Outfits: Julian Nagelsmanns „Malle“-Kappe ist die Rache von Adidas am DFB - WELT
Eins auf die Mütze: Seit dem „Wunder von Bern“ stattet Adidas die Nationalmannschaft aus. Damit ist nach der WM Schluss. Was so eine Scheidung modisch bewirkt, sieht man auf dem Kopf des Bundestrainers.








