Im Juli 1918 feierte Lovis Corinth seinen sechzigsten Geburtstag in Urfeld am Walchensee – und verliebte sich in die bayerische Region. Seine Ehefrau Charlotte Berend ließ daraufhin ein Blockhaus am Ufer des Sees bauen, in dem sich die Familie von 1919 an häufig aufhielt. Die Landschaft um den Walchensee regte den Maler zu knapp sechzig Gemälden und zahlreichen grafischen Werken an, darunter das Ölbild „Walchensee mit roten Booten“, das in Van Hams „Evening Sale“ am 10. Juni zur Auktion kommt.Eine der Vorbesitzerinnen war Tilla DurieuxDas Gemälde entstand 1918 als eines von drei Gemälden mit Seemotiv, die Corinth im Jahr seines ersten Aufenthalts in Urfeld malte. Gemalt auf dem Balkon seines Hotels, fängt es die Ansicht des Sees vor dem Bergpanorama ein. Einst befand sich die 70 mal 55 Zentimeter messende Leinwand im Besitz der Schauspielerin Tilla Durieux, die mit Corinths Galeristen Paul Cassirer verheiratet war; später war es mehr als hundert Jahre im Besitz einer deutschen Familie. Nun tritt es mit einer Voraberwartung von 200.000 bis 300.000 Euro als Spitzenlos in der Abendauktion moderner Kunst bei Van Ham an.Mit einer beeindruckenden Provenienz kann auch Paul Klees kleines Aquarell „Denkmäler am Hang“ aufwarten, das 1917 entstand – zur selben Zeit, als der Maler mit seiner ersten Einzelausstellung in der Berliner Galerie „Der Sturm“ ausgestellt wurde. Das Blatt wanderte im Laufe der Jahre durch den Besitz bekannter Eigentümer, von der Pariser Galerie Berggruen & Cie mit Heinz Berggruen als Inhaber zur prominenten „The Hanover Gallery“ in London in eine der wichtigsten britischen Sammlungen Moderner Kunst von Lady Nika Hulton bis zur Galerie Beyeler in Basel, von wo es der jetzige Besitzer erwarb. Nun soll das Werk 120.000 bis 180.000 Euro erlösen.Wird für einen guten Zweck versteigert: Andy Warhol, „Goethe“, 1982, vier Farbserigraphien, je 96,5 mal 96,5 Zentimeter, vollständiges Matching Set, Exemplar 15 von 100, Taxe 250.000 bis 350.000 EuroVan Ham / 2026 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New YorkVon Adolf de Haer kommt ein großformatiges Gemälde, auf dem fünf Mädchen einen Papageien umringen. Pyramidal angeordnet und sich im Aussehen stark ähnelnd, werden die Frauen als homogene Gruppe wahrgenommen; die prismatischen Parallelstrukturen des Hintergrunds nehmen die Motivdoppelungen zusätzlich auf. Das 150 mal 100 Zentimeter große Bild wurde bisher nie öffentlich gezeigt, befand es sich doch seit seiner Entstehung 1920 in Familienbesitz (Taxe 40.000 bis 60.000 Euro).Zehn Jahre später, 1930, schuf der Kölner Progressive Heinrich Hoerle seinen „Weiblichen Halbakt“ als abstrahierte und gesichtslose Gestalt. Von allen Nebensächlichkeiten befreit und durch geometrische Formen bestimmt, verdeutlicht die Arbeit Hoerles Bemühen, den menschlichen Körper als konstruiertes, zeittypisches Zeichen zu begreifen. Mehrfach ausgestellt in Köln, ist das erstmals auf dem Kunstmarkt erscheinende Werk auf 60.000 bis 80.000 Euro geschätzt.Preislich angeführt wird der „Evening Sale“ von Andy Warhols vierteiliger Farbserigraphie-Serie mit Goethe als inszenierter Popikone aus dem Jahr 1982. Warhol war vom deutschen Verleger Siegfried Unseld mit dessen Porträt beauftragt worden und kam zu Vorbereitungen 1980 nach Frankfurt. Dort sah er Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins berühmtes Goethe-Bildnis im Städel Museum, das als Vorlage für Warhols Interpretation diente. Das Set wird für einen guten Zweck von der Sparkasse Essen angeboten, die es 1983 erwarb. Der Erlös geht unter dem Motto „Für Kinder in Essen“ zu gleichen Teilen an die Stiftung Universitätsmedizin und den Kinderschutzbund Essen (Auflage von 100; 250.000/350.000 Euro). Vergleichbar plakativ, wenn auch mit reduzierter Farbigkeit, gestaltete Neo Rauch sein Ölgemälde „Los“ von 1999 im grafischen Comic-Stil. Gewohnt rätselhaft gruppieren sich verschiedene Personen in bühnenartiger Inszenierung auf dem Werk, das in mehreren Ausstellungen in München, Leipzig und Zürich gezeigt wurde (100.000/150.000 Euro).Zero, neu auf dem MarktDie monumentale „Silberwand“ fertigte Heinz Mack 1961 als zweiteilige, frühe Zero-Arbeit aus Aluminiumfolie auf 295 mal 452 Zentimeter großen Gipsplatten. Sie gilt als Rarität auf dem Kunstmarkt, wurde sie doch 1962 direkt vom Künstler erworben und kommt nun mit einer Schätzung von 220.000 bis 400.000 Euro marktfrisch aus einer Kölner Privatsammlung zum Aufruf.Auch skulpturale Werke sind im „Evening Sale“ vertreten, allen voran die 1966 entstandene und aus rostfreiem Stahl bestehende Arbeit „Two Up, Three Out“ von George Rickey. Die filigrane, kinetische Figur besteht aus fünf Stahlstreben, die sich auf einer vertikalen Stange als stabilisierter Stütze befinden und frei beweglich sind. Dank Rickeys austarierter Konfiguration werden die Streben in tänzerische Bewegung versetzt, die überdimensionale Größe von mehr als fünf Metern verleiht der Skulptur zusätzliche Anmut (150.000/200.000 Euro). Die unteren Erwartungen der Veranstaltung belaufen sich auf 3,9 Millionen Euro.
"Evening Sale" bei Van Ham in Köln
Viermal Goethe von Warhol, eine Silberwand von Mack und eine Seelandschaft von Corinth: Vorschau auf den „Evening Sale“ moderner und zeitgenössischer Kunst bei Van Ham in Köln.







