Es gibt die Vermögenden, die Reichen und dann noch die Superreichen. Man weiß, dass dem reichsten Prozent der Deutschen rund 35 Prozent des gesamten Nettovermögens gehören, während die untere Hälfte der Bevölkerung zusammen lediglich etwa 1,5 Prozent davon besitzt. Und laut jüngsten Zahlen des „Global Wealth Report“ der Boston Consulting Group ist die Zahl der Menschen in Deutschland, die mehr als 100 Millionen Dollar (rund 86 Millionen Euro) besitzen, 2025 gegenüber dem Vorjahr um 1100 auf rund 5000 Personen angestiegen. Man weiß also, dass die Vermögenskonzentration in der deutschen Gesellschaft sehr ungleich ist. Aber wer sind diese Superreichen eigentlich, und was weiß man über sie?Erstaunlich wenig, hat jetzt Emma Ischinsky vom Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung herausgefunden. Sie hat dazu die einschlägigen jährlichen Listen der reichsten Deutschen des Manager Magazins ausgewertet und kam dabei auf einen verwertbaren Datensatz von insgesamt 1718 Personen. Ihre Forschungsfrage war, welche dieser Personen in den Medien überhaupt auftauchen. Sie stützte sich dazu auf eine Auswertung von 143.774 Presseberichten aus deutschen Zeitungen und Magazinen zwischen 2001 und 2023, in denen mindestens eine dieser Personen genannt wurde.Bekanntheit und Alter des GeldesIschinsky wollte dabei allerdings nicht wissen, wie über sie berichtet wurde, sondern ob sie überhaupt jemals in dieser Form von Öffentlichkeit vorkamen. Ihre Befunde sind frappierend: Nahezu ein Viertel dieser Reichen blieb im gesamten Zeitraum völlig unerwähnt. Die Forscherin wollte herausfinden, wer diese unbekannten Reichen sind und warum gerade sie so erfolgreich darin sind, unbekannt zu bleiben. Gibt es ein gemeinsames Merkmal dieser Gruppe der Reichen?Ischinsky zufolge hat die öffentliche Sichtbarkeit der deutschen Superreichen einen „strukturellen Bias“, diese Personen seien nicht alle gleichermaßen im Diskurs über die soziale Ungleichheit der deutschen Gesellschaft unterrepräsentiert, sondern es gebe eine besondere Selektivität. Am meisten sichtbar seien gerade einmal 25 Personen, welche die Hälfte aller Erwähnungen in diesen 22 Jahren erfahren hätten. Darunter sind Sportstars wie Dirk Nowitzki, Medienmanager wie Mathias Döpfner oder der Maler Gerhard Richter – sozusagen junges Vermögen, das individuellen beruflichen Karrieren entstammt, an denen die Öffentlichkeit auch Anteil nehmen konnte. Ischinsky konnte zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, überhaupt in der Öffentlichkeit als Superreicher erwähnt zu werden, sehr viel mit dem Gründungsjahr der Firma zu tun hat, deren wirtschaftlichem Erfolg sich ein Vermögen verdankt.Vermögen aus der Zwischenkriegszeit scheuen die ÖffentlichkeitDie Autorin gruppierte diese Firmen dazu in solche, die vor 1918 gegründet wurden, oder in der Weimarer Republik, der NS-Zeit, der Bundesrepublik bis 1989 und schließlich nach der Wiedervereinigung. Sie fand heraus, dass Reiche, deren Vermögen sich den ältesten Firmen verdankten, in der Öffentlichkeit relativ häufig vorkamen. „Altes Geld“ verstecke sich also nicht. Das gelte auch für Firmen aus der Nachkriegszeit. Am geringsten allerdings sei diese Wahrscheinlichkeit für Firmen mit einem Gründungsjahr zwischen 1918 und 1945. Über diese Unternehmen, ihre heutigen Besitzer und deren Vermögen berichteten die ausgewerteten Presseorgane am wenigsten.Der Befund ist erklärungsbedürftig. Zunächst könnte man annehmen, dass es kein öffentliches Interesse an diesen Firmen, Familien und konkreten Personen gibt, die Presse deshalb auch nichts anbietet. Oder – und das ist Ischinskys Verdacht – es gibt ein ausdrückliches Interesse speziell dieser Reichen, nicht in der Öffentlichkeit aufzutauchen. Dann stünde hinter ihrer öffentlichen Unbekanntheit eine erfolgreiche Strategie, unbekannt zu bleiben.Der spezifische historische Ursprung gerade dieser heimlichen Vermögen lege es nahe, hier von einer Strategie auszugehen: NS-belastetes Vermögen werde generell als besonders illegitim wahrgenommen, so Ischinsky, sogar noch mehr als vererbte Vermögen im Allgemeinen, deren Gerechtigkeit aktuell besonders debattiert werde. Die gesteuerte Abwesenheit dieser historisch belasteten Vermögen im öffentlichen Diskurs fungiere als ein Schild gegenüber dem eigentlich begründeten öffentlichen Interesse daran, wie sie ursprünglich erworben wurden.In anderen Worten: Unsichtbarkeit von Reichtum reflektiere nicht Gleichgültigkeit, sondern strukturiere die Informationen, welche die Öffentlichkeit erreichten. Damit prägten diese Informationen den öffentlichen Diskurs über die Legitimität von sozialer Ungleichheit und welchen Vermögensquellen sie sich verdankt.
Warum sind bestimmte Superreiche so unbekannt?
Einige extrem reiche Deutsche tauchen in den Medien kaum auf. Eine Forscherin sieht einen merkwürdigen Zusammenhang: Es sind vor allem jene, deren Vermögen aus Firmen mit Gründungsjahr zwischen 1918 und 1945 stammt.













