„Was wir jetzt haben, ist eine angespannte Phase kompetitiver Aufrüstung und Modernisierung.“ Ian Davis, Executive Editor des Sipri-Jahrbuchs, findet klare Worte gegenüber der Berliner Zeitung. Sein Institut, das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri), hat am Montag sein 57. Jahrbuch veröffentlicht. Die Botschaft dahinter ist düster.
Den entscheidenden Grund für die Entwicklung nennt Davis klar: den Zerfall der bilateralen Rüstungskontrollabkommen und den Übergang in eine komplexe, multipolare nukleare Weltordnung. Über 50 Jahre lang seien die globalen Abrüstungsbemühungen durch einen rechtlichen Rahmen verankert gewesen, den vor allem die USA und Russland gemeinsam verwalteten. „Der Kollaps dieser Struktur hat grundlegend verändert, wie Atommächte ihre Arsenale führen“, so Davis gegenüber der Berliner Zeitung. Das Ergebnis sei ein erneutes globales Wettrüsten.
Kein Vertrag, der bremst
Einen komplett unkontrollierten Rüstungswettlauf wie in den 1960er-Jahren gebe es bislang dennoch nicht, schränkt Davis ein. Was ihn bremse, seien keine Verträge, sondern wirtschaftliche Realitäten und industrielle Engpässe. Weder die USA noch Russland verfügten über die Infrastruktur, um rasch Hunderte neuer strategischer Raketen oder Sprengköpfe zu produzieren. Die Modernisierung einer nuklearen Triade sei außerordentlich teuer. Hinzu komme der fortbestehende normative Druck durch den Nichtverbreitungsvertrag. „Was wir jetzt haben, ist eine angespannte Phase kompetitiver Aufrüstung und Modernisierung“, so Davis.












