Während die LNG-Importe der EU seit Beginn des Iran-Krieges zurückgehen, hat Deutschland seine Einfuhren im gleichen Zeitraum um 72 Prozent erhöht. Das zeigen neueste Daten des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA).Rund acht Prozent der europäischen LNG-Importe stammen aus Katar. Diese Lieferungen fallen seit Angriffen des Irans auf die weltweit größte Exportanlage in Ras Laffan (Katar) fast vollständig aus. Zwischen März und Mai sind die LNG-Importe der EU aus Katar von 3,7 Milliarden Kubikmetern im Vorjahr auf 1,2 Milliarden gesunken. Doch während die EU seit März immer weniger importiert, hat Deutschland im gleichen Zeitraum seine LNG-Importe um 72 Prozent erhöht.

Europa und Asien kämpfen um verbleibende LNG-Mengen

Durch die infolge des Iran-Krieges blockierte Straße von Hormus fehlen etwa 20 Prozent der weltweiten LNG-Mengen auf dem Markt. Die Gaspreise schießen seit Beginn des Konflikts entsprechend durch die Decke. Gegenwärtig liegt der europäische Gasreferenzpreis TTF bei rund 50 Euro pro Megawattstunde. Zum Vergleich: Vor dem Krieg lag der Gaspreis in Europa noch bei etwa 31 Euro/MWh.

Zudem verschärft sich seit der Iran-Krise der Kampf um verbleibende LNG-Mengen. Asien ist einer der größten Abnehmer von LNG aus dem Nahen Osten. Durch die Lieferausfälle ist der Kontinent verstärkt auf kurzfristige Spotlieferungen angewiesen. Lieferungen nach Asien sind für Händler daher zurzeit deutlich lukrativer als nach Europa, weil dort mehr Geld bezahlt wird. Die Folgen wurden in den vergangenen Wochen auch auf dem Meer sichtbar. Zahlreiche LNG-Tanker auf dem Weg nach Europa änderten kurzfristig ihren Kurs – und fuhren stattdessen nach Asien.