Zum letzten Mal betrat Apple-Chef Tim Cook am Montag die Bühne der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC. Wie jedes Jahr präsentierte Apple dort seine wichtigsten Neuheiten, dieses Mal ging es vor allem um künstliche Intelligenz, neue Softwarefunktionen und die Zukunft von Siri. Und die Veranstaltung endete wie so oft in der Ära Cook: Falsch gemacht hatte der CEO auf der Bühne nichts, wirkliche Begeisterung aber konnte er auch nicht entfachen.Doch wer daraus ableiten sollte, dass Cooks im September anstehender Abgang von der Konzernspitze keine größere Bedeutung haben wird, könnte einem Trugschluss aufsitzen. Das einzigartige Charisma seines Vorgängers Steve Jobs konnte Cook zwar nie erreichen – seine Bedeutung für die Entwicklung des Konzerns dürfte sich aber in vergleichbaren Dimensionen bewegen.Chefwechsel bei Apple Der große Diplomat tritt ab Der Apple-CEO Tim Cook hat das visionärste Unternehmen der Welt fast unverwundbar gemacht – und das ganz ohne „one more thing“. von Matthias HohenseeMit dem Unternehmen verbunden ist der heutige CEO schon länger. Cook kam 1998 zu Apple und machte sich dort zunächst als Spezialist für Produktion und Lieferketten einen Namen. Als Chief Operating Officer galt er später als engster operativer Vertrauter von Steve Jobs und führte Apple mehrfach übergangsweise, bevor er 2011 offiziell Jobs’ Nachfolge übernahm.Trotzdem, oder gerade deswegen, begegneten viele Investoren dem langjährigen Leiter des operativen Geschäfts mit Skepsis. Cook galt als effizient im Management globaler Produktionsabläufe, aber nicht als Produktvisionär wie Jobs. Die Sorge war groß, dass Apple ohne seinen Mitgründer den kreativen Vorsprung verlieren und sich langfristig zu einem gewöhnlichen Hardwarekonzern entwickeln könnte.Rund anderthalb Jahrzehnte später fällt die Bilanz anders aus: Cook hat den Konzern zu einzigartigem Erfolg geführt – und von Grund auf verwandelt. Das illustrieren fünf Grafiken über Apple in der Ära Cook.1. Investors Liebling Apple: Cooks Einfluss auf den BörsenwertSchon vor Cook war Apple eines der bekanntesten Technologieunternehmen der Welt. Unter seiner Führung erreichte der Konzern jedoch eine neue Größenordnung.Als Cook 2011 die Führung übernahm, lag Apples Börsenwert bei rund 350 Milliarden Dollar. Auch damals gehörte der Konzern zu den weltweit wertvollsten Unternehmen. Mittlerweile ist Apple mehr als 4,5 Billionen Dollar wert. Unter Cook war es jeweils das erste Unternehmen, das die Schwellen von einer, zwei, drei und schließlich vier Billionen Dollar Börsenwert überschritt.2. Wachstum ohne Pause: Apples globale Expansion unter CookApple profitierte zunächst davon, dass das Smartphone in den 2010er-Jahren zum Alltagsprodukt wurde. In vielen Ländern kauften Verbraucher erstmals internetfähige Mobiltelefone. Das Smartphone ersetzte zunehmend Kamera, Musikplayer und Computer. Besonders in China entwickelte sich Apple in dieser Zeit zu einer der beliebtesten Premiummarken.Cook spielte bei der Expansion eine zentrale Rolle. Schon vor seiner Zeit als CEO hatte er große Teile von Apples Produktion nach Asien verlagert und enge Beziehungen zu Zulieferern in China aufgebaut. Unter seiner Führung weitete Apple seine Präsenz dort aus, sowohl über die Produktion als auch im Verkauf. China entwickelte sich dadurch zum wichtigsten Produktionsstandort des Konzerns und trägt heute rund 15 Prozent zum Umsatz bei.3. Apple Stores: die Kathedralen des technologischen FortschrittsDer Konzern eröffnete zudem in der Ära Cook zahlreiche neue Geschäfte, nicht nur in Metropolen wie Shanghai, Peking oder Hongkong, sondern weltweit. Unter Cook stieg die Zahl der Apple Stores von rund 350 im Jahr 2011 auf inzwischen 540.Die Stores sind für Apple weit mehr als reine Verkaufsflächen. Sie unterstützten die Premiumpositionierung des Konzerns, machten Apple weltweit sichtbar und halfen, neue Kundengruppen anzusprechen. Die auffällige Architektur und das Einkaufserlebnis wurden Teil der Marke.Für Cook passte das perfekt zur Strategie des Konzerns: Apple sollte nicht nur Geräte verkaufen, sondern ein Erlebnis schaffen.4. Apple Music, Apple Pay, Apple TV: Vom Smartphone zur digitalen PlattformTrotz des Wachstums hing Apples Geschäft lange von den Verkaufszyklen des iPhones ab. Besonders starke Verkaufszahlen erzielte der Konzern meist rund um die Vorstellung neuer Produkte im Herbst. Mit der Zeit schwächte sich der Zyklus jedoch ab. In vielen Industrieländern besitzen die meisten Verbraucher längst ein Smartphone. Gleichzeitig sind die Geräte leistungsfähiger geworden und halten länger. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Generationen fallen kleiner aus. All das führt dazu, dass viele Nutzer ihre iPhones von Generation zu Generation länger behalten.US-Konzern unter Druck Apple, wir haben ein Siri-Problem Apple steht zunehmend in der Kritik. Der Konzern hinkt bei künstlicher Intelligenz hinterher. Wie viel Zeit bleibt Konzernchef Cook? von Matthias HohenseeCook reagierte auf diese Entwicklung früher als viele Konkurrenten. Bereits 2016 machte er gegenüber Investoren deutlich, wie zentral das Servicegeschäft aus seiner Sicht für die Zukunft des Konzerns sei. Entsprechend baute er den Konzern um. Statt Apple weiter fast ausschließlich über neue Hardware wachsen zu lassen, begann Cook, stärker auf wiederkehrende Einnahmen zu setzen. Dienste wie App Store, Apple Music, iCloud, Apple Pay oder Apple TV+ sollten aus einzelnen Geräten ein Ökosystem machen und Nutzer langfristig an Apple binden. Für den Konzern hatte das einen entscheidenden Vorteil: Die Einnahmen aus diesen Geschäften hängen deutlich weniger davon ab, ob Kunden gerade ein neues iPhone kaufen wollen oder nicht.Heute gilt dieser Strategiewechsel als eine der wichtigsten Entscheidungen Cooks. Das Servicegeschäft erwirtschaftet inzwischen mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr und macht mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes aus.5. Von wegen Kleinkram: AirPods und Apple Watch werden zum MilliardengeschäftGanz verstummt ist die Kritik an Cook in all den Jahren dennoch nicht. Schließlich blieb das iPhone trotz aller Umbauten wirtschaftlich das wichtigste Produkt des Unternehmens – und vergleichbare Innovationen, so die Kritik, habe Cook nie geliefert.Tatsächlich brachte Apple unter ihm kein Produkt hervor, das ähnlich revolutionär war wie seinerzeit das iPhone. Allerdings gelang das in dieser Zeit auch keinem Wettbewerber.Zudem schaffte es Cook, rund um das iPhone mehrere neue Milliardenmärkte aufzubauen. Zwar war die Begeisterung bei den Apple-Keynotes nie besonders groß, wenn Cook neue Kopfhörer oder eine smarte Uhr präsentierte. Beide Produkte aber wurden über die Jahre zu wichtigen Umsatzbringern.Allein die AirPods und die Apple Watch machen heute zusammen mit anderem Zubehör fast zehn Prozent des Konzernumsatzes aus. Beide Produkte entwickelten sich weit über einfache Ergänzungen zum iPhone hinaus und machten Apple zum dominierenden Anbieter bei Kopfhörern und Smartwatches. Vor allem die AirPods gelten heute als eines der erfolgreichsten Konsumprodukte der vergangenen Jahre.Mit der Apple Watch erschloss Apple ein neues Geschäft rund um Gesundheit und Fitness, das inzwischen boomt. Funktionen wie Herzüberwachung oder Sturzerkennung machen die Uhr zunehmend zu einem Gesundheitsprodukt.Die Bedeutung der Produkte reicht weit über ihren direkten Umsatz hinaus. Ähnlich wie das Servicegeschäft binden Apple Watch und AirPods Kunden enger an den Konzern. Wer mehrere Apple-Geräte gleichzeitig nutzt, wechselt deutlich seltener zu anderen Anbietern. Nutzer bewegen sich so heute in einem eng vernetzten System aus iPhone, AirPods, Apple Watch, iCloud, Musikdiensten und Bezahlsystemen.Cook hinterlässt seinem Nachfolger John Ternus somit weit mehr als nur das ordentlich gepflegte Erbe von Steve Jobs. Sondern einen Konzern, den er in seiner Amtszeit grundlegend weiterentwickelt und zu neuer Größe geführt hat. Und den Ternus nun über die nächste große Schwelle hieven muss: den Anbeginn des KI-Zeitalters.
Apple WWDC 2026: Wie Tim Cook Apples Umsatz vervierfachte und Rekorde brach
KI, Zukunft von Siri und neue Softwarefunktionen bei Apple: Ein letztes Mal hat Apple-Chef Tim Cook die Entwicklerkonferenz WWDC geleitet. Wie maßgeblich der CEO für den Erfolg von Apple war, verkennen viele bis heute.











