Juni in Berlin – das ist Saisonhöhepunkt im Deutschen Theater. Seit 16 Jahren ist das so, als der damals neue Intendant Ulrich Khuon die von ihm 1995 in Hannover gegründeten Autorentheatertage (kurz ATT) von Hamburg mit an die Spree brachte. Ein zweiwöchiges Festival für neue Dramatik, das vor 30 Jahren noch als Nischenveranstaltung und Zukunftsversprechen galt und seinen Betreibern Mut abverlangte. Mittlerweile ist kein Theater mehr ohne einen gewichtigen Teil Gegenwartsdramatik denkbar, besonders in Berlin nicht, wo die nunmehr gegenderte Autor:innentheatertage einerseits zwar immer ein bisschen im Schatten des großen Theatertreffens im Mai stehen, andererseits aber auch gerade daraus oft ihre Chuzpe schlugen. Denn nicht selten konnte man so im Juni im DT jene „bemerkenswerten“ Produktionen sehen, die für das Festspielhaus zuvor zu umstritten, vielleicht auch zu klein oder zu frisch waren. Denn beim ATT geht es nur um Uraufführungen.
Die schillernd widersprüchliche Kraft der Bühne
Heiß diskutierte Theatertreffen-Kandidaten sucht man im diesjährigen Programm vergebens, aber „14 Tage Schleudergang neue Dramatik“ versprach Intendantin Iris Laufenberg am Sonnabend bei der Eröffnung dennoch. Auch heute bedeute dieser Schleudergang immer noch mehr Risikofreude, als ein Fahren auf Sicherheit, so Laufenberg. Und vielleicht schickte sie das auch deshalb voran, weil sie das folgende Eröffnungsgastspiel „3 Schwestern“ aus Zürich kannte, an dem man sieht, dass ein durchaus kluger Text und vier hochkarätige Schauspielerinnen einen Theaterabend trotzdem noch nicht zu einem guten machen. Warum nicht?









