Erst ein schlichtes Kostüm, dann ein Federtraum: Dua Lipas Hochzeitsmarathon ist auch eine Modeschau. Ihr Kleid von Bottega Veneta wird Trends setzen.Nachdem schon das schlicht-elegante Schiaparelli-Kostüm viral gegangen war, das Dua Lipa zu ihrer standesamtlichen Trauung mit Callum Turner am 31. Mai 2026 in London trug, warteten Modemenschen und Promigücksler natürlich gespannt auf die Fortsetzung dieser Brautschau. Sie wurden nicht enttäuscht: Das erste von Paparazzi gezeigte Hochzeitskleid für die sogenannte «richtige» mehrtägige Hochzeitsfeier, die am 5. Juni 2026 mit einer Willkommensparty in Palermo begann, war ebenso aufsehenerregend.Nackter Rücken, FlechtmusterEs stammt von Bottega Veneta, dort ist seit 2025 Louise Trotter Kreativdirektorin, die schon bei Carven mit ihren sinnlichen, aber immer auch sanft aneckenden Entwürfen auffiel. Die geraden Linien erinnern an das Schiaparelli-Kostüm, die Umsetzung ist aber eine ganz andere: Statt auf Seidensatin wird hier auf das für das Haus ikonische, handgeflochtene Leder, das sogenannte «Intrecciato», gesetzt, wie man es von Bottega-Veneta-Taschen kennt. Und statt auf bedeckte Eleganz wird diesmal auf den Kontrast von Haut und Kleid gesetzt: Der Rücken bleibt frei.Was von diesem Kleid aber im Gedächtnis bleiben und wohl auch Trends setzen wird, ist nicht der nackte Rücken. Es sind die Federfransen. Der Jupe besteht aus ihnen: weisse Straussenfedern, die womöglich gar keine sind, sondern wie schon auf dem Laufsteg täuschend echt von recycelten Glasfasern imitiert werden. Bei jeder Bewegung schwingen sie mit. Sowieso liebt die Mode gerade alles, was im übertragenen Sinne lebt, was beim leisesten Luftzug, Flügelschlag erwacht: Fransen, Kettchen, Streifen oder eben Federn. Von Marie-Antoinette ins CabaretDiese sind modehistorisch gesehen nicht ganz ohne. Sie gehören ganz klar ins Tierreich und bringen darum immer auch Trophäencharakter mit; Jäger steckten sie sich an den Hut. Neben dieser animalisch-virilen Seite bringen sie aber auch immer etwas Frivoles mit. Erstmals grossflächig eingesetzt hat sie laut einigen Quellen Marie-Antoinette. Die französische Königin war für ihre Modeliebe bekannt, die sich vor allem in ausufernden Frisurenkreationen zeigte. Beliebt waren die Federn bei den Damen als Schmuck für Hüte oder an Fächern, wo sie jeder Hauch erzittern liess. Feder-Fan: Marie-Antoinette, porträtiert 1780 von Élisabeth Louise Vigée Le Brun. Getty Images Noch mehr Federn zu tragen, wäre fast unmöglich: Cabaret-Tänzerin, 1929. Getty Images An Popos und am Kopfschmuck machten die Federn später Karriere im Cabaret. In der seriöseren Mode wurde vor ihnen gar gewarnt: «Federn können nicht nur entzückend, sondern auch lächerlich wirken», schrieb Christian Dior 1954 in seinem Ratgeber «Das kleine Buch der Mode» warnend. «Wählen Sie kleine, zierliche Exemplare, grosse Federn wirken plump und unweiblich», führt er weiter aus. Dem kann man angesichts Trotters Kreation für Dua Lipa nun nicht zustimmen. Im Gegenteil: In Kombination mit dem schlichten Schnitt und dem hochwertigen Stoff wirkt das Federkleid sehr elegant – und wird sicher als Vorbild für weitere Bräute dienen. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.