Abschalten, dem Alltag entfliehen und unbeschwert verreisen – für viele homosexuelle Menschen ist dies keine Selbstverständlichkeit. Einer Umfrage der Plattform Booking.com zufolge haben sechs von zehn queeren Reisenden bereits Diskriminierung erlebt – ebenso viele prüfen vor der Buchung, wie sicher ein Land mit Blick auf ihre sexuelle Orientierung oder Identität ist. Orientierung bietet der Spartacus Gay Travel Index. Er informiert über die Lage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans, intersexuellen, asexuellen und queeren Menschen (LGBTQIA+) in 216 Ländern und Regionen.Die unsichersten Reiseziele für LGBTQIA+-ReisendeLaut dem Gay Travel Index ist Jemen – kein wirklich klassisches Urlaubsland – das unsicherste Land für queere Menschen. Zu den Schlusslichtern zählen zudem Iran, Afghanistan, Tschetschenien und Saudi-Arabien. In zahlreichen Staaten steht Homosexualität weiterhin unter Strafe – teils mit langjährigen Haftstrafen, in einigen Fällen sogar mit Todesstrafe. Besonders betroffen seien Länder oder Regionen, in denen Elemente des islamischen Schariarechts gesetzlich verankert sind – etwa in Aceh (Indonesien), Pakistan, Libyen oder Nigeria.Nach Angaben von Amnesty International wurden 2022 in mehreren afrikanischen Staaten Gesetze eingebracht oder verabschiedet, die LGBTI+-Personen diskriminieren und Feindseligkeit schüren. In Ghana (Platz 168) sind LGBTI+ bereits jetzt zahlreichen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. In Senegal (Platz 195) hat das Parlament die Höchststrafe für gleichgeschlechtliche Beziehungen jüngst verdoppelt. Der im März dieses Jahres beschlossene Entwurf sieht für „widernatürliche Handlungen“ Haftstrafen von fünf bis zehn Jahren vor – bislang waren es ein bis fünf Jahre. In mindestens 32 der 54 Staaten des Kontinents sind gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten und werden strafrechtlich verfolgt. In Uganda, Mauretanien und Somalia kann bei entsprechenden „Vergehen“ sogar die Todesstrafe verhängt werden.Diese Länder sind am sicherstenIsland ist für homosexuelle Menschen das sicherste und queerfreundlichste Reiseland, gefolgt von Malta und Spanien. Diese Staaten verfügen unter anderem über umfassende Antidiskriminierungsgesetze, weitreichende Rechte für transgeschlechtliche Personen, die Ehe für alle sowie das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Entsprechend stuft der Spartacus Gay Travel Index sie als besonders sichere Ziele für queere Reisende ein.Menschen nehmen an der Pride-Parade zur Unterstützung der LGBTQIA+-Rechte in Valletta, Malta, am 13. September 2025 teil.ReutersDeutschland auf Platz vierEinen bemerkenswerten Sprung verzeichnet Polen: von Rang 118 auf Rang 59. Ausschlaggebend seien politische Reformen, gestärkte Rechte für transgeschlechtliche Menschen und ein gewachsenes gesellschaftliches Bewusstsein. Human Rights Watch berichtet, dass 2025 in Polen die letzte verbliebene „LGBT-ideologiefreie Zone“ abgeschafft wurde – und damit mehr als fünf Jahre politischer Angriffe auf lesbische, schwule, bisexuelle und trans Personen ein Ende fanden. Zwischen 2019 und 2024, während die rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) regierte, erklärten Provinzen, Städte und Gemeinden in ganz Polen Gebiete zu „LGBT-ideologiefreien Zonen“ und legitimierten damit die Diskriminierung und Ausgrenzung von LGBT-Personen.Auch Nepal legt zu und kletterte dank einer neuen Self-ID-Regelung für Transpersonen von Rang 53 auf Rang 32. Mit dem Gesetz können trans, intergeschlechtliche und nichtbinäre Personen ihren Geschlechtseintrag und ihre Vornamen ändern lassen.Im gesamten Ranking sind es vor allem europäische Länder und solche in Lateinamerika, die homosexuelle Reisende besonders willkommen heißen. Weitere Länder, die im Ranking weit oben stehen, sind:NeuseelandNorwegenSchweizChileFrankreichUruguayÖsterreichKolumbienKubaLage innerhalb der USA unterscheidet sich starkLaut dem Gay Travel Index verschärft sich seit 15 Jahren in den Vereinigten Staaten ein Kulturkampf um gesellschaftliche Liberalität. Was mit Anti-Trans-Gesetzen und Kampagnen begann, steigerte sich unter der ersten Trump-Regierung zu weitreichender Zensur. In immer mehr, überwiegend republikanisch regierten Bundesstaaten ist es Schulen untersagt, über sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu unterrichten oder auch nur zu sprechen.Im diesjährigen Gay Travel Index liegen die USA auf Platz 47. Da sich die Lage in den 50 Bundesstaaten stark unterscheidet, gibt es seit 2020 einen eigenen Index für die Vereinigten Staaten.Als die sichersten Bundesstaaten gelten in diesem Jahr New York, Kalifornien, Nevada und Washington. New York ist das historische Zentrum der LGBTQ+-Bewegung. Am 28. Juni 1969 lehnten sich queere Menschen gegen einen Polizeieinsatz in der Schwulenbar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street im Stadtteil Greenwich Village auf. Der über mehrere Tage dauernde Aufstand gilt als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung. Die Pride-Parade in der Stadt ist eines der größten und bekanntesten Pride-Events der Welt; auch die kulturelle Szene ist für ihre Offenheit und Vielfalt bekannt. Zudem positioniert sich der sozialistische Bürgermeister New Yorks, Zohran Mamdani, als starker Befürworter von LGBTQ+-Rechten.Im August 1970 griffen NYPD-Beamte während eines „Gay Power“-Marsches in Greenwich Village, New York, Demonstranten an.APZu den unsichersten Bundesstaaten zählen Mississippi, South Carolina, West Virginia und Arkansas. Am schlechtesten schneiden im Ranking Oklahoma und Tennessee ab. Beide Bundesstaaten werden von Republikanern regiert. Die BBC berichtete, dass der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr ein Gesetz aus Tennessee bestätigte, das geschlechtsangleichende Behandlungen für Minderjährige untersagt. Im Februar dieses Jahres brachten republikanische Abgeordnete fünf weitere Gesetzesvorhaben auf den Weg, die die Rechte queerer Menschen in Tennessee weiter einschränken – darunter Vorstöße, die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen zu verweigern.Das Auswärtige Amt gibt folgende HinweiseEinige Länder beschneiden die Einreise von HIV-positiven Personen sowie von LGBTIQ-Personen. Das Auswärtige Amt empfiehlt, sich vor der Reise über Einreisebestimmungen, Sicherheitslage und die rechtliche Situation im Zielstaat zu informieren. Onlinekarten der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) und von ILGA Europe böten einen guten Überblick. Reisedokumente sollten aktuell sein, denn insbesondere für trans Personen kann es bei abweichenden Angaben im Reisepass zu Schwierigkeiten kommen. Zudem sollten Kopien wichtiger Unterlagen mitgeführt werden – insbesondere bei Reisen mit minderjährigen Kindern.Vor Ort gelten die Gesetze des Reiselandes. In einigen Ländern können gleichgeschlechtliche Beziehungen, öffentliche Zuneigung oder LGBTIQ-Symbole wie die Regenbogenflagge strafbar sein. Im Umgang mit der lokalen Bevölkerung ist daher Zurückhaltung geboten; im Zweifel empfiehlt sich ein diskretes Verhalten.Auch online ist Vorsicht angebracht: Dating-Apps und Treffpunkte werden in einigen Ländern überwacht. Getränke und Speisen sollten nicht unbeaufsichtigt gelassen werden, und auf die persönliche Sicherheit ist zu achten. Safer Sex wird empfohlen, da das Risiko sexuell übertragbarer Infektionen je nach Reiseland erhöht sein kann.
Für Homosexuelle ist Urlaub in diesen Ländern gefährlich: Pride Month und Gay Travel Index 2026
Der Gay Travel Index vergleicht über 200 Länder und zeigt, wo homosexuelle Menschen 2026 sorgenfrei Urlaub machen können – und wo nicht. In manchen Ländern droht die Todesstrafe.









