Die deutschen Partner der internationalen Großkanzlei Baker McKenzie haben zum Juli eine prominente Anwältin ins Management gewählt. Anahita Thoms, 45 Jahre alt und Partnerin im Berliner Büro, übernimmt dann als neue Deutschlandchefin die Verantwortung. Die Expertin für Außenwirtschaftsrecht ist hierzulande eine der bekanntesten Juristinnen und international bestens vernetzt. Sie übernimmt das Amt vom Arbeitsrechtler Alexander Wolff, der Baker drei Jahre lang führte.Thoms gibt dafür den Vorsitz im Beirat der Kanzlei und die Leitung der Fachgruppe Commercial auf. Die Leitung des von ihr ab dem Jahr 2017 aufgebauten Bereichs International Trade wird sie jedoch behalten. Thoms war in dem Jahr von Freshfields zu Baker gewechselt und genoss schon damals einen sehr guten Ruf im Markt.Die künftige Deutschlandchefin bedankte sich für das Vertrauen der Partnerschaft und machte deutlich, wo sie persönliche Schwerpunkte setzen will. „Wir erleben eine Zeit, in der sich geopolitische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Realitäten und technologische Entwicklungen gleichzeitig und tiefgreifend verändern. Gerade jetzt kommt es darauf an, Orientierung zu geben – durch klare Haltung, fundierte Beratung und echte Nähe zu Mandanten und Teams“, wird Thoms in einer Mitteilung der Kanzlei zitiert.Aufbauend auf der globalen Präsenz von Baker, verbunden mit der tiefen lokalen Verankerung der Büros, will die neue Managing Partnerin den Wandel aktiv mitgestalten. Auf Thoms’ Vorschlag hin wurde der Münchner Partner Nicolai Behr für die kommenden drei Jahre ebenfalls in das Führungsgremium gewählt. Dort soll er die Themen Innovation und Compliance verantworten.Dax-Konzern, Davos und DiplomatieDie Anwältin mit iranischen Wurzeln ist zudem in zahlreichen Gremien und Organisationen aktiv. Als Vorsitzende leitet sie den Nachhaltigkeitsbeirat von Fresenius, ist Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke, Mitglied des Global Future Council des Weltwirtschaftsforums und im Nationalen Komitee von UNICEF tätig. Sie ist mit dem Diplomaten Heiko Thoms verheiratet, der nach Jahren als deutscher Botschafter in Brasilien nun in der gleichen Funktion in der Ukraine tätig ist.Führungspositionen in großen Kanzleien sind nach wie vor männerdominiert. Dieses Prinzip hat Baker jedoch schon mehrfach durchbrochen. Die frühere Partnerin Constanze Ulmer-Eilfort war von 2012 bis 2017 für die Leitung der deutschen und österreichischen Büros verantwortlich und saß danach mehrere Jahre im globalen Führungszirkel der Kanzlei. Und zwischen 1999 und 2004 stand eine äußerst prominente Anwältin aus Frankreich an der Spitze: Christine Lagarde, später Chefin des IWF und heute Präsidentin der Europäischen Zentralbank.Weltweiter Umsatz in MilliardenhöheBaker gehört mit Tausenden von Anwälten an mehr als 70 Standorten zu den global größten Wirtschaftskanzleien. Das Geschäftsjahr endet jeweils am 30. Juni. Laut den jüngsten Geschäftszahlen für 2024/25 kam Baker auf einen weltweiten Umsatz von 3,4 Milliarden Dollar, damit zählt die Sozietät zum Kreis der global 15 umsatzstärksten Kanzleien. Für Deutschland weist Baker keine eigenen Zahlen aus. Im vergangenen Herbst berichtete der Branchendienst Juve von einem Jahresumsatz der deutschen Büros von 206,5 Millionen Euro. Demnach erwirtschaftete jeder der rund 200 deutschen Anwälte etwas mehr als eine Million Euro im Jahr.Unter den globalen Kanzleien gehört Baker seit 2004 zudem zu den Pionieren, die als Dachorganisation einen sogenannten Schweizer Verein nutzen. Damit können die Mitgliedskanzleien Bereiche wie Strategie, Marketing und IT zentral regeln, während die Buchhaltungs- und Vergütungssysteme auf Länderebene oder in einer Wirtschaftsregion verbleiben. An dieser Struktur hält Baker weiter fest, im vergangenen Jahr beschlossen die Partner der Kanzlei einen Umbau, mit dem eine stärkere finanzielle Integration der Standorte in Europa, im Nahen Osten, in Asien-Pazifik und in den USA erreicht werden soll.