Der Ablauf bei einem Stabhochsprung-Wettbewerb auf Weltklasse-Niveau ist in den vergangenen Jahren fast immer ähnlich gewesen. Während sich alle Wettbewerber an den Höhen jenseits der 5,60 Meter abmühen – einmal, zweimal, dreimal –, und sich gelegentlich der Traumgrenze von sechs Metern erfolgreich annähern, lungert Armand Duplantis im Halbschatten neben der Anlage herum.Nach dem Einspringen hat er Pause. Meistens setzt er dann einen Sprung für die Galerie und der eigenen Sicherheit, winkt ins begeisterte Publikum und legt sich wieder hin. Dann, wenn sich das Teilnehmerfeld schon merklich gelichtet hat, setzt er einen Sprung über 5,90 oder sechs Meter, um Maß zu nehmen an den Duplantis-Höhen – und steht meistens schon als Sieger fest.Danach, als einzig Verbliebener im Wettkampf und Hauptattraktion der Veranstaltung, peilt er den Weltrekord an. 15 Mal hat er ihn schon gesteigert. Immer Scheibchenweise. Zuletzt auf 6,31 Meter. Manchmal belässt er es auch beim Meeting-Rekord.Kurtis Marschall ist der Sieger des TagesAn diesem Sonntag war alles anders. Und das ausgerechnet in Stockholm. Nach fast drei Jahren und 40 Siegen in Serie gewann diesmal nicht Armand Duplantis.Es fing schon komisch an beim Diamond-League-Meeting im Olympiastadion. Der zweimalige Olympiasieger, dreimalige Weltmeister und dreimalige Europameister riss gleich mal seine Einstiegshöhe von 5,60 Metern. Er schaffte sie zwar im zweiten Versuch, und auch die 5,80 auf Anhieb. Doch dann war Schluss.Während der Australier Kurtis Marschall 5,90 Meter im dritten Versuch meisterte, konnte Duplantis nicht nachliefern. Er scheiterte zweimal an sechs Metern und einmal bei seinem aufgesparten Jokersprung an 6,05 Metern. Rang zwei. Schlechter war Duplantis zuletzt im Juli 2023 in Brüssel platziert gewesen. Doch der Sieggewohnte zeigt sich als fairer Verlierer und gratuliert seinem Bezwinger herzlich. Auch ein Überflieger erwischt eben mal einen schwachen Tag.