Es war ein Paukenschlag in der amerikanischen Medienlandschaft, als in der vergangenen Woche der CBS-Korrespondent Scott Pelley bei „60 Minutes“ gefeuert wurde. Das Magazin steht unter Beschuss, seit im Oktober des vergangenen Jahres Bari Weiss die Leitung von CBS News übernommen hatte. Ein Dutzend prominenter Mitarbeiter, darunter Anderson Cooper, hat seither das Handtuch geworfen, vor wenigen Tagen hatte Weiss drei weitere „60 Minutes“-Kollegen entlassen: die Chefproduzentin Tanya Simon sowie die Korrespondentinnen Sharyn Alfonsi und Cecilia Vega. Pelley gehört zu den Großen der US-Presselandschaft; während seiner 37 Jahre bei CBS war er als Moderator, Korrespondent und Kriegsberichterstatter tätig.Pelley führte seine Entlassung darauf zurück, dass er sich geweigert habe, „Falschinformationen und Parteilichkeit in eine politisch bedeutsame Geschichte einzufügen“. Unmittelbar vor seinem Abgang hatte er den neuen Chefproduzenten Nick Bilton konfrontiert. Bei einer Redaktionskonferenz, in der die Belegschaft vergeblich auf eine Äußerung der (nicht anwesenden) Bari Weiss zu den Entlassungen wartete, hatte Biltons Einlassung, Weiss liebe „60 Minutes“, Pelley offenbar auf die Palme gebracht. Er hielt Bilton entgegen, dass Weiss „zu CBS bestellt wurde, um das Magazin zu killen, und sie tut genau das“. So berichtete es die „New York Times“ in der vergangenen Woche. Jetzt stand Pelley dem Blatt in einem emotionalen Interview Rede und Antwort.Der Beitrag trug den Titel „Who can you kill?“Im Februar, so Pelley, habe Weiss verlangt, einen „60 Minutes“-Bericht über die Erschießung von Renee Good und Alex Pretti durch Beamte der Immigrationsbehörde ICE stärker auf Regierungslinie zu bringen. Die Redaktion sei angewiesen worden, in dem bereits abgenommenen Beitrag mit dem Titel „Who can you kill?“ (Wen darf man töten?), zu behaupten, Renee Good habe ihren Wagen in Richtung des Beamten gelenkt, der die tödlichen Schüsse auf sie abfeuerte. Augenzeugenvideos sorgten für erhebliche Zweifel an dieser Darstellung, „aber so hatte das der Präsident beschrieben, und so wollte Bari Weiss es wiedergegeben haben“, sagte Pelley. Außerdem wollte Weiss die Demonstranten „noch gewalttätiger“ abgebildet haben. Dabei habe sich seine Redaktion schon alle Mühe gegeben, die Demonstranten kritisch zu beleuchten.In dem Beitrag heißt es in Pelleys Moderation, die Protestierenden hätten „die Grenzen des Rechts auf friedliche Versammlung“ herausgefordert. Bilder zeigen Demonstranten, die ICE-Fahrzeuge bedrängen, Beamte mit Schneebällen bewerfen und mit ihnen rangeln. Alex Pretti wird in Aufnahmen Tage vor seinem Tod gezeigt, wie er Beamte bespuckt und das Rücklicht eines ICE-Fahrzeugs eintritt. Zu Good sagt Pelley in dem Beitrag: „Hatte sie vor, die Beamten zu treffen, oder wollte sie nur davonfahren?“ Der „Times“ sagte Pelley, die Änderungswünsche seien Stunden nach der Deadline eingetroffen; nach erneuter Ansicht des Videos von Renee Good habe er beschlossen, die Änderungen kommentarlos zu verweigern.Seit im vergangenen Sommer die Muttergesellschaft des Senders, Paramount, in die Hände der Trump-Kumpels Larry und David Ellison überging, nachdem sich CBS bereit erklärt hatte, Donald Trump 16 Millionen Dollar zu zahlen, stehen die journalistischen Bastionen des Senders unter Druck – als vermeintlich zu linkslastig und unzeitgemäß. So sieht es die von den Ellisons eingesetzte Bari Weiss, die politischen Journalismus offenbar als Spielball der amerikanischen Kulturkämpfe begreift. Bei ihrem Abgang als Meinungsjournalistin der „New York Times“ im Sommer 2020 hatte sie über deren „woke“ Ausrichtung geklagt und mit „The Free Press“ eine vermeintlich ausgewogene Plattform gestartet.In einer gespaltenen und in ihren jeweiligen Echokammern versunkenen Gesellschaft wirkte das wie ein nobles Ansinnen. „Free Press“ zeigte sich kritisch – auch gegenüber Donald Trump und seinem Kabinett. Durch ihre unbeirrbare Unterstützung der israelischen Regierung, was auch immer diese seit dem Terrorüberfall und Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 unternahm, führte Bari Weiss ihren Anspruch indes ad absurdum. Und bei CBS News trimmt sie die Berichterstattung nicht auf Ausgewogenheit, sondern nimmt irreführende und dreist faktenfreie Positionen der Regierung Trump auf.Der „Times“ sagte der gekündigte Scott Pelley, Weiss müsse angesichts ihrer fehlenden Professionalität und beispiellosen politischen Parteilichkeit bei CBS News vom Chefposten entfernt werden. Er hoffe auf eine Rückkehr zu „erwachsener Führung“ bei dem Sender – „aber im Moment brennt es dort lichterloh“.Berichten von Bloomberg und Reuters zufolge bereiten indes mehrere US-Bundesstaaten, darunter Kalifornien und New York, eine Kartellklage gegen die 110 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Paramount, zu dem CBS und CBS News gehören, vor.