PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAbgeordnetenhauswahlAls Bundespolizist dienstunfähig – Olympiasieger Harting kandidiert für die Linke in BerlinStand: 15:13 UhrLesedauer: 3 MinutenOlympiasieger Christoph Harting hat mit dem Leistungssport gebrochenQuelle: Markus Lenhardt/dpaChristoph Harting gewann in Rio Olympisches Gold, dann machte er Depressionen öffentlich. Bei seinem Arbeitgeber ist er dienstunfähig gemeldet. Was ihn nicht daran hindert, für die Linkspartei bei der Abgeordnetenhauswahl anzutreten.Olympiasieger Christoph Harting kandidiert im September in Berlin für die Linkspartei bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus. Doch zugleich ist der 36-jährige Bundespolizist bei seinem Arbeitgeber dienstunfähig geschrieben. Das bestätigte eine Parteisprecherin auf WELT-Anfrage. Zuerst hatte „Bild“ berichtet.Harting bewirbt sich im Wahlkreis 1 im Berliner Bezirk Lichtenberg für ein Direktmandat. „Bei der Bundespolizei ist er seit Mitte 2024 dienstunfähig geschrieben“, sagte eine Sprecherin. „Und jetzt kämpfen wir gemeinsam darum, den Wahlkreis für Die Linke zu gewinnen.“2016 gewann Harting in Rio de Janeiro Gold im Diskuswurf. Vor drei Jahren machte der Leichtathlet eine Depression öffentlich, die er auch auf den Druck im Leistungssport zurückführte. Es folgten eine Trennung, Wohnungslosigkeit und ein Klinikaufenthalt. „Das war ein absoluter Tiefpunkt für mich“, sagte Harting jüngst der „Berliner Morgenpost“. Mit dem Sport hat er gebrochen, eine offizielle Verabschiedung beim Deutschen Leichtathletik-Verband lehnte er ab.Bei der Bundespolizei war Harting seit 2011 beschäftigt und erhielt im Rahmen seiner Tätigkeit an der Bundespolizeisportschule Kienbaum eine Förderung als Spitzensportler. Auf der Website der Bundespolizei wird er noch als Polizeioberkommissar geführt. Dienstunfähigkeit bedeutet, dass ein Amtsarzt festgestellt hat, dass ein Beamter dauerhaft seine dienstlichen Pflichten nicht mehr erfüllen kann. Gegenüber „Bild“ lehnte eine Polizeisprecherin einen Kommentar aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes ab.Harting ist Gegner der Olympischen Spiele in BerlinGenaue Fragen zum Einfluss der Depression oder Dienstunfähigkeit auf den Wahlkampf oder ein mögliches Abgeordnetenmandat beantwortete die Linken-Sprecherin nicht. „Seine Krankheit bzw. Krankheitsverlauf öffentlich sezieren zu wollen, liegt uns fern. Mit seiner Krankheit geht Herr Harting offen um, was unseren größten Respekt verdient.“Und: „Nicht jeder Mensch mit diesem Krankheitsbild ist in allen Lebenslagen voll belastbar“, teilte sie mit. „Er unterstützt uns und vertritt unsere Werte und Prinzipien nach außen und spricht auch immer wieder öffentlich gesellschaftliche Probleme an.“ Sie verweist auf die Berliner „NOlympia“-Kampagne gegen die Olympischen Spiele in der Hauptstadt, die auch der Olympiasieger Harting unterstützt.Lesen Sie auch„Dem Breitensport bringt das überhaupt nichts“, sagte Harting der „Berliner Morgenpost“. Das ganze Sportsystem sei „marode, völlig desolat, heruntergekommen und sich selbst überlassen“. Das einzig Gute an der Bewerbung sei, dass man eine „sehr genaue und sehr teure Inventurliste“ erstellt habe, „wie katastrophal es um die Berliner Sportstätten stehe“.In Hamburg lehnte eine Mehrheit der Bürger eine Olympiabwerbung bereits ab. In Berlin wäre ein Volksentscheid erst 2027 und damit nach der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes für einen potenziellen Austragungsort möglich. Auch München und NRW bewerben sich als deutsche Kandidaten für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele.Die Kandidatur von Harting erinnert an den Fall von Uta Francisco dos Santos. Die leitende Mitarbeiterin der Berliner Finanzverwaltung ist seit eineinhalb Jahren dienstunfähig, kandidierte aber für das Amt der Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Mitte. Nach Kritik trat sie von der Kandidatur zurück, bleibt aber eine Kandidatin für die Bezirksverordnetenversammlung.sebe