Digitalisierung wirkt: Seit in Frankfurt Bauanträge nur noch auf elektronischem Weg eingereicht werden können, ist die Bearbeitungszeit von durchschnittlich 71 auf 52 Kalendertage gesunken. „Wir hatten das nicht für möglich gehalten“, sagte Simone Zapke, die Leiterin der städtischen Bauaufsicht, bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Zum 1. April 2025 wurde in Frankfurt das Papierzeitalter in der Baubehörde beendet. Mittlerweile hat sich das digitale Verfahren eingespielt, in den ersten Monaten des Jahres 2026 ist die Bearbeitungszeit laut Zapke auf 48 Tage gesunken.„Es hat keine Pannen gegeben“, berichtete Zapke am Dienstag von den Erfahrungen mit dem Projekt, das ihrer Ansicht nach führend in ganz Deutschland ist. Frankfurt sei die einzige Stadt, in der Bauanträge gar nicht mehr auf Papier eingereicht werden können. Die Resonanz sei durchweg positiv. Bis zu fünf Arbeitstage spare man allein dadurch, weil die Baugenehmigung, die oft mehrere Aktenordner umfasst, nicht mehr ausgedruckt werden muss.Generell werden in Frankfurt wieder mehr Baugenehmigungen für neue Wohnungen erteilt. Seit 2021 waren die Zahlen kontinuierlich gesunken, bis auf den Tiefstand von 2266 genehmigten Wohnungen im Jahr 2024. Im vergangenen Jahr zeigte der Trend erstmals wieder nach oben. Es wurden 3180 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 40 Prozent. Der Höchststand von 2018 ist aber immer noch weit entfernt. „Wir sind deutlich besser als der Landes-Bundestrend“, sagte Marcus Gwechenberger (SPD), Dezernent für Planen und Wohnen. Mehr als 1000 genehmigte Wohnungen entstehen durch Umnutzungen, also in ehemaligen Bürogebäuden oder auf früheren Gewerbegrundstücken.Nicht so gut sieht es dagegen bei den Fertigstellungen aus. Nur 3772 neu errichtete Wohnungen konnten 2025 bezogen werden, etwa zehn Prozent weniger als 2024. Die niedrigen Genehmigungszahlen der vergangenen Jahre machen sich bemerkbar. Gwechenberger ist mit dem Ergebnis dennoch zufrieden, es liege im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. 500 geförderte Wohnungen seien 2025 neu gebaut worden.Zapke verweist darauf, dass der sogenannte Bauüberhang schrumpfe. Damit sind Projekte gemeint, die zwar genehmigt sind, die aber noch nicht begonnen wurden. Aus diesem Überhang, der sich Ende 2024 auf fast 11.000 Einheiten belief, seien mehr als 8000 Wohnungen mittlerweile im Bau. Bei 2600 weiteren könnten sofort die Bagger rollen.Eigentumswohnungen rechnen sich nichtDank der städtischen Förderprogramme lohne es sich weiterhin, in Frankfurt in den Wohnungsbau zu investieren, sagte Gwechenberger. Nur der Bau von Eigentumswohnungen rechne sich derzeit nicht. „Der Abverkauf läuft schleppend“, sagte Gwechenberger. Viele Investoren planten deshalb um und setzten auf Mietwohnungen. Zum Beispiel im Baugebiet Sandelmühle im Frankfurter Stadtteil Heddernheim. Dort baut der Projektentwickler Ten Brinke statt der ursprünglich geplanten Eigentumswohnungen 51 Mietwohnungen für die städtische ABG Holding. Es würden aber nicht nur öffentliche Unternehmen bauen, sondern auch private, sagt Gwechenberger und verweist auf große Neubaugebiete in Bockenheim und im Gallus.Insgesamt wurde 2025 eine Bausumme von 1,2 Milliarden Euro genehmigt, was der beste Wert seit 2019 ist. Auf den Wohnungsbau entfielen rund 30 Prozent aller Investitionen. Büros machten 16 Prozent aus, dicht gefolgt von Rechenzentren, die noch vor dem Flughafen Platz drei belegten. Sechs große Projekte wurden allein im vergangenen Jahr genehmigt. Zapke rechnet allerdings damit, dass demnächst die verfügbaren Flächenreserven aufgebraucht sein werden. Laut einem Konzept der Stadt dürfen Rechenzentren nur an bestimmten Standorten entstehen. Nach Ansicht Gwechenbergers hat sich dieses Konzept bewährt. „Die Genehmigungsverfahren laufen problemlos.“Zapke will die Digitalisierung künftig weiter vorantreiben, zeigt sich offen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Genehmigungsverfahren. Sie nennt aber auch Beispiele für die Grenzen des technischen Fortschritts. So scheitere die Einführung digitaler Verfahren an ungeklärten Zuständigkeiten oder schlicht am Unwillen von Behörden. So beteilige sich das Fernstraßen-Bundesamt als einzige Fachstelle, die Stellungnahmen abgibt, bisher nicht am digitalen Bauantrag. Die dortigen Mitarbeiter wollten sich nicht so viele Passwörter merken müssen, schilderte Zapke die Begründung.
Frankfurt: Baugenehmigungen gibt es nur noch digital
In Frankfurt werden wieder mehr Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt. Anträge werden schneller bearbeitet als bisher.






