Ich bin hilflos. Erschüttert. Ich trauere, ich kann die Welt nicht mehr verstehen. Nicht dieses Land, nicht die Menschen, die aus meiner Sicht sehenden Auges das bisher intakte Bild meiner Heimat zerstören, nachhaltig, unwiederbringlich. Ein Landstrich wird nicht mehr sein, was er einmal war: eine der lieblichsten Gegenden und das Arkadien meiner Kindheit.

„Von Halberstadt im Westen und zwischen Harz und Huyda liegt das Dörfchen Ströbeck mit seiner Schachpartie.“

Hier bin ich geboren und habe in der berühmten Ströbecker Schachschule gelernt, wie man Läufer und Springer setzt, denn Schach ist hier Pflichtfach. Es gibt eine tausendjährige Tradition des königlichen Spieles, auf dem Dorfplatz werden Turniere zelebriert und Lebendschach mit Schulkindern in schwarzen und weißen Kostümen gespielt. Der Schachturm, in dem ein slawischer Fürst im 11. Jahrhundert gefangen gehalten worden sein soll, ist uralter Zeuge für die Geschichte der Bauern, denen der Fürst das Spiel beibrachte und die diese Kunst mit stolzgeschwellter Brust an ihre Nachkommen vererbten. Bis zu mir.

Ja, und dann ist da noch das einzigartige Schachmuseum mit seiner kostbaren Sammlung historischer Bretter und Figuren; gerade wird es nach einem Brand vor ein paar Jahren ganz neu aufgebaut.