Späte Strafe: Lex Greensill darf neun Jahre keine britischen Firmen mehr leitenDer Kollaps seiner Finanzfirma hat den Untergang der Credit Suisse beschleunigt. Jetzt wird der Financier Lex Greensill dafür bestraft, dass Gelder von Fonds der Schweizer Grossbank zweckentfremdet wurden.08.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenLex Greensill hat dem Schweizer Finanzplatz einigen Schaden zugefügt.Chris J. Ratcliffe / GettyDie Vergangenheit hat Lex Greensill doch noch eingeholt, wenigstens ein bisschen. Am Donnerstag gab die britische Insolvenzbehörde bekannt, dass der 49-Jährige, der 2021 seine Finanzfirma Greensill Capital mit abenteuerlichen Kreditkonstrukten und überzogenen Versprechen in den Bankrott führte und dabei grossen wirtschaftlichen Flurschaden anrichtete, neun Jahre lang keine britischen Firmen mehr führen darf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als Begründung schrieb der Insolvency Service, dass Greensill unter anderem zugelassen oder veranlasst habe, dass seine Finanzfirma 440 Millionen Dollar an Krediten zweckentfremdete, die sie von Fonds der Credit Suisse erhalten habe. Die CS-Fonds blieben schliesslich auf den Verlusten sitzen, als Greensill Capital im Frühjahr 2021 zusammenbrach.Höchst riskante GeschäfteGreensill Capital betrieb sogenannte Lieferkettenfinanzierung: Sie gewährte Firmen Geld und übernahm im Gegenzug deren Forderungen gegenüber Kunden, die zu späterem Zeitpunkt fällig wurden. Weil Greensill diese Forderungen mit einem kleinen Rabatt kaufen konnte, hätte das Geschäftsmodell – konservativ und mit der nötigen Sorgfalt betrieben – einen bescheidenen, aber regelmässigen Gewinn abwerfen können.Doch Lex Greensill riskierte Kopf und Kragen. Zum Beispiel, indem er Firmen nicht bloss echte Rechnungen abkaufte, sondern sogenannte «future receivables» – das Recht, Zahlungen für Leistungen entgegenzunehmen, welche die Firma noch gar nicht erbracht hatte.Mit seinem Verhalten habe Greensill seine rechtliche Pflicht verletzt, als Geschäftsführer mit der nötigen Sorgfalt, Fachkenntnis und Gewissenhaftigkeit vorzugehen, urteilte nun Duncan Beach, der Chef des britischen Insolvency Service. Eine neunjährige Sperre liege über der durchschnittlichen Dauer solcher Massnahmen – und widerspiegle, wie gravierend das Fehlverhalten von Greensill gewesen sei.Lex Greensill war bis vor kurzem rechtlich gegen den drohenden Bann vorgegangen. Kurz bevor an diesem Montag der Gerichtsprozess begonnen hätte, räumte er aber schriftlich gewisse Sachverhalte ein. Er nahm damit die Sperre in Kauf und schaffte es so, die Sache aussergerichtlich beizulegen.In Grossbritannien scheint die Sperre für Genugtuung gesorgt zu haben. Die Greensill-Affäre galt in London als ausgewachsener Politskandal, weil Lex Greensill vor seinem Fall in den höchsten Kreisen des Landes verkehrte. Greensill hatte unter anderem den früheren britischen Premierminister David Cameron als Berater und Lobbyisten angestellt; Cameron versuchte, über seine Kontakte in Westminster Rettungskredite für Greensill Capital zu organisieren. Wenngleich er damit scheiterte, sahen viele Briten in der Affäre einen Beleg für Vetternwirtschaft.Greensill schadete auch der SchweizAus Schweizer Perspektive bleibt dennoch ein bitterer Nachgeschmack. Greensills Name mag in Grossbritannien zwar nachhaltig ruiniert sein. Aber weder die Credit Suisse noch ihre Rechtsnachfolgerin, die UBS, haben bisher viel Erfolg damit gehabt, die verlorenen Gelder zurückzuerhalten. Die UBS scheiterte im Oktober 2025 vor dem Londoner High Court mit einer Klage gegen Softbank; das ist der Wagniskapitalgeber hinter dem Startup, dessen Bankrott im Zuge des Greensill-Kollapses letztlich für den Ausfall der 440 Millionen Dollar bei der Credit Suisse sorgte.Aus Sicht der Grossbank wog der Reputationsverlust, den sie bei der Greensill-Pleite erlitten hatte, fast noch schwerer als die Ausfälle selbst; schliesslich hatte sie Greensills Lieferkettenfinanzierung bei ihren vermögenden Kunden einst als sicheres und profitables Investment beworben. Insofern trug diese Affäre, nebst vielen anderen Skandalen, zum Vertrauensverlust bei, der Anfang 2023 schliesslich zur behördlich angeordneten Übernahme der CS durch die UBS führte.Passend zum Artikel