Mirra Andreeva gewinnt den French-Open-Final gegen Maja ChwalinskaEs ist der Sieg und die Titelpremiere der Favoritin Andreeva. Maja Chwalinska hingegen hat als Qualifikantin und Überraschungsfinalistin die Sympathien auf ihrer Seite.Klaus Bellstedt, Paris06.06.2026, 17.01 Uhr3 LeseminutenAm French Open 2026 gewinnt die Russin Mirra Andreeva ihren ersten Grand-Slam-Titel.Guglielmo Mangiapane / ReutersEinen halben Satz lang hielt Maja Chwalinska im Final am French Open gut mit. Die Sensations-Finalistin, die in Paris aus der Qualifikation gekommen war, zog gegen die Favoritin Mirra Andreeva sofort ihr typisches Spiel auf: viele Mondbälle aus Stopps mit der beidhändigen Rückhand und weit heraustreibende Kick-Aufschläge.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Chwalinska ist Linkshänderin, gegen sie ist es per se schon schwierig zu spielen für Tennis-Profis, die ihr Arbeitsgerät in der rechten Hand halten. Andreeva, 19 Jahre jung, aber schon eine zuverlässige Top-Ten-Spielerin, wirkte genervt von diesem unkonventionellen Stil. Es war auch für sie das erste Grand-Slam-Final.Für die Polin und Qualifikantin Maja Chwalinska war der Finaleinzug ein Riesenerfolg.Christophe Ena / APMitte des ersten Satzes aber kippte das Spiel. Andreeva entschlüsselte gewissermassen das Spiel ihrer Gegnerin, stellte sich immer besser auf Chwalinska ein und gewann am Ende das mit zunehmender Matchdauer immer einseitiger werdende Spiel in zwei Sätzen mit 6:3 und 6:2.Höflicher Applaus und sagenhafte StoryDer Beifall des französischen Publikums auf dem Court Philippe Chatrier fiel, nun ja, höflich für Andreeva aus. Die Sympathien, das war auch bei der Siegerehrung eindeutig zu vernehmen, galten klar der Aussenseiterin. «Maja, Maja»-Sprechchöre hallten durch diese riesige Tennis-Schüssel, als Chwalinska die kleine Trophäe der Unterlegenen entgegennahm, einen silbernen Teller.Es ist diese sagenhafte Story, die die Polin am French Open zum Liebling der Fans gemacht hat. Und die Niederlage gegen Andreeva änderte daran nichts. Vor fünf Jahren dachte die Polin darüber nach, ihre Karriere zu beenden. Depressionen hatten sie in eine tiefe Krise gestürzt. «Ich konnte nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Ehrlich gesagt fühlte ich mich leblos», erzählte die heute 24-Jährige in Paris. Anderthalb Jahre lang kämpfte sie mit psychischen Problemen, legte schliesslich eine Pause ein und wusste damals nicht einmal, ob sie jemals auf die Tour zurückkehren würde.Dass Chwalinska am Samstag nun auf dem Court Philippe Chatrier um einen Grand-Slam-Titel spielte, grenzt deshalb an ein kleines Wunder. Die Weltranglisten-113. musste sich zunächst durch die Qualifikation kämpfen und bestritt in drei Wochen zehn Spiele.Mit dem Finaleinzug Preisgeld verdoppeltNoch bemerkenswerter ist ihre Entwicklung vor dem Hintergrund ihrer Jugendzeit. Damals galt sie in Polen als ebenso grosses Talent wie ihre Landsfrau Iga Swiatek. Gemeinsam erreichten die beiden 2017 sogar den Juniorinnen-Doppelfinal des Australian Open. Während Swiatek anschliessend zur Weltranglistenersten und mehrfachen Grand-Slam-Siegerin aufstieg, verschwand Chwalinska weitgehend aus dem Rampenlicht und mühte sich jahrelang auf den kleineren Turnieren der dritten Tennis-Liga ab.Auch finanziell lebte sie bislang in einer anderen Welt. In acht Profijahren erspielte sie rund 860 000 Dollar Preisgeld. Mit ihrem Finaleinzug im Stade de Roland Garros verdoppelte sie diese Summe praktisch auf einen Schlag. In den Wochen von Paris fehlte ihr teils sogar das Geld, um die Hotelrechnung vorzustrecken, ehe ein polnischer Sponsor einsprang. Noch während des Turniers wurde Chwalinska auf ihre ständig wechselnden Outfits angesprochen. Ihre Antwort sorgte für Gelächter im Presseraum: «Dahinter steckt keine Geschichte. Ich habe einfach keine Sponsoren.»All das dürfte sich nun schlagartig ändern. Chwalinska wird erstmals in die Top 30 der Frauen-Weltrangliste vorstossen und sich vor Angeboten wohl kaum retten können. Schon Momente nach der Niederlage schien die Polin realisiert zu haben, was ihr da in Paris gelungen war. Sie nahm auf ihrer Bank nach dem Handshake mit Andreeva einen tiefen Schluck aus ihrer Wasserflasche. Chwalinska sprach danach ein paar Sätze zu sich selbst. Wer genau hinsah, konnte ein kleines Lachen auf ihrem Gesicht entdecken.Passend zum Artikel