München ist die sicherste Großstadt Deutschlands. In keiner Stadt mit mehr als 200 000 Einwohnerinnen und Einwohnern werden auf die Einwohnerzahl bezogen weniger Straftaten begangen als in der bayerischen Landeshauptstadt – in der auch im vergangenen Jahr die Zahl der Straftaten erneut zurückgegangen ist. Und dennoch haben viele Menschen – insbesondere an bestimmten Orten – das Gefühl, nicht sicher und geschützt unterwegs zu sein.In Parks, Unterführungen, engen Straßen. Und auch an Bahnhöfen. Diesem subjektiven Sicherheitsgefühl wollen die Behörden nun an Bayerns größtem Bahnhof mit einer neuen Maßnahme begegnen: mit vier Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Sicherheitsdienste, die gemeinsam auf Streife gehen.SZ Good News:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnierenMehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.Nebeneinander herlaufend nehmen die vier Kolleginnen und Kollegen der Münchner Polizei, der Bundespolizei, der DB Sicherheit – der ehemaligen Bahnschutzgesellschaft – sowie der Münchner U-Bahn-Wache an diesem Dienstagvormittag den halben Bahnsteig zwischen Gleis 10 und 11 am Holzkirchner Bahnhof ein. Und genau diese Präsenz soll die neu gegründete „Quattrostreife“ der vier Partner am Münchner Hauptbahnhof künftig auch ausstrahlen.München ist damit die erste Stadt in Bayern, in der das gemeinsame Streifenkonzept von Bundespolizei, Münchner Polizei, Deutscher Bahn und Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit der U-Bahn-Wache umgesetzt wird. Erfunden aber hätten sie dieses neue Konzept nicht, sagt Polizeivizepräsident Christian Huber bei der Vorstellung der neuen Quattrostreife am Hauptbahnhof. In Leipzig, Hamburg oder Bremen sind bereits seit Längerem ähnliche Streifen-Kombinationen an den Hauptbahnhöfen unterwegs.Dass die Menschen insbesondere am Münchner Hauptbahnhof, an dem täglich nahezu eine halbe Million Reisende ankommt oder abfährt, ein ganz besonderes Verlangen nach Sicherheit hätten, sei verständlich, sagt Huber. Allerdings, so der Polizeivizepräsident, sei der größte Fernverkehrsbahnhof Bayerns grundsätzlich „ein sicherer Ort“. „Aber es kommt leider auch hier zu Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“, sagt Huber. Die neue Quattrostreife werde, so Huber, „zu bestimmten Zeiten“ unterwegs sein, aber nicht 24 Stunden am Tag.Die Sicherheitskräfte am Hauptbahnhof sollen mit ihrer Präsenz das Sicherheitsgefühl der Reisenden erhöhen. Stephan RumpfGroßen Bahnhöfen und ihrem Umfeld haftet generell der Ruf an, etwas verruchte Ecken zu sein, an denen es nicht sicher ist. Auch das Münchner Bahnhofsviertel galt lange Zeit als Ort, an dem man sich vor allem nachts nicht aufhalten sollte. Doch auch dort ist laut Kriminalstatistik die Zahl der Straftaten in jüngerer Vergangenheit stark zurückgegangen.Steffen Quaas, Leiter der Bundespolizeiinspektion München, betont dementsprechend, dass der Münchner Hauptbahnhof „zu den am stärksten bestreiften Orten der Stadt“ gehöre. Soll heißen: Dort zeigen die Sicherheitskräfte besonders starke Präsenz. Dennoch hält Quaas die Entscheidung, künftig Vierer-Streifen durch den Hauptbahnhof zu schicken, für folgerichtig. „Die Menschen sollen sich im Bahnhof und seinem Umfeld jederzeit sicher fühlen“, sagt er. „Wir wollen die Sicherheit erlebbar machen und die subjektive Sicherheit erhöhen.“Rainer Cohrs, Geschäftsführer der Münchner U-Bahn-Wache, betont, dass auch über die neue Quattrostreife hinaus bereits viel in die Sicherheit am Hauptbahnhof investiert worden sei: etwa mit dem Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen. Dieses hatte die Deutsche Bahn zu Jahresbeginn gestartet und die Zahl der Sicherheits- und Reinigungskräfte an deutschen Großbahnhöfen erhöht. Am Münchner Hauptbahnhof sei zudem viel in die Videotechnik investiert worden, so Cohrs.Diese Aufrüstung aber konnte vor wenigen Wochen die chaotischen Szenen am Starnberger Flügelbahnhof nicht verhindern. Wegen der beengten Verhältnisse und eines erhöhten Fahrgastaufkommens am Flügelbahnhof durch die Sperrung der Stammstrecke kam es vor den Gleisen zu einem gefährlichen Gedränge. Die Bahn räumte im Nachhinein ein, dass die brenzlige Situation mit den Kameras zunächst nicht erkannt worden war – und ihr Sicherheitskonzept versagt hatte.Die neuen Quattrostreifen sollen nun helfen, den Menschen wieder ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Eine Ausweitung des Programms auf andere große Bahnhöfe – etwa den Ostbahnhof oder den Pasinger Bahnhof – sei derzeit aber nicht geplant, sagt Polizeivizepräsident Huber.