Türkische Serien sind überall auf der Welt erfolgreich. Sie erreichen mehr als 700 Millionen Zuschauer in gut 170 Ländern. Dank des Fernsehens und der Streamingplattformen seien sie einem größeren Publikum zugänglich, sagt Hüseyin Sıtkı und fügt an: „Das Kino hingegen bringt Menschen über gemeinsame Geschichten viel intensiver zusammen.“ Sıtkı ist Leiter des Türkischen Filmfestivals Frankfurt, das er in diesem Jahr schon zum 26. Mal organisiert.Seitdem das Festival als kleine Initiative im Jahr 2000 begonnen hat, ist es sein Ziel, den türkischen Film bekannter zu machen. „Trotz der politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten steht das türkische Kino im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Italien oder Deutschland gut da“, findet Sıtkı.Zur Gala am 13. Juni im Cinestar Metropolis wird außer Stars aus der Türkei wie Vahide Perçin und Erdal Özyağcılar auch Sibel Kekilli erwartet. Sie hatte mit dem Film „Gegen die Wand“ von Regisseur Fatih Akın ihren großen Durchbruch und ist bereits in Istanbul vom Türkischen Filmfestival Frankfurt mit dem Ehrenpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Die Jury des Festivals vergibt am Gala-Abend sieben weitere Preise.Kooperation mit dem Deutschen Filmmuseum24 türkische und zwölf deutsch-türkische Spielfilme, 13 Dokumentarfilme und 20 Kurzfilme aus der Türkei und Deutschland werden dieses Jahr gezeigt. Dazu gibt es zahlreiche Workshops, Panels, Konzerte und eine Ausstellung mit dem Titel „Der Blick der Kunst auf Diskriminierung“. „Kino schafft Verständnis, wo manchmal Sprache an ihre Grenzen stößt“, sagt Sıtkı. Migration, Identität und gesellschaftlicher Wandel stehen im Mittelpunkt des Programms. Angesichts der schwierigen Weltlage seien Orte des Dialogs, wie das Kino, nötiger denn je, findet der Festivalleiter.Festivalleiter: Hüseyin SıtkıMichael BraunschädelIn Frankfurt werden die Filme in den Kinos Cinestar Metropolis, im Filmforum Höchst, im Eldorado Filmtheater sowie im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum gezeigt. Mit dem Filmmuseum besteht eine besondere Kooperation: Sıtkı war in der vergangenen Wahlperiode SPD-Stadtverordneter in Frankfurt. In dieser Funktion brachte er einen Antrag ein, der bewilligt wurde und im Filmmuseum den Aufbau eines neuen Archivs ermöglicht – mit Filmen, die sich mit dem Thema Migration beschäftigen. Im Rahmen der Kooperation werden fünf deutsch-türkische Filme aus den Siebziger- und Achtzigerjahren gezeigt.Schritt für Schritt hat Sıtkı das Festival und seine Aktivitäten vergrößert. Mittlerweile umfassen sie die gesamte Rhein-Main-Region. Filme werden in Offenbach, Wiesbaden, Langen, Hofheim und Ober-Ramstadt gezeigt, erstmals auch im Autokino Gravenbruch. Fester Bestandteil sind zudem Vorführungen in einer Schule, im Pflegeheim und im Gefängnis. „Ich bin überzeugt davon, dass das Festival auch eine soziale Verantwortung trägt“, sagt Sıtkı. Er wolle Menschen, die nur beschränkten Zugang zum Kino hätten, diesen erleichtern. Zudem glaube er fest an die verbindende Kraft der Kunst.Eröffnet wird das Festival mit dem Drama „Schau, der Postbote kommt“ am 13. Juni nach der Gala. Der Film handelt von dem ehrlichen Postboten Osman, der in den Fünfzigerjahren in einer kleinen Stadt an der Ägäis lebt. Er liebt Gülizar, die unerreichbar für ihn scheint. Trotzdem versucht er alles, um sie für sich zu gewinnen.Sıtkı hofft, dass dieses Mal noch mehr Besucher kommen als im vergangenen Jahr; damals waren es 4000. Das Festival findet vom 12. bis 19. Juni. Das gesamte Programm und Tickets gibt es unter turkfilmfestival.de.