250 Euro pauschale Entschädigung nach mehr als drei Stunden Verspätung – mit diesem Kompromissvorschlag versuchen Frankreich und Deutschland, Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über die Reform der Fluggastrechte zu bringen. Das geht aus einem gemeinsamen Papier der beiden Staaten hervor, das sie am Rande eines Verkehrsministertreffens in Luxemburg vorgelegt haben. Das Papier liegt der F.A.Z. vor. Um die Erstattung zu erleichtern, sollen die Fluggesellschaften zudem einen Link zu einem Erstattungsformular bereitstellen.Der Vorschlag würde die bestehenden Fluggastrechte spürbar einschränken. Momentan ist die Entschädigung gestaffelt nach Entfernung. Für Kurzstrecken liegt sie im Fall einer Verspätung von mehr als drei Stunden auch heute bei 250 Euro. Für Langstrecken sind aber bis zu 600 Euro fällig.Bis zum 15. Juni muss die Einigung stehenDie Europäische Kommission und der Ministerrat wollen die Fluggastrechte allerdings bisher noch stärker beschneiden. Ziel ist, die Fluglinien zu entlasten. Kommission und Ministerrat verhandeln derzeit mit dem Europaparlament über eine Neufassung der EU-Regeln. Das will die geltenden Schwellen beibehalten und die Entschädigung sogar leicht anheben.Die Zeit drängt. Wenn es bis zum 15. Juni keine Einigung gibt, ist die Reform gescheitert. Die Positionen beider Seiten sind verhärtet. Zuletzt haben sie sich kaum aufeinander zubewegt.Der Ministerrat hatte sich im Sommer vergangenen Jahres dafür ausgesprochen, auf Kurzstrecken erst nach vier Stunden 300 Euro und auf Langstrecken nach sechs Stunden 500 Euro zu zahlen. Nach Angaben von Verbraucherschützern entfielen mit diesen Schwellen knapp zwei Drittel aller Entschädigungszahlungen.Nur ein Bruchteil der Passagiere beantragt EntschädigungDer neue Vorschlag habe das Potential, Schwung in die Verhandlungen zu bringen, hieß es in Diplomatenkreisen. Vertreter des Europaparlaments zeigten sich hingegen skeptisch. Wenn der Link zu einem vorausgefüllten Formular führe, könne sich das Europaparlament auf eine 250-Euro-Pauschalentschädigung einlassen, hieß es dort. Das hatte das Parlament im Januar gefordert. Heute beantragt nur ein Bruchteil der betroffenen Passagiere eine Verspätungsentschädigung.Unklar ist zudem, ob die anderen Mitgliedstaaten den Vorschlag mittragen. Er käme vor allem den Fluglinien zugute, die Langstrecken bedienen, also Lufthansa, Air France und KLM. Sie müssten mit einer 250-Euro-Pauschale viel niedrigere Entschädigungen zahlen. Die Gesellschaften aus anderen Staaten würden hingegen kaum profitieren.Deutschland hatte schon im vergangenen Sommer im Ministerrat einen ähnlichen Vorschlag vorgelegt. Damals hatte sich die Bundesregierung für eine 300-Euro-Pauschale im Fall einer Verspätung von drei Stunden oder länger ausgesprochen. Das fand aber keine ausreichende Unterstützung unter den anderen Mitgliedstaaten.
Flug zu spät: Deutschland schlägt 250-Euro-Pauschalentschädigung vor
Die EU ringt um eine Reform der Fluggastrechte. Nun legen Berlin und Paris einen Kompromiss vor.










