PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaftDer ÜberfliegerStand: 16:54 UhrLesedauer: 5 MinutenDeutschland hat die WM-Generalprobe gegen die USA mit 2:1 gewonnen. Havertz und Sané trafen für die DFB-Elf. WELT-Reporter Christian Beilfuß sieht trotz einiger Schwächen in der Spielkontrolle vor allem die Erfolgsserie und die positiven Einzelauftritte als Mutmacher für das Turnier.Die linke Abwehrseite gilt als Problemposition der Nationalelf. Nun hat Bundestrainer Nagelsmann eine mutige Entscheidung getroffen. Nathaniel Brown soll die Stars der Gegner stoppen. Ein Routinier muss dafür weichen.An Selbstvertrauen mangelt es den meisten Männern im Profifußball nicht gerade. Was er seiner Frau zum Geburtstag schenke, wurde Zlatan Ibrahimović mal gefragt. „Nichts. Sie hat doch Zlatan“, antwortete die schwedische Sportlegende augenzwinkernd. Und Startrainer José Mourinho sagte einst: „Ich sage nicht, dass ich der Beste bin. Ich kenne nur keinen besseren.“Nathaniel „Nene“ Brown tickt da (noch) anders. Der Außenverteidiger von Eintracht Frankfurt erlebt aktuell sehr besondere Tage. Ende der vergangenen Woche wurde bekannt, dass er sich offenbar mit dem FC Bayern über einen Wechsel im Sommer einig ist. Kurz danach, am vergangenen Samstag, zeigte sich, dass der 22-Jährige aller Voraussicht nach einen Platz in der deutschen WM-Startelf sicher hat. Und dennoch sagt Bundestrainer Julian Nagelsmann: „Er weiß noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist.“ Brown sei demütig und sehr wissbegierig. „Ich wünsche mir manchmal, dass er sich noch mehr zutraut. Er ist einen Tick zu bescheiden für das, was er kann. Ich will bei ihm noch mehr Selbstvertrauen initiieren.“Tatsächlich war Brown bis vor einigen Tagen sogar noch unsicher, ob er Torwart und Teamkollege Manuel Neuer im Quartier der Auswahl nicht vielleicht am besten Siezen sollte. Sie duzen sich jetzt. Intern zeigt Brown sich ehrfürchtig vor den großen Namen– auf dem Spielfeld agiert er selbstbewusst und mutig.Beim 2:1 (1:0) im letzten WM-Test gegen die USA ließ der Bundestrainer Brown von Beginn an spielen. Er gab ihm nach dem 4:0 gegen Finnland erneut den Vorzug vor David Raum, Kapitän von RB Leipzig, der jetzt wohl zunächst nur Ersatz ist – obwohl er auf Klubebene und in Sachen Nationalmannschaft deutlich erfahrener ist und bei der EM in Deutschland 2024 Teil der Turnier-Elf war. Es war Browns dritter Startelf-Einsatz bei der Nationalelf in Folge. Er kommt bislang auf fünf Einsätze für die deutsche Auswahl – Raum, 28 Jahre alt, kommt bereits auf 37. Lesen Sie auchDie letzte offene Position in der deutschen WM-Elf ist besetzt. Nathaniel Brown ist der junge Hoffnungsträger für den Part in der Mannschaft, der in den vergangenen Jahren oft als „Problemposition“ beschrieben wurde. Links hinten gab es nämlich oft Probleme in der Nationalelf: Der verstorbene Andreas Brehme, Weltmeister von 1990, war dort über Jahre gesetzt. Dann folgte Christian Ziege, Europameister von 1996. Danach etablierte sich lange kein Spieler langfristig. Bei der WM 2014 setzte der damalige Bundestrainer Joachim Löw auf Benedikt Höwedes. Der Rechtsfuß wusste zu überzeugen, absolvierte schließlich alle sieben WM-Partien über die volle Spielzeit.Lesen Sie auchNun soll also Brown bei der WM die Angreifer der Gegner auf den Außen stoppen – nach der Vorrunde könnten das Superstars sein. Brown ist mit Lennart-Karl-Ersatz Leroy Sané der Gewinner der bisherigen WM-Vorbereitung.Nathaniel Brown läuft 35 km/hSeit Anfang dieser Woche bereitet sich Brown mit seinen Kollegen in Winston-Salem in North Carolina auf das erste Gruppenspiel gegen Curacao am Sonntag (12 Uhr, ARD und Liveticker auf WELT) in Houston in Texas vor. Es wäre Browns WM-Debüt. Er kommt erst auf fünf Länderspiele und hat noch kein Turnier gespielt. Sein Debüt im deutschen Trikot ist gerade mal rund sieben Monate her.Es ist eine mutige und konsequente Entscheidung von Nagelsmann, auf der Linksverteidiger-Position mit ihm als Startelf-Spieler in das Weltturnier zu starten. Browns Form und Entwicklung sprechen enorm für ihn.Brown überzeugt mit Geschwindigkeit (Topspeed: 35 km/h) und Spielverständnis. In der schwachen Saison der Eintracht ragte er heraus. „Er ist defensiv ein sehr guter Eins-gegen-eins-Spieler gegen Speedspieler, weil er selbst sehr schnell und clever ist“, so Nagelsmann. Körperlich müsse der Defensivprofi aber noch zulegen, weil er noch „keinen Riesenbody“ habe, so der Trainer. Brown weiß, wie man Muskeln aufbaut: Er hat vor seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg zur Eintracht einst eine Ausbildung in einem Fitnessstudio absolviert.Im Test gegen die USA überzeugte Brown in den Laufduellen mit Sergino Dest von PSV Eindhoven, war ballsicher und beweglich. Er sagte nach der gelungenen Turnier-Generalprobe: „Es gefällt mir sehr, dass ich große Freiheit habe und nicht nur an der Linie klebe. Das mache ich auch in Frankfurt so, und das kommt meinem Spiel entgegen.“Lesen Sie auchIm Laufe der WM könnte David Raum aber dennoch seine Einsätze bekommen – mit seiner Stärke bei Standardsituationen und seiner Erfahrung kann der 28-Jährige für die Mannschaft weiter wertvoll sein. Nagelsmann wird auf dieser Position aber sicher nicht von Spiel zu Spiel die Startelf ändern, es könnte also maximal ein „Jobsharing light“ hinten links geben. Raums Vertrag bei RB gilt bis Sommer 2027, Leipzig will mit ihm verlängern – Raum hält sich bislang aber alle Optionen offen, beide Parteien wollen nach der WM Gespräche führen. Bei dem Weltturnier könnte er mit guten Leistungen für Angebote von Topklubs sorgen. Doch Brown hat seinen Vorsprung in den letzten Testspielen ausgebaut.Wenn Sie hier klicken, können Sie sich den Gruppenspielplan der WM als PDF herunterladen.„Natürlich will ich spielen, aber wir haben ein großes Ziel. Da müssen Egos hintanstehen. Wenn er spielt, werde ich ihn unterstützen und pushen“, sagte Brown über den internen Konkurrenzkampf.Nach der WM könnte er bei den Bayern dann ebenfalls einen Spieler mit viel Erfahrung auf die Bank verdrängen – Alphonso Davies. Der Kanadier ist recht verletzungsanfällig. Die Bayern sollen bereit sein, rund 60 Millionen Euro für Brown zu zahlen. Hinter Lucas Hernández (2019 für 80 Millionen Euro nach München) und Marc Cucurella (2022 für 65 Millionen Euro zum FC Chelsea) wäre er der drittteuerste Linksverteidiger der Geschichte. Brown gilt als Wunschspieler von Münchens Trainer Vincent Kompany.Lesen Sie auchAufgrund der mündlichen Wechsel-Einigung mit Bayern wird er nicht mehr als Zögling, sondern als angehender Star wahrgenommen.Aber erst einmal, betont Brown, konzentriere er sich voll und ganz auf die WM. Und will die Berichte über das Interesse der Bayern nicht kommentieren. Nagelsmann sagte in einem emotionalen Nominierungsvideo zu Brown: „Du kannst eine ganz tolle WM spielen! Glaub an dich. Gib Gas.“Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit einer Woche sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.
WM 2026: Nathaniel Brown ist Nagelsmanns Hoffnungsträger für die Problemposition der Nationalelf - WELT
Die linke Abwehrseite gilt als Problemposition der Nationalelf. Nun hat Bundestrainer Nagelsmann eine mutige Entscheidung getroffen. Nathaniel Brown soll die Stars der Gegner stoppen. Ein Routinier muss dafür weichen.












