SZ-Magazin: Wörtlich übersetzt, würde man beim »Breadcrumbing« jemanden »brotkrümeln«. Was hat dieses Phänomen mit Krümeln zu tun?Johanna Degen: Beim »Breadcrumbing« hält man das Entchen an der Futterspur, indem man ihm Brotkrumen der Zuwendung zuwirft, metaphorisch gesprochen. Im Kern ist es eine Hinhaltetaktik im Dating. Jemand suggeriert eine mögliche Beziehung, verspricht Verbindlichkeit oder stellt schöne Dates in Aussicht, die dann nie stattfinden. Im digitalen Raum geht das mit besonders geringem Aufwand: Da können die Häppchen ein paar Likes oder Nachrichten sein, die gerade genug Aufmerksamkeit schenken, so dass die andere Person dranbleibt. Eine drastischere Form sieht man in Affären, wenn immer wieder versprochen wird: Ich werde meine Frau für dich verlassen, und das dann über Jahre nie passiert.
»Breadcrumbing ist Ghosting auf Zeit«
Lange schweigen – und dann gerade so viel Interesse zeigen, um den anderen doch bei der Stange zu halten: Die Sozialpsychologin Johanna Degen erklärt, warum die Dating-Taktik "Breadcrumbing" wie eine Droge wirkt und wie man sich aus dieser Dynamik befreit.










