Das Rhein-Main-Gebiet ist eines der wirtschaftlichen Kraftzentren der Republik, immer noch. Doch beinahe unmerklich, aber bei genauerem Hinsehen doch sichtbar, bekommt das Fundament Risse. Eine Kombination aus strukturellen Standortnachteilen, einer alternden Verkehrsinfrastruktur und starren Verwaltungshürden bedroht den Wohlstand. Es ist nicht mehr nur ein zyklischer Abschwung, sondern ein fundamentaler Stresstest für das bisherige Geschäftsmodell der Region.So steht die noch vorhandene Industrie trotz aller Entlastungsbemühungen unter dem Druck dauerhaft hoher Energiepreise und einer schleppenden Wasserstoffstrategie. Unternehmen im Chemiepark Höchst oder in der Hanauer Materialtechnik prüfen Erweiterungsinvestitionen doppelt. Das gilt ebenso für neue Branchen: Rund um den Internetknoten DE-CIX in Frankfurt ballt sich ein Großteil der europäischen Rechenzentren, doch der Stromhunger der Branche ist gewaltig.Der Ausbau der Verteilnetze hält mit dem Bedarf der Digitalisierung nicht Schritt. Wenn Kapazitäten fehlen und gleichzeitig unrealistische gesetzliche Vorgaben zur Abwärmenutzung drücken, droht nicht nur ein Stopp für neue Ansiedlungen, sondern auch ein Abwandern zukunftsweisender KI-Infrastruktur. Gleichzeitig konkurrieren diese Anlagen mit dem wachsenden Strombedarf der Elektromobilität um die knappen Ressourcen im Netz.Mehr interkommunale GewerbegebieteZudem verschärft sich der Mangel an Flächen für Gewerbe und Wohnungsbau gleichermaßen. Fehlender Wohnraum erschwert die Suche nach Fachkräften erheblich. Längst trifft dies nicht mehr nur IT-Spezialisten oder Banker, sondern das Rückgrat der städtischen Infrastruktur – von der Pflegekraft bis zum Handwerker. Wer sich das Leben im Ballungsraum nicht mehr leisten kann, weicht aus oder zieht ganz weg. Bei den Gewerbeflächen sieht es nicht viel besser aus. Unternehmen, die wachsen wollen, finden im engeren Umkreis zu selten bezahlbaren Platz.Es wäre klug, deutlich mehr interkommunale Gewerbegebiete auszuweisen, bei allem begrüßenswerten Ansiedlungswettbewerb zwischen den Kommunen selbst. Auf Verwaltungsebene blockieren der Verfahrensstau in den oft personell unterbesetzten Ämtern (und Gerichten) sowie eine noch immer erdrückende Last an Vorschriften die Verwirklichung von Projekten. Die Landesregierung in Wiesbaden hat dieses Problem zwar erkannt, doch die dortigen Bemühungen um Deregulierung greifen noch zu kurz. Die bisherigen Schritte wie punktuelle Entschärfungen der Bauordnung sind ein Anfang, doch sie reichen nicht aus, um den Investitionsstau aufzulösen und die dringend benötigte Dynamik zurückzubringen.Das Rhein-Main-Gebiet benötigt angesichts tektonischer Verschiebungen im Ringen um globale Wettbewerbsfähigkeit endlich die schon lange geforderte Wirtschaftspolitik, die den Ballungsraum als zusammenhängenden Raum denkt und steuert. Das erfordert einen priorisierten Netzausbau, die weitere Beschleunigung von Verkehrsprojekten und vor allem eine durchsetzungsfähige Raumplanung, die über kommunale Grenzen und lokale Eitelkeiten hinausgeht. Wettbewerb ist immer gut, auch der zwischen Eschborn und Frankfurt. Aber es geht zudem um die Frage, wie das alternde Frankfurt im Vergleich mit jungen Metropolen in Asien konkurrieren kann.