Der Ton ist schärfer geworden im Dauerstreit zwischen Airlines und Triebwerksherstellern: United-Airlines-Chef Scott Kirby (58) hat Rolls-Royce bei einem jährlichen Branchentreffen in Rio de Janeiro öffentlich attackiert und den britischen Triebwerksbauer „in the doghouse“ (sinngemäß übersetzt: „bei mir unten durch“) verortet. Das berichtet die „Financial Times“ („FT“). Kirby lobte demnach Wettbewerber wie GE Aerospace und Pratt & Whitney ausdrücklich für deren Bemühungen in einem von Engpässen geprägten Markt – einzig Rolls-Royce nehme er von diesem Lob aus.Die Kritik ist ungewöhnlich offen für eine Branche, in der Konflikte üblicherweise hinter den Kulissen geklärt werden. Hintergrund sei ein seit Längerem schwelender Streit zwischen United und Rolls-Royce über eine historische Bestellung von 45 Airbus A350-1000, für die Rolls-Royce exklusiv die Triebwerke liefert, so die „FT“.United hatte die A350 im Februar aus ihrer Flottenplanung gestrichen und in einem Börsenbericht auf eine rechtliche Auseinandersetzung mit Rolls-Royce wegen angeblicher Vertragsverletzungen aus einem 2010 geschlossenen Vertrag verwiesen. Rolls-Royce erklärte gegenüber der „FT“, man habe sämtliche Verpflichtungen aus mehreren seit 2010 bestehenden Vereinbarungen erfüllt. United sei „ein geschätzter Kunde“, man wolle den „historischen Streit“ lösen und die strategische Partnerschaft stärken.Der Konflikt fällt in eine Phase, in der Airlines weltweit über Lieferverzögerungen und Qualitätsprobleme bei neuen Triebwerken klagen. Engpässe in den Lieferketten, aufwendige Reparaturen und fehlende Ersatzteile zwingen viele Gesellschaften dazu, Flugzeuge am Boden zu lassen. Auf dem Branchentreffen in Rio de Janeiro erhielt IATA-Chef Willie Walsh etwa spontanen Applaus, als er Triebwerkshersteller aufforderte, die Branche nicht länger „auszuplündern“.