„Wenn kein Wunder geschieht, werden die Zwanzigerjahre halten, was ihr unheilvoller Beginn verhieß: Sie werden ein verlorenes Jahrzehnt sein – nicht nur für ein paar Ausreißer, sondern für Dutzende Entwicklungsländer.“ Mit diesen Worten beginnt die Weltbank ihren Global-Economic-Prospects-Bericht, den sie am Dienstag veröffentlichte. Fast jedes zweite Entwicklungsland hat demnach bislang das Ziel verfehlt, in den 2020er-Jahren den Einkommensabstand zu den wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt zu verringern.Die Weltbankökonomen schreiben weiter, dass das globale Wachstum in diesem Jahr auf den schwächsten Stand seit fast 20 Jahren fallen werde, wenn man Rezessionen ausklammert: Das erwartete Wachstumsplus beträgt 2,5 Prozent nach 2,9 Prozent im Vorjahr. Nach Kalkulation der Weltbank wird Ende 2026 ein Viertel der Entwicklungsländer ärmer sein als 2019, am Vorabend der Corona-Krise. Dasselbe gelte für ein Drittel der Niedrigeinkommensländer und für die Hälfte der fragilen und von Konflikten betroffenen Volkswirtschaften. Eine seltene Häufung von Krisen spielt dabei nach Einschätzung der Weltbank die zentrale Rolle.Gemäß dem Bericht hat die Schließung der Straße von Hormus die Energiemärkte schwer erschüttert. Der Preis für Brent-Rohöl dürfte 2026 im Schnitt 94 Dollar je Barrel erreichen, das sind 36 Prozent mehr als 2025. Voraussetzung ist, dass die schlimmsten Störungen im Juli abklingen. Auch Düngemittel dürften sich in diesem Jahr deutlich verteuern, mit Folgen für die Lebensmittelpreise. Zusammen treiben diese Belastungen die globale Inflation nach oben: Sie dürfte in diesem Jahr auf 4,0 Prozent steigen, nach 3,3 Prozent im Jahr 2025.Ohne Auslandshilfe droht Hunger in 19 LändernVon den 24 ärmsten Volkswirtschaften sind 19 auf Lebensmittelhilfe aus dem Ausland angewiesen. „Doch selten war die Welt so wenig spendabel wie heute“, heißt es in dem Bericht. Zugleich sei die Staatsverschuldung in den Entwicklungsländern auf Rekordhöhen gestiegen. Die Hoffnungen, dass private Investitionen die Länder aufschließen lassen, haben sich ebenfalls nicht erfüllt: Ihr Wachstum hat sich in den 2020er-Jahren gegenüber den 2010er-Jahren mehr als halbiert.Die Lage ist gleichwohl nicht hoffnungslos, schreibt Weltbank-Chefökonom Indermit Gill, vorausgesetzt, dass die armen Länder die Chancen nutzten, die in Künstlicher Intelligenz, im regionalen Handel und im Ausbau erneuerbarer Energie stecken.Wegen des Konflikts im Nahen Osten stellt die Weltbank sofort 50 Milliarden bis 60 Milliarden Dollar bereit, davon 25 Milliarden Dollar aus schon vorbereiteten Finanzierungszusagen. Das Geld soll Sozialprogramme für die Schwächsten stützen, Staatshaushalte entlasten und Unternehmen sowie Bauernhöfen Liquidität verschaffen. Dauern Krieg und wirtschaftliche Folgen an, kann die Weltbank ihre Unterstützung binnen 15 Monaten auf bis zu 100 Milliarden Dollar erhöhen.
Weltbank warnt: Verlorenes Jahrzehnt für arme Länder
Die Weltbank warnt, dass die Häufung der globalen Krisen arme Länder aus der Bahn werfe. Doch etwas Hoffnung gibt es auch.







