Startseite
Finanzen
Märkte
Vermögensverwalter: „Wer in der Mitte feststeckt, hat ein Problem“ Vorstandschef Richard Oldfield erklärt im Interview, warum er die Fondsgesellschaft Schroders an den US-Konkurrenten Nuveen verkauft – und liefert dabei eine Diagnose für die gesamte Branche.
Michael Maisch 09.06.2026 - 18:54 Uhr Artikel anhörenSchroders: Übernahmewelle bei Vermögensverwaltern. Foto: REUTERSFrankfurt. Europas Vermögensverwalter stehen unter akutem Konsolidierungsdruck. Richard Oldfield, der Chef des Traditionshauses Schroders, hat eine Antwort auf dieses Problem, die weit über sein Unternehmen hinausreicht. Schroders besteht seit über 200 Jahren, ist familiengeprägt, global aktiv – und wird jetzt für 9,9 Milliarden Pfund an den US-Konkurrenten Nuveen verkauft.Der Schroders-Chef begründet den aufsehenerregenden Deal nicht mit dem Streben nach Größe und auch nicht mit dem Kostendruck: „Jede Übernahme muss drei Kriterien erfüllen, sie muss Vorteile für die Kunden bringen, für die Mitarbeiter und für die Aktionäre.“ Die Transaktion bedeute für Schroders mehr, „als von einer Billion Dollar auf 2,5 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen zu kommen, es geht um neue Fähigkeiten und den Zugang zu Märkten.“Aber Oldfield weiß auch, dass sich viele europäische Asset-Manager in einer ungemütlichen Situation befinden. Der Schroders-Chef sieht gute Chancen für große Anbieter mit einer globalen Plattform und für Nischenplayer, die auf bestimmte Produkte oder Regionen spezialisiert sind. „Wer aber in der Mitte feststeckt, muss sich ernsthaft fragen, was er für Kunden erreichen will – und ob er das bei sinkenden Margen nachhaltig finanzieren kann.“Mittelgroße Vermögensverwalter wie die vor rund 220 Jahren vom Hamburger Kaufmannssohn Johann Heinrich Schröder gegründete Londoner Firma stehen wegen des Preiswettbewerbs bei den Managementgebühren seit geraumer Zeit unter Konsolidierungsdruck. Die Marktführer wie Blackrock oder Vanguard können ihre Kosten über wesentlich mehr verwaltetes Vermögen verteilen, und kleinere Spezialanbieter können für ihre Produkte höhere Gebühren verlangen.Vermögen nimmt zu, Margen nehmen abEine Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey aus dem vergangenen Jahr zeigt, wo die Probleme liegen: Europas Fondsbranche verwaltet so viel Kapital wie nie – und verdient dabei aber deutlich weniger als in früheren Zeiten. Nach einem empfindlichen Einbruch 2022 nahm das verwaltete Vermögen ab 2023 wieder zu und erreichte 2024 den neuen Rekordwert von 28 Billionen Euro. Die operativen Gewinne lagen mit 26 Milliarden Euro allerdings 20 Prozent unter dem Höchstwert von 2021.Schroders-Vorstandschef Richard Oldfield: „Um zu skalieren, brauchen wir mehr Fähigkeiten und eine breitere Plattform.“ Foto: BloombergVor diesem Hintergrund läuft die Konsolidierung in der Branche langsam an. Im vergangenen Sommer hat die französische Großbank BNP Paribas die Übernahme der Fondssparte des Versicherers Axa abgeschlossen. Zudem hatten der italienische Versicherer Generali und die französische Natixis ein Gemeinschaftsunternehmen für ihre Asset-Management-Sparten geplant, das auf ein verwaltetes Vermögen von 1,9 Billionen Euro gekommen wäre. Das Projekt scheiterte allerdings am Widerstand einiger Großaktionäre der Italiener.Nun wollen Nuveen und Schroders den Zusammenschluss wagen. Schroders-Chef Oldfield versucht sich dabei von einer Debatte abzugrenzen, die in der Branche kursiert – dem sogenannten „Two Trillion Club“, der Vorstellung, dass man mindestens zwei Billionen Dollar verwalten müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Größe um der Größe willen bringt nichts“, argumentiert der Schroders-Chef. Es gehe um die richtigen Produkte und den Zugang zu den wichtigen Märkten – und dabei stehen vor allem die USA im Mittelpunkt.Die USA machen etwa die Hälfte des weltweiten Asset-Management-Marktes aus. „Wer hier keinen guten Zugang hat, muss extrem hart kämpfen, um in dem, was übrig bleibt, Marktanteile zu gewinnen“, sagt Oldfield. Nuveen, die Tochter des amerikanischen Pensionsfonds TIAA, liefert genau diesen Zugang. Die Teachers Insurance and Annuity Association wurde 1918 gegründet, um amerikanischen Lehrkräften und Akademikern eine sichere Altersvorsorge zu garantieren.US-Anbieter dominieren den MarktFür Craig Coben von der Beratung Seda Experts erkennen immer mehr Vermögensverwalter, dass sich durch Fusionen und Übernahmen erhebliche Synergien erzielen lassen. Angesichts der schieren Größe des US-Markts sei es nicht überraschend, dass viele der Käufer aus den Vereinigten Staaten kämen. Der Kreis der Asset-Manager, die auf ein verwaltetes Vermögen von mehr als zwei Billionen Dollar kommen, wird eindeutig von US-Firmen dominiert. In Europa stoßen nur die Allianz und Amundi in diesen Bereich vor. Die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, kam Ende 2025 auf umgerechnet 1,3 Billionen Dollar.Das zweite Argument für den Verkauf von Schroders an Nuveen ist nicht geografischer, sondern struktureller Natur. Es geht um das boomende Geschäft an den Private Markets, das sind Anlagen abseits der öffentlichen Kapitalmärkte, zum Beispiel in Unternehmensbeteiligungen oder Kredite.Schroders verfügt bereits über eine Private-Markets-Plattform, die 100 Milliarden Dollar verwaltet. „Um zu skalieren, brauchen wir mehr Fähigkeiten und eine breitere Plattform“, argumentiert Oldfield. Der Datenanbieter Prequin schätzt in seinem Report „Private Markets 2030“, dass das Volumen solcher alternativen Anlagen von rund 20 Billionen Dollar 2025 bis 2030 auf 32 Billionen Dollar wachsen soll. Verwandte Themen USAAxaDeutsche BankEuropaGröße zählt im Asset-ManagementAber auch Oldfield räumt ein, dass Größe in der Praxis sehr wohl zählt: „Größe bedeutet: Wie erreicht man ausreichende Renditen, um wieder in das eigene Unternehmen investieren zu können, zum Beispiel in Künstliche Intelligenz, Technologie und das Training der Mitarbeiter?“Größe spielt auch noch in einem anderen Zusammenhang eine wichtige Rolle: „Sehr viele Kunden schränken die Zahl der Asset-Manager, mit denen sie zusammenarbeiten, stark ein, das ist ein klarer Trend, weltweit.“ Deshalb werde es für die Fondsgesellschaften immer wichtiger, ein möglichst breites Sortiment an Investmentlösungen im Angebot zu haben, um für diese Kunden relevant zu bleiben, sagt der Schroders-Chef.Besonders wichtig ist Oldfield, dass es beim Verkauf an Nuveen nicht um Einsparungen geht: „Im Unterschied zu den meisten Transaktionen im Asset-Management wird dieser Deal überhaupt nicht durch Kosten getrieben.“ Das wirtschaftliche Kalkül für die Übernahme beruhe ausschließlich auf Ertragssynergien. Alles andere mache auch keinen Sinn: „Ein Deal, der auf Kosteneinsparungen basiert, ist, wie zwei Räder von einem Auto abzumontieren – es wird dadurch kaum schneller werden.“ Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt







