PfadnavigationHomePolitikDeutschlandMagdeburg-Anschlag„Menschen tun so etwas nicht, Monster schon“, sagt eine Betroffene über den AttentäterStand: 16:29 UhrLesedauer: 3 MinutenTodesfahrer Taleb al-Abdulmohsen im Gerichtssaal in MagdeburgQuelle: Peter Gercke/dpaKurz vor dem Ende des Prozesses gegen den Magdeburger Weihnachtsmarkt-Attentäter haben Betroffene eindringlich von den Folgen der Tat berichtet. Die Anklage fordert für Taleb Al-Abdulmohsen die Höchststrafe.Mit eindringlichen Schilderungen von Angst, Verlust und den Folgen des Anschlags haben sich die Betroffenen des Magdeburger Weihnachtsmarkt-Attentats am Ende des Prozesses zu Wort gemeldet. Verletzte und Hinterbliebene berichteten vor Gericht, wie die Tat vom 20. Dezember 2024 ihr Leben bis heute prägt.„Ich wusste bis zu diesem Abend nicht, wie sich Todesangst anfühlt“, sagt eine 39-Jährige, die sich mit ihrer Sportgruppe auf dem Weihnachtsmarkt verabredet hatte. Ihre Kinder hatte sie zu Hause gelassen – aus ihrer Sicht die beste Entscheidung, die sie hätte treffen können. Das Fahrzeug des Todesfahrers Taleb Al-Abdulmohsen habe sie am Rucksack mitgerissen, die Finger an der linken Hand überfahren. Nach den Ermittlungen steuerte der damals 50-Jährige einen mehr als zwei Tonnen schweren Mietwagen teils in Schlangenlinien und mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde durch die Menschenmenge. Sechs Menschen wurden getötet, mehr als 300 weitere verletzt.Lesen Sie auchBis heute höre sie die Schreie, spüre immer noch das Gefühl ihrer eigenen Überforderung. Unbeschwertheit und Leichtigkeit seien verloren gegangen. Die 39-Jährige ist eine von rund 200 Nebenklägern im Prozess gegen Al-Abdulmohsen. Es sind Menschen, die verletzt wurden, körperlich oder psychisch, aber auch Hinterbliebene der sechs Getöteten.„Ich bin wütend auf den Angeklagten, unendlich wütend“Über Al-Abdulmohsen, der aus einem Glaskasten heraus den Prozess verfolgt, sagte die 39-Jährige: „Ich bin wütend auf den Angeklagten, unendlich wütend.“ Er habe den Menschen ihre Unbeschwertheit genommen, sie stattdessen in Angst versetzt und ihnen Schmerz zugefügt, indem er seinen Mietwagen in unschuldige Menschen steuerte, die einfach nur Weihnachten feiern wollten. „Menschen tun so etwas nicht, Monster schon.“Mehrere Betroffene des Anschlags schilderten, wie sich ihr Leben veränderte. Die Folgen des Anschlags würden sie bis heute jeden Tag begleiten. Eine Nebenklägerin, die ihre Mutter bei dem Anschlag verlor, sagte, das Leid der Betroffenen habe im Prozess nicht ausreichend Platz gefunden bei all den „Märchen und Geschichten des Täters“. Viele kämpften noch immer um die dauerhafte Anerkennung ihres Leids. Vor den Betroffenen hatten mehrere Opferanwälte ihre Schlussvorträge gehalten. Sie schilderten die Schicksale ihrer Mandanten und schlossen sich dem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft an, den Todesfahrer zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen, die besondere Schwere der Schuld festzustellen und eine Sicherungsverwahrung anzuordnen.Lesen Sie auchBereits in der vergangenen Woche hatte die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg für den Täter die Höchststrafe gefordert. Die Gewalttat sprenge „jede menschlich begreifbare Dimension“, sagte der Oberstaatsanwalt. An der Täterschaft des Angeklagten gebe es keine ernsthaften Zweifel. Nach Überzeugung der Anklage habe Al-Abdulmohsen die Tat „lange und im Voraus geplant“. Seit November muss sich der aus Saudi-Arabien stammende Arzt vor dem Landgericht Magdeburg verantworten. Zwar räumte Al-Abdulmohsen ein, einen Angriff geplant zu haben, bestritt jedoch, Menschen gezielt überfahren zu haben. Seine Aussagen vor Gericht waren wiederholt von wirren Ausführungen und Verschwörungstheorien geprägt.dpa/jra