Es ist jemand Neues in mein Leben getreten. Diese Person hat immer gute Laune und kann eigentlich alles supergut, ob sie nun Pizza backt, Fußball spielt, Müll aufsammelt, gemobbt wird, im Kindergarten übernachtet oder ohne zu jammern zum Zahnarzt geht. Nein, ich habe mir keine Avatar-Tochter angeschafft, die all die unluxuriösen Seiten des Elterndaseins von mir fernhält. Wie so viele andere vor mir bin ich in den Bann von Conni geraten. Was an dieser Stelle Information und Triggerwarnung zugleich ist.Für alle, die noch ein Leben ohne Conni führen: Das ist die gleichnamige, aus Büchern und Hörspielen bekannte fiktive Figur mit der roten Schleife im Haar, existent seit 1992. Ist Conni einmal vollends in Ihre Existenz eingedrungen, geht sie nicht mehr weg, also kündigen Sie Ihr Spotify-Abo, werfen Sie alle Pixi-Bücher weg und ziehen Sie auf eine finnische Insel, wo das Netz dauerhaft gestört ist und keine Conni Sie je findet, so sehr die Kinder ihre „beste Freundin“ auch vermissen mögen. Die Zeit brachte die Conni-Dichotomie mal auf die schöne Formel: „Kinder lieben Conni. Eltern hassen sie.“Und während ich das hinschreibe, sucht mich schon wieder der Jingle heim, der am Anfang einer jeden Hörspielfolge läuft und mir vor Augen führt, wie schön es ist, nicht mehr Kind sein zu müssen, „düdüdüdüdüdüdüdüdüdüdü, wer reitet schnell wie der Wind, mit rotem Band im Haar ...“. Dies ist kein Ohrwurm, es ist ein Ohrungeheuer.Ich höre ihn nachts in meinen Träumen, summe ihn morgens an der Kaffeemaschine, selbst meine vierjährige Tochter, die mir diese ganze Conni-Sache erst eingebrockt hat, herrschte mich vor ein paar Tagen an, als ich zum „düdüdüdüdüdüdüdüdüdüdü“ ansetzte. Dabei hatte ich meine Familie extra mit meinen Theorien dazu verschont, wieso Conni im Fußballcamp von Xenia gemobbt wird, wieso sie nicht zurückmobbt. Ist sie einfach ein guter Mensch oder ist hier etwas Zen-Feministisches am Werk?Wie das losging, dass in mein Hirn eine Kinderfigur einzog? In den vergangenen Wochen saß meine Familie wegen Urlaub und Treffen mit weit entfernt lebenden Freunden viel im Auto. Ich erinnere mich nicht genau, wer damit anfing, Kinderhörspiele abzuspielen statt elektronischer Musik und Deutschlandfunk, aber als das Navigationsgerät nicht mehr neun, sondern fünf Stunden anzeigte und wir alle Stillhaltetaktiken (Eis, Stickerheft, Rollo zerstören) ausgereizt hatten, Evergreens wie „Der Pavianpopo“ und „Dino Cappuccino“ bis zum seelischen Kollaps abgespielt worden waren, war da plötzlich Conni. Und unsere Tochter schwieg und lauschte.Erst versuchte ich mich mit Kopfhörern abzuschotten und hörte auf dem Beifahrersitz das neue Memoir von Siri Hustvedt, das „düdüdüdüdüdüdüdüdüdüdü“ drang immer wieder zu mir durch. In einem späten Stadium der Dauerbeschallung – es waren immer noch zwei Stunden bis zum Ziel und ich saß am Steuer – rief ich: „Und jetzt mal Erwachsenenmusik!“ Ich stellte „Hero“ von Enrique Iglesias an und begann laut zu singen, was ich immer dann tue, wenn es mir sehr schlecht oder sehr gut geht.In dieser Kolumne schreiben Patrick Bauer und Friederike Zoe Grasshoff im Wechsel über ihren Alltag als Eltern. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.