In Unternehmen ohne geteilte Schreibtische erzählen Büros kleine Geschichten über ihre Bewohner. Selbst wer eine harte Clean-Desk-Politik verfolgt und am Ende des Arbeitstags alles abräumt, was er nicht mehr braucht, hinterlässt oft etwas, das ihn ausmacht.Mancher drapiert den Schal des Lieblingsfußballklubs rund um die Bildschirme, andere haben Familienfotos aufgestellt, wieder andere das Zertifikat vom Auslandsaufenthalt an der University of Tasmania an die Wand genagelt. Was immer der betreffende Gegenstand ist, er soll dem Büro wenigstens einen Hauch persönlicher Note verleihen.Neben diesen relativ immobilen Accessoires existieren solche, die nur an gewissen Tagen im Büro auftauchen, dafür aber immer wieder. Auch sie deuten Charakter an. Die Sportlerin hat ihre Tennisschlägertasche neben der Tür abgestellt, um direkt nach Dienstschluss zum Aufschlag zu eilen. Beim Musikliebhaber lehnt der Geigenkoffer lässig in der Ecke, auch ein wenig, um zu zeigen, welch Schöngeist hier tagein, tagaus malocht. Und der Kollege mit der Freundin in Hamburg bringt den Rollkoffer mit.Flohmarkt für KindersachenDie dritte Kategorie identitätsanzeigender Bürogegenstände ist schließlich nur für einen gewissen Lebensabschnitt typisch. Diese Dinge sorgen allerdings dafür, dass es in manchen Büros mitunter aussieht wie auf einem Flohmarkt für Kindersachen. Zum Ärger der Kollegen.Dabei fängt alles ganz niedlich an, mit Mützen in Babygröße zum Beispiel. Hygienisch fragwürdiger sind Schnuller, die zwischen Tastatur und Bildschirmen liegen, oder der tausendfach abgebusselte Teddybär, den der Nachwuchs auf der Fahrt zum Kindergarten unbedingt mitnehmen wollte und der nun ganz einsam aus dem Pelz schaut. Apropos Mobilität: Manche Büros wirken wie eine verlängerte Abstellkammer. Dort hängen dann Fahrradhelme für kleine Köpfe, oder eine Autositzerhöhung wartet auf ihren Einsatz.Die gute Nachricht für alle, die das stört: Es ist nur eine Phase. Das Ende deuten altbekannte Utensilien an, wenngleich sie nun viel kleiner sind. Der Violinist hat einen Kasten mit einer halben Geige dabei, die Tennisspielerin düst mit Kinderschlägern los. Nur schlägt sie nicht mehr selbst auf, das erledigt nun die Tochter. Aber auch dieser Zustand geht vorüber. Er dauert nur so lang, bis der Nachwuchs allein zum Hobby fährt.In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.